Daