PV: verbesserte Wirksamkeit mit Hepcidin-Mimetikum
Bei der Polycythaemia Vera (PV) handelt es sich um eine myeloproliferative Erkrankung, die durch eine exzessive Produktion roter Blutkörperchen charakterisiert ist und mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre und thrombotische Ereignisse einhergeht. Die Erkrankung ist streng mit Mutationen im Januskinase-2(JAK2)-Gen assoziiert.
Das Therapieziel der initialen Behandlung mit einer Phlebotomie ist die Kontrolle des Hämatokrits (< 45 %). Ein für die Erkrankten möglicherweise effektiverer und angenehmerer Therapieansatz könnte die subkutane Gabe von Rusfertid, einem Hepcidin-Mimetikum, sein.
In der Phase-III-Studie VERIFY wurde Rusfertid bei insgesamt 293 Personen mit PV randomisiert gegen Placebo geprüft [1]. In beiden Studienarmen erhielten die Betroffenen zudem die Standardbehandlung. Nach 32 Wochen sah das Protokoll vor, dass alle eingeschlossenen Erkrankten mit Rusfertid plus Standardbehandlung weiterbehandelt werden. 93,5 % der randomisierten Teilnehmenden erhielten ab Woche 32 offen Rusfertid. Als primärer Endpunkt wurde das Ansprechen für Woche 20 bis 32 doppelblind erfasst, die Dauer des Ansprechens wurde als ein sekundärer Endpunkt in den Wochen 32 bis 52 untersucht.
Die Studie erreichte den primären Endpunkt und weitere sekundäre Endpunkte innerhalb der ersten 32 Therapiewochen. 76,9 versus 32,9 % der Behandelten im Rusfertid- beziehungsweise Placeboarm sprachen auf die Behandlung an (p < 0,0001). Die durchschnittliche Anzahl an Phlebothomien lag bei 0,5 versus 1,8 (p < 0,0001), und 62,6 versus 14,4 % der Erkrankten erreichten einen Hämatokrit-Wert von < 45 % (p < 0,0001). Die Auswertung der Symptomlast mittels der validierten Fragebögen PROMIS SF-8a und MFSAF TSS7 ergab eine signifikante Verbesserung der Fatigue und der Symptomlast unter Rusfertid im Vergleich zu Placebo.
Die Dauer des Ansprechens wurde für Erkrankte, die in den Rusfertid-Arm randomisiert wurden, als Anteil der Personen ohne Notwendigkeit der Phlebotomie und als mediane Zeit bis zur ersten Phlebotomie erhoben. Bei Betroffenen, die in den Placeboarm randomisiert wurden und ab Woche 32 ebenfalls Rusfertid erhielten, wurde die Phlebotomie-Freiheit in den Wochen 40 bis 52 gemessen.
Im Ergebnis wurde mit Rusfertid eine schnelle und dauerhafte Kontrolle des Hämatokrit-Werts erreicht. 84,1 % der Behandelten des Rusfertid-Arms zeigten nach Woche 32 ein andauerndes Ansprechen, 77,9 % des Placeboarms benötigten nach dem Wechsel auf Rusfertid keine Phlebotomie. Der Median war bezüglich der Zeit bis zur ersten Phlebotomie bei den Probanden beider Therapiearme unter Rusfertid-Therapie nicht erreicht und betrug für jene unter Placebo 16 Wochen. Die Ferritinspiegel normalisierten sich unter Rusfertid im Laufe der Behandlung. Serum-Eisen-Spiegel erhöhten sich leicht bis Woche 52.
Therapieassoziierte Nebenwirkungen unter Rusfertid traten im Wesentlichen mit Schweregrad 1 oder 2 auf. Bei 3,4 % der Behandelten kam es innerhalb der ersten 32 Wochen und bei 2,6 % im Zeitraum Woche 32 bis 52 unter Rusfertid zu klinisch relevanten Nebenwirkungen. Es brachen 7,5 % im ersten und 2,6 % im zweiten Studienzeitraum die Therapie mit Rusfertid ab.