Berichte

Die Rationale für den Ansatz, eine duale Immuntherapie aus zwei CPI mit einer initialen Kurz-Chemotherapie
(2 Zyklen) zu kombinieren, besteht darin, dass sich der Nutzen der Immuntherapie möglicherweise verstärkt, wenn zu Beginn die Tumorlast durch die Chemotherapie rasch reduziert wird. Diese innovative Strategie wurde in der Phase-III-Erstlinienstudie CheckMate-9LA bei 719 Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC evaluiert. Darin wurde die Kombination aus Nivolumab und Ipilimumab zusammen mit 2 Zyklen Chemotherapie verglichen mit 4 Zyklen einer alleinigen Chemotherapie – beim Plattenepithelkarzinom Paclitaxel/Carboplatin, beim Nicht-Plattenepithelkarzinom Pemetrexed und ein Platinsalz.
Wie Prof. Martin Reck, Großhansdorf, berichtete, zeigte sich in einer Analyse nach einem  minimalen Follow-up von 12,7 Monaten eine signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens (OS) durch die Immun- und Chemotherapie gegenüber der reinen Chemotherapie (median 15,6 vs. 10,9 Monate; HR 0,66; 95-%-KI 0,55–0,80) bei einer 1-Jahres-Überlebensrate von 63 % versus 47 % [1]. Reck betonte, dass sich die Überlebenskurven früh trennten, was eine Überlegenheit der Kombinationstherapie bereits in den ersten Behandlungsmonaten dokumentiert. Der Überlebensbenefit zugunsten der Kombinationstherapie zeigte sich in nahezu allen untersuchten Subgruppen und erwies sich als unabhängig von Histologie und PD-L1-Expression. Die objektive Ansprechrate (ORR) betrug 38 % versus 25 % bei einer medianen Dauer des Ansprechens von 11,3 versus 5,6 Monaten. Eine aktuelle Analyse von Patient reported outcomes, die Reck beim ESMO-Kongress 2020 präsentierte, zeigte zudem, dass unter Nivolumab/Ipilimumab/2 Zyklen Chemotherapie im Vergleich zu 4 Zyklen Chemotherapie die Lebensqualität der Patienten erhalten werden konnte. Im Kombinationsarm hatten die Patienten gegenüber der alleinigen Chemotherapie darüber hinaus ein vermindertes Risiko für eine definitive Verschlechterung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität sowie der Symptomatik [2]. Die Kombination aus dualer Immuntherapie und Kurz-Chemotherapie erhielt im November 2020  die EU-Zulassung für die Erstlinienbehandlung des metastasierten NSCLC, bei dem keine EGFR-Mutation oder ALK-Translokation vorliegt.

Claudia Schöllmann

 

Satellitensymposium „Zukunft der Immunonkologie beim NSCLC“ im Rahmen des Formats „ESMO today“ am 21.09.2020, veranstaltet von Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA.