Schnittstellen überall

LIS und Order Entry

Auch die Laborinformationssysteme (LIS) bleiben nicht unbeeinflusst von der Corona-Pandemie. Die Labore, die unter Hochdruck die Vielzahl von Assays rund um SARS-CoV-2 und COVID-19 bewältigen, dabei auch immer wieder in kürzester Zeit Anpassungen der Teststrategie erleben und darüber hinaus auch noch die Standarduntersuchungen aus anderen Bereichen aufrechterhalten müssen, benötigen dringend Anpassungen ihrer LIS, die diese Aufgaben unterstützen.
Fünf Laborinformationssysteme von vier Herstellern sind im aktuellen Update unseres tabellarischen Vergleichs vertreten. Die Hersteller haben Funktionalitäten umgesetzt, die durch Anforderungen aus der Pandemie forciert wurden und werden, beispielsweise die Schnittstelle zur Corona-Warn-App. Es handelt sich allerdings eher um die Beschleunigung eines bereits eingeschlagenen Weges, als um vollkommen neue Anforderungen. Denn auch auf die Entwicklung der Laborinformationssys­teme übt die Digitalisierung seit längerem Druck aus.

Tabellarische Darstellung: Laborinformationssysteme

Funktionalität des Jahres

Schnittstellenkommunikation könnte die Funktionalität des Jahres werden, wenn eine solche gekürt würde. Zumindest ist sie das Thema der aktuellen tabellarischen Übersicht. Dabei handelt es sich um elektronische, also digitale Kommunikation zwischen Systemen mit unterschiedlicher Datenstruktur. Damit Informationen verständlich ausgetauscht werden können, muss festgelegt werden, welche Information von System A der Information von System B entspricht. Natürlich ist das schon sehr lange Thema und funktioniert auch. Aber jetzt nimmt die Schnittstellenthematik Fahrt auf, z. T. in neue Richtungen.
Ein typisches Beispiel ist die DEMIS-Schnittstelle (Deutsches elektronisches Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz), mit deren Hilfe Meldungen im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes elektronisch an das RKI gemeldet werden. Weiter gehören dazu Schnittstellen zur Corona-Warn-App, zu mobilen Apps zur Patienten- und Auftragserfassung oder auch Befund-Apps, mit denen die behandelnden Ärzte jederzeit über Smartphone oder Tablet Laborergebnisse abfragen können. Inzwischen wird über Apps sogar die Kommunikation zu den Patienten direkt aufgebaut. Dabei geht es um Befundauskunft, aber auch um den Bezahlvorgang privat in Auftrag gegebener Laborleistungen, z. B. über Paypal oder mit Kreditkarte. Alles Dinge, die jetzt dringender denn je benötigt werden, auch unter dem Aspekt, dass nicht jede Laboruntersuchung von der Krankenkasse bezahlt wird.
Laborinformationssysteme bieten zudem eine Vielzahl an fachgebietsspezifischen Modulen an. Eines verfügt beispielsweise über ein Zytologie-Modul, das wiederum Schnittstellen zu organisierten Krebsvorsorgeprogrammen benötigt, sofern diese laborrelevant sind.
Es wäre nicht fair, die Funktionalitäten unerwähnt zu lassen, die von Herstellern der Laborinformationssysteme seit Jahrzehnten kontinuierlich weiterentwickelt werden. Auch dazu zählen Schnittstellen, beispielsweise im Rahmen der Laborautomation zur Integration von Laborstraßen, von Pipettierrobotern, Probenverteilsys­temen oder zu den zahlreichen Point-of-Care-Geräten, die auf den Stationen oder in den Funktionsbereichen der Krankenhäuser zum Einsatz kommen. POC-Geräte können wahlweise über eine Middleware oder direkt über das Laborinformationssystem angebunden werden. Bei der Anbindung über das LIS direkt ist es wichtig, dass die Gerätesteuerung im Sinne einer Fernwartung und darüber hinaus auch zur Überwachung der Qualitätssicherung genutzt werden kann.

