Die Wirkung von selektiven Serotonin-Reuptake-Inhibitoren auf das Gerinnungssystem: Ist der Nutzen größer als das Risiko?

Selektive Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRI) gehören in Deutschland zu den am häufigsten verordneten Anti­depressiva. Das Risiko für eine gastrointestinale Blutung ist moderat erhöht, steigt aber durch die Kombination mit thrombozytenfunktionshemmenden Mitteln (z. B. NSAR, ASS, Clopidogrel) und/oder Antikoagulantien (z. B. DOAKs, VKA) an. Laboranalytisch kann eine gestörte Thrombozytenfunktion unter SSRI mit Plättchenfunktionstests nicht zuverlässig erfasst werden, sodass der zeitlichen Zuordnung zwischen Blutung und SSRI-Einnahme eine besondere Bedeutung zukommt. Für den Einsatz im klinischen Alltag sollte der Nutzen gegenüber dem Blutungsrisiko vor allem bei älteren, multimorbiden Patienten abgewogen werden.

Schlüsselwörter: SSRI, 5-HT, obere gastrointestinale Blutung, Hirnblutung, NSAR, TAH, DOAK, VKA, PFA-Test