Frühes Mammakarzinom
Ein Fokus beim frühen Mammakarzinom waren die lokale operative Therapie und aktuelle Daten zu den oralen SERD („selective estrogen receptor degraders“). Zudem gab es unmittelbar praxisrelevante Studiendaten zum Mammografie-Screening, der Onkofertilitätsversorgung und der menopausalen Hormontherapie (MHT) bei BRCA1/2-Mutationsträgerinnen.
Risikoadaptiertes Screening auf Brustkrebs mit Vorteilen
„Warum stimmen wir das Mammakarzinom-Screening nicht auf das individuelle Risiko der Frauen ab?“ Mit dieser Frage startete Prof. Laura J. Esserman, San Francisco, CA/USA, ihren Vortrag zum risiko-adaptierten Mammografie-Screening. Die Daten der WISDOM-1.0-Studie bestätigen die Notwendigkeit dieser Fragestellung [1].
In die Kohorten- und Nichtunterlegenheitsstudie WISDOM 1.0. wurden insgesamt 46.000 Frauen ohne Krebsdiagnose (40 bis 74 Jahre alt) über sieben Jahre rekrutiert, anhand eines „Comprehensive Risk Assessment Model“ in vier Risikogruppen eingeteilt und auf zwei Kohorten verteilt – eine randomisierte Kohorte (61 %) oder eine Beobachtungskohorte (39 %). Verglichen wurde ein risikobasiertes Screening (unterschiedliche Intervalle und ggf. erweiterte Bildgebung) mit einem jährlichen Mammografie-Screening. Unter dem risikobasierten Screening zeigte sich – jeweils berechnet auf 100.000 Fälle/Jahr – kein Anstieg weiter fortgeschrittener Erstdiagnosen (≥ 2B-Karzinome). Die Gesamtzahl der im Screening detektierten Karzinome war konstant geblieben bei einem Anstieg der sehr frühen Brustkrebsstadien. Letztere, so Esserman, gingen mit einer günstigeren Prognose einher und ließen sich besser behandeln. Damit war der primäre Studienendpunkt erreicht.
Die Ergebnisse kommen nicht nur den Frauen zugute, sondern reduzierten auch Kosten, resümierte Esserman. Der Anteil der Frauen mit hohem Risiko an der Gesamtpopulation war mit 2,1 % gering; diese Gruppe hatte aber mit 1.279 invasiven Karzinomen pro 100.000 Frauen/Jahr mit Abstand die höchste Brustkrebsinzidenz. Das risikobasierte Screening habe sich als sicher erwiesen, könne Morbidität und Mortalität senken und sollte neuer Standard werden.
PREFER: hohe Akzeptanz für fertilitätserhaltende Maßnahmen
Bei prämenopausalen Patientinnen mit frühem Mammakarzinom, die eine Chemotherapie erhalten sollen, sind der Kinderwunsch und die Frage des Fertilitätserhalts beziehungsweise des Ovarfunktionserhalts ein wichtiges Thema. Die multizentrische prospektive Kohortenstudie PREFER (PREgnany and FERtility) [2] aus Italien liefert hier wichtige Daten, die für die Onkofertilitätsberatung genutzt werden sollten, so Prof. Matteo Lambertini, Genua, Italien. Primäres Studienziel war es, die Akzeptanz verschiedener Strategien zum Fertilitätserhalt und die Ablehnungsgründe zu erfassen. Eingeschlossen waren 746 prämenopausale Patientinnen (18 bis 45 Jahre) mit frühem Mammakarzinom (eBC; Stadien I bis III).
Die Daten zeigen unabhängig vom Alter eine hohe Akzeptanz für den Einsatz eines GnRH(Gonadotropin-Releasing-Hormon)-Agonisten während der Chemotherapie (89,3 % [≤ 40 Jahre] bzw. 75,1 % [41 bis 45 Jahre]). Den jüngeren Frauen (≤ 40 Jahre) wurden außerdem verschiedene Kryokonservierungsverfahren angeboten. Ein Viertel dieser Frauen stimmte zu und entschied sich mehrheitlich für eine Oozytenkonservierung. Die Akzeptanz war besonders hoch bei Frauen, die noch keine Kinder hatten (p = 0,0127), und insgesamt umso höher, je jünger die Frauen waren (p < 0,001) und je niedriger der Tumorgrad war (p = 0,0041).