Nur nicht den Überblick verlieren

Labore sehen sich ganz aktuell einer neuen Herausforderung gegenüber. So kann es beispielsweise sein, dass die Mitarbeiter eines Krankenhauses regelmäßig zweimal pro Woche mit Antigen-Assays auf SARS-CoV-2 getestet werden müssen. Da es sich hier nicht um Patienten im engeren Sinne handelt, die bereits im KIS/LIS vorhanden sind, muss eine Patienten-ID erfasst werden, bevor für sie überhaupt ein Auftrag erfasst werden kann. Sind „Patient“ und Auftrag im System, geht alles seinen normalen Weg bis zum Befund. Auf den hat der „Patient“ natürlich ein Anrecht. Grundsätzlich sollten Befunde und Patientendaten nur einem begrenzten Personenkreis zur Verfügung stehen. Da es sich jedoch um eine Personaluntersuchung handelt, mit dem Ziel, alle Mitarbeiter und Patienten vor COVID-19 zu schützen, hat dieser Befund noch einen weiteren Weg vor sich. Im positiven Falle geht das Resultat zur Kontaktnachverfolgung und für statistische Zwecken über die DEMIS-Schnittstelle an das Gesundheitsamt und in die Corona-Warn-App. Außerdem werden Teilmengen der Daten werden für die Abrechnung und für statis­tische Zwecke benötigt. Für regelmäßige wiederkehrende Untersuchungen wie im hier genannten Beispiel ist eine Terminplanung mit Erinnerungs-, Planungs- und im Idealfall auch einer Überwachungsfunktion sinnvoll – eine Funktionalität, die im Standard-Order/Entry-System in der Regel nicht vorhanden ist. Einer der Teilnehmer der tabellarischen Übersicht hat sein Order-Entry-System tatsächlich in Richtung betriebliches Gesundheitsmanagement inklusive Terminplanung erweitert.

Dokumentenmanagement

Im Rahmen des Qualitätsmanagements werden Standardarbeitsanweisungen für Arbeitsplätze, Methoden und viele andere Details im Labor erstellt. Dafür ist ein Dokumentenmanagement hilfreich, das nicht nur die Erstellung der erforderlichen Dokumente unterstützt, sondern diese auch den Mitarbeitern im passenden Kontext zur Verfügung stellt. Ideal sind weiterhin Rollen-basierte Zugriffsrechte, über die  beispielsweise festgehalten werden kann, wer ein Dokument erstellt, wer es gelesen hat oder welche Version gültig ist. Darüber hinaus steht ein Dokumentenmanagement natürlich zur Verfügung, um Arztbriefe und weitere erforderliche Dokumente zu erstellen.

Intelligente Anwendungen

In jedem Labor wird über die Zeit eine gewaltige Datenmenge gespeichert – der Großteil davon in Form von Messergebnissen. Diese Daten können für unterschiedliche Zwecke genutzt werden. Applikationen für die Befundinterpretation können durch den Einsatz von regelbasierten Expertensysteme noch sicherer und standardisierter ablaufen. Expertensysteme sind allerdings nur so gut wie derjenige, der sie pflegt, wobei beachtet werden muss, dass die Pflege der Expertensysteme eigentlich den Nutzern der Laborinformationssys­teme obliegt. Eine Interpretation der Befunde im Sinne der Labordiagnostischen Pfade [1] wäre hier denkbar und wird für eines der hier vorgestellten Systeme aufgeführt. Einige Hersteller geben an, dass sie ein Expertensystem zur Verfügung stellen.
Fortgeschrittene statistische Methoden, die im LIS üblicherweise nicht enthalten sind, werden immer dann benötigt, wenn es um die Auswertung von hunderttausenden von Datensätzen geht, um beispielsweise Referenzintervalle für die Labormethoden zu erstellen. Generell ist der Zugriff auf das Datenbanksystem des LIS für statistische Zwecke und andere Auswertungen von großer Bedeutung. Hierfür bieten die LIS Skriptsprachen oder Abfragefunktionen (Query) an, die die Entwicklung eigener Algorithmen ermöglichen. Bedienerfreundlich und leicht erlernbar sollten solche Skriptsprachen und Funktionen sein. Ob das der Fall ist, erfährt man am besten von Laboren, die bereits mit dem jeweiligen LIS arbeiten.

Laboroptimierung

Immer wichtiger wird auch für Labore die Optimierung der Arbeitsabläufe, um die Wirtschaftlichkeit sicherzustellen, ohne Qualität zu verlieren. Die Automatisierung erfordert für die Laborleitung Funktionalitäten, die den Workflow im Labor und die Turnaround-Zeiten für ausgewählte Arbeitsabläufe grafisch darstellen – die, anders ausgedrückt, einen schnellen Überblick geben. Applikationen für Customer Relationship Management (CRM) oder Enterprise Ressource Planning (ERP) halten längst Einzug in die Zentrallabore der Krankenhäuser. Auch in diesem Bereich können Schnittstellen zum Einsatz kommen, beispielsweise zu ERP-Programmen. Das Ziel dabei ist immer die Wirtschaftlichkeit des Labors, vielleicht mit einem positiven Ausblick auf die immer komplexere Analytik beispielsweise der Omics-Wissenschaften, die zu etablieren nicht nur eine technische, sondern auch eine finanzielle Herausforderung darstellt.

Ich danke Herrn Max Richter für seine fachliche Unterstützung bei der Tabelle.

Dr. Gabriele Egert
Mitglied der Redaktion

Harald Maier
Mitglied des Fachbeirats
InnKlinikum Altötting und Mühldorf

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