Sepsis-Biomarker: Hämatologische Scores im Überblick
DOI: https://doi.org/10.47184/td.2025.04.05 Aufgrund ihrer hohen Morbiditäts- und Mortalitätsraten stellt die Sepsis nach wie vor ein globales Gesundheitsproblem dar. Die Entwicklung kostengünstiger, nichtinvasiver und schnell verfügbarer Biomarker, die eine Früherkennung und die Bewertung des Therapieerfolgs ermöglichen, ist daher umso dringlicher. Neue Parameter, die aus einem routinemäßigen Blutbild abgeleitet werden können, bieten hier vielversprechende Ansätze. Sie lassen sich flächendeckend in die klinische Routine integrieren und könnten die Diagnostik von Sepsis und das Management von antibiotischen Therapien entscheidend verbessern.
Differenzialblutbild, Cell population data, CPD, MDW, IG, DNI, ICIS
Trotz erheblicher Fortschritte in der Intensivmedizin ist die Sepsis weiterhin eine der häufigsten Ursachen für Morbidität und Mortalität weltweit. Sowohl ihre Inzidenz als auch die damit verbundenen Todesfälle sind in den vergangenen Jahren weiter gestiegen. Schätzungen zufolge treten jährlich rund 50 Millionen Sepsisfälle auf, mit einer 30-Tage-Mortalität von etwa 24 % und einer 90-Tage-Mortalität von rund 32 %. Dies entspricht nahezu 20 % aller globalen Todesfälle [1–3]. Diese alarmierenden Zahlen unterstreichen den dringenden Bedarf an verlässlichen Biomarkern. Diese sollten es ermöglichen, Infektionen frühzeitig zu erkennen, eine Prognose zuverlässig abzuschätzen, die Risikostratifizierung zu unterstützen und das Monitoring des Therapieansprechens zu erleichtern. Eine präzise Diagnostik ist zudem Voraussetzung dafür, unnötige Antibiotikatherapien zu vermeiden, die mit Nebenwirkungen einhergehen und die Entwicklung antimikrobieller Resistenzen fördern. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass Patient:innen mit einer tatsächlichen Infektion schnell eine adäquate antimikrobielle Therapie erhalten; denn der mikrobiologische Goldstandard – die Blutkultur – liefert oft erst nach vielen Stunden bis Tagen Ergebnisse.
Diagnostische Herausforderungen
Die unspezifischen klinischen Symptome der Sepsis sowie die Überschneidungen mit nichtinfektiösen Ursachen systemischer Entzündungsreaktionen (SIRS) erschweren eine frühzeitige Diagnose. Obwohl etablierte Biomarker wie C-reaktives Protein (CRP) und Procalcitonin (PCT) diagnostisches und prognostisches Potenzial besitzen, erreichen sie nicht die Anforderungen eines idealen Sepsismarkers (Tab. 1) [4, 5].