Mit der Entwicklung zielgerichteter Wirkstoffe hat sich die Prognose von CLL-Patienten im Vergleich zur Chemoimmuntherapie (CIT) als früherem Standard weiter verbessert. PD Dr. Dr. Katharina Prochatzka, Graz, Österreich, wies jedoch darauf hin, dass auch heute trotz des mittlerweile sehr langen progressionsfreien Intervalls oder wegen Auftreten einer Kardiotoxizität unter einer BTK-Inhibition bei Einzelnen eine Rezidivtherapie erforderlich ist. Die Therapiewahl richtet sich neben patienteneigenen Faktoren vor allem nach der Vortherapie. Bei einem Rückfall nach BTK-Inhibition empfiehlt die Onkopedia-Leitlinie wegen der hohen Effektivität und der Therapiedauer von zwei Jahren auf Basis der MURANO-Studie die Kombination Venetoclax/Rituximab (VenR) mit initialem Ramp-up von Venetoclax (Venclyxto®) und der späteren Zugabe des Antikörpers. In der Phase-III-Studie verglich man die zeitlich limitierte Therapie mit VenR bei rezidivierter/refraktärer CLL versus Bendamustin/Rituximab (BR). Mittlerweile liegt die finale Analyse von MURANO nach einem medianen Follow-up von sieben Jahren und fünf Jahre nach Beendigung der VenR-Therapie vor [1]. Prof. Stephan Stilgenbauer, Ulm, wertete die aktuellen Daten als „sehr eindrucksvoll“: Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) im Arm mit VenR lag bei 54,7 versus 17 Monaten unter BR. Der Median im Gesamtüberleben ist unter VenR noch nicht erreicht (vs. 87,8 Monate im Kontrollarm).
Als Alternative ist seit Kurzem der nichtkovalente BTK-Inhibitor Pirtobrutinib zugelassen. Als neues Therapieprinzip stellte Stilgenbauer BTK-Degrader wie ABBV-101 vor, die die BTK nach Bindung an dieselbe und an den E3-Ligase-Liganden durch Ubiquitinierung im Proteasom komplett abbauen und derzeit in Studien evaluiert werden.
Dr. Katharina Arnheim