Sexuell übertragbare Infektionen: STI- und HPV-Screening

Seit man mit dem HI-Virus lange Zeit leben kann, ohne dass AIDS ausbricht, und sogar die Einnahme einer Präexpositionsprophylaxe vor dem Virus schützen kann (siehe auch Seite 24 ff.), sind wieder steigende Zahlen der klassischen, sexuell übertragbaren Erkrankungen zu verzeichnen.

Syphilis

Diese Entwicklung lässt sich am Beispiel der Syphilis gut nachverfolgen, da sie zu den meldepflichtigen Infektionen gehört [1]. Die Zahlen stiegen seit 2010 wieder deutlich an und erreichten im letzten Jahr ein vorläufiges Maximum.
Die Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Syphilis [2] benennt zum Direktnachweis des Erregers Treponema pallidum neben der Dunkelfeld-Mikroskopie auch den Nachweis von Erreger-DNA aus nahezu jedem beliebigen Probenmaterial. Der DNA-Test ist mit 1–65 nachgewiesenen Erregern sensitiver als das mikroskopische Verfahren. Als der sensitivste Assay zum Nachweis der Syphilis in der Frühphase gilt laut Leitlinie der Fluoreszenz-Treponema pallidum-Absorbtionstest (FTA-ABS-Test) aus Serum, Plasma oder Liquor, wie er auch vom RKI als Bestätigungstest empfohlen wird [1]. Er kann als polyvalenter Test, der sowohl IgG- als auch IgM-Antikörper nachweist, eingesetzt werden oder – spezifisch für eine frische Erstinfektion – IgM-Antikörper alleine detektieren.

STI-Screening

Insgesamt zählen ca. 30 unterschiedliche Spezies (Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten) zu den sexuell übertragbaren Infektionen. Einige von ihnen (z. B. Chlamydien) verursachen Unfruchtbarkeit, andere können unbehandelt zum Tod führen (z. B. HIV oder Treponema pallidum).
Vier verschiedene Anbieter stellen hier ihre unterschiedlichen Testsysteme und/oder Reagenzkits für die molekularbiologische Diagnostik vor. Mit dem auf Seite 27 vorgestellten modularen PCR-System können 28 sexuell übertragbare Infektionen und 28 HPV-Subtypen parallel nachgewiesen werden, wodurch sich asymptomatische und Mehrfach-Infektionen aufdecken lassen.
Zwei weitere PCR-Testkits und ein Mikro­array (S. 28 und S. 29) sind ebenfalls für das Screening auf STI und HPV-Subtypen geeignet. Überwiegend handelt es sich auch hierbei um Multiplex-Assays, die z. T. individuell zusammengestellt werden können. Die Anzahl der Erreger, die gleichzeitig nachgewiesen werden, ist sehr unterschiedlich.
Das Testprinzip beim DNA-Mikroarray beruht auf der Vervielfältigung definierter Genabschnitte der Erreger und dem anschließenden Fluoreszenz-basierten Nachweis über eine Hybridisierungsreaktion mit immobilisierten DNA-Sonden. Mit dieser Methode lassen sich auf kleinstem Raum unterschiedliche Nachweise parallel durchführen (Multiplexing). Der hier vorgestellt Array weist acht bakterielle und zwei virale STI-Erreger sowie einen Parasiten nach.

HPV

Das humane Papillomavirus (HPV) bildet einen Sonderfall bei den STI, weil es zwar ebenfalls Unfruchtbarkeit hervorrufen, aber als Spätfolge auch zu Gebärmutterhalskrebs oder Kopf-Hals-Tumoren führen kann. Zur Früherkennung des Zervixkarzinoms bei Frauen wird deshalb nach auffälliger Zytologie das Risiko mit einem DNA-HPV-Test eingeschätzt, der die ca. 30 heute bekannten Hochrisiko-HPV-Subtypen differenziert. Der Nachweis erfolgt durch Multiplex-Systeme für die PCR und Mikroarrays.