Fortgeschrittenes Mammakarzinom: ABC8-Konsens zur Systemtherapie
Alle zwei Jahre findet im November in Lissabon, Portugal, die internationale Konsensuskonferenz zum lokal fortgeschrittenen beziehungsweise metastasierten Mammakarzinom („advanced breast cancer“; ABC) statt. Die Konsensusempfehlungen werden von einem Panel internationaler Brustkrebsexperten erarbeitet. Ziel ist es, die ABC-Behandlung weltweit zu standardisieren. Die mittlerweile achte ABC-Konsensuskonferenz (ABC8) fokussierte auf die systemische Therapie in der fortgeschrittenen Situation. Die wichtigsten neuen beziehungsweise modifizierten Empfehlungen sind nachfolgend zusammengefasst.
lokal fortgeschrittenes/metastasiertes Mammakarzinom, Konsensusempfehlungen, Systemtherapie, CDK4/6-Inhibitoren, SERD („selective estrogen receptor degraders“), Antikörper-Wirkstoff-Konjugate
Empfehlungen zum ER-positiven ABC
Beim östrogenrezeptorpositiven (ER+) und HER2-negativen (HER2–) ABC lag der inhaltliche Schwerpunkt der Konsensuskonferenz auf dem Einsatz der CDK4/6-Inhibitoren, den oralen SERD („selective estrogen receptor degraders“) sowie den Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADC).
Weiterhin werden die CDK4/6-Inhibitoren als Erstlinienstandard beim ER+/HER2– ABC empfohlen. Für die Zweitlinientherapie des ABC stehen unterschiedliche, meist zielgerichtete Optionen zur Verfügung. Eine reine endokrine Therapie (ET) ist laut ABC8-Expertenkonsens in der zweiten Therapielinie kein Standard mehr.
Erstlinientherapie nach adjuvanter CDK4/6-Inhibitor-Gabe
Zur Erstlinientherapie bei einem Progress nach adjuvanter CDK4/6-Inhibitor-Gabe (plus ET) gibt es bislang keine Daten aus randomisierten Studien, weshalb die Empfehlungen des ABC8-Panels als Expertenmeinung gelten:
- Waren Patientinnen nach abgeschlossener adjuvanter Therapie (inkl. CDK4/6-Inhibitor) mindestens zwölf Monate krankheitsfrei, kann als Erstlinientherapie erneut eine ET plus CDK4/6-Inhibitor eingesetzt werden, wenn der Tumor weiterhin ER+/HER2– ist und keine viszerale Krise vorliegt. Empfohlen wird, sowohl den CDK4/6-Inhibitor als auch die ET zu wechseln.
- Bei kurzer krankheitsfreier Zeit (DFI) nach abgeschlossener adjuvanter CDK4/6-Inhibitor-Therapie (< 12 Monate) empfehlen die ABC8-Panelmitglieder, auf Genmutationen beziehungsweise -Alterationen (z. B. ESR1, PIK3CA, AKT/PTEN, gBRCA) zu testen, um gegebenenfalls auf eine zielgerichtete Therapie zu wechseln. Liegt eine viszerale Krise vor, sollte auch die Indikation zur Chemotherapie geprüft werden.
CDK4/6-Inhibition nach der Erstlinie als Therapie über Progression hinaus?
Nach CDK4/6-basierter Erstlinientherapie im metastasierten Setting ist eine endokrinbasierte Folgetherapie mit einem CDK4/6-Inhibitor („treatment beyond progression“; TbP) bei Progress keine bevorzugte Therapieoption. Auch hier verweist das ABC8-Panel auf die zahlreichen zielgerichteten Kombinationstherapien.