Die Studie ergab zudem, dass die kontrollierte ovarielle Stimulation (COS) zur Oozytenkonservierung weder das krankheitsfreie Überleben (DFS; Hazard Ratio [HR] 0,78) noch das Gesamtüberleben (OS; HR 0,53) negativ beeinflusste. Dies galt auch für die Frauen mit hormonrezeptorpositivem (HR+) eBC (DFS; HR 0,79).
Menopausale Hormontherapie bei BRCA1/2-Mutation sicher
Die Datenlage, ob Frauen mit pathogener Variante in den BRCA1- und/oder BRCA2-Genen und prophylaktischer bilateraler Salpingo-Oophorektomie ein erhöhtes Mammakarzinomrisiko durch den Einsatz einer menopausalen Hormontherapie (MHT) haben, sei bislang limitiert gewesen, betonte Prof. Joanne Kotsopoulos, Toronto, Kanada. Jetzt zeige eine prospektive Matched-pair-Analyse [3], dass kein erhöhtes Brustkrebsrisiko bestehe.
Eingeschlossen waren nur BRCA1/2-Mutationsträgerinnen ohne Krebsdiagnose oder bilaterale Mastektomie. Verglichen wurden die Daten von 676 gematchten Paaren mit versus ohne MHT. Bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 5,6 Jahren lag die kumulative Inzidenz (über 15 Jahre) an Brustkrebsfällen bei Einsatz einer MHT – unabhängig von der Genmutation oder der Formulierung – statistisch signifikant niedriger (n = 87/676 [24,5 %] vs. n = 128/676 (42,9 %); HR 0,48; p < 0,0001). Unter alleiniger Östrogengabe zeigte sich – ebenfalls unabhängig von Genmutation oder Formulierung – sogar ein protektiver Effekt (HR 0,37; p < 0,0001).
Auch wenn die Studie Limitationen aufweise und eine längere Nachbeobachtungszeit wünschenswert sei, würden die Daten eine evidenzbasierte Grundlage für den sicheren Einsatz einer MHT für BRCA1/2-Mutationsträgerinnen nach prophylaktischer Oophorektomie bieten, resümierte Kotsopoulos. Eine offene Frage sei, ob die MHT nach Brustkrebsdiagnose das Sterberisiko von BRCA1/2-Mutationsträgerinnen erhöhe.
Erster oraler SERD mit positiven Daten beim frühen Brustkrebs
Zu den therapeutischen Highlights beim HR+ eBC gehörte die zweiarmige randomisierte Phase-III-Studie lidERA [4] mit dem oralen SERD Giredestrant, der bei prä- und postmenopausalen Patientinnen (inkl. Männer) mit HR+/HER2-negativem (HER2–) eBC (mehrheitlich Stadium II/III) und intermediärem oder hohem Risiko in der adjuvanten Situation mit einer endokrinen Standardtherapie (SOC-ET: Tamoxifen oder Aromatasehemmer mit oder ohne LHRH[Luteinisierendes-Hormon-Releasing-Hormon]-Agonist) im Kontrollarm verglichen wurde. Über 4.000 Personen wurden randomisiert und erhalten Giredestrant (± LHRH-Agonist) beziehungsweise die SOC-ET über fünf Jahre. Primärer Studienendpunkt ist das krankheitsfreie Überleben ohne invasives Ereignis (iDFS).
In der ersten Interimsanalyse nach median 32,3 Monaten kam es trotz des frühen Auswertungszeitpunkts bereits zu einer statistisch signifikanten Reduktion invasiver Ereignisse im Giredestrant-Arm gegenüber dem Kontrollarm (6,7 vs. 9,4 %; HR 0,70; p = 0,0014) (Abb. 1), betonte Prof. Aditya L. Bardia, Los Angeles, CA/USA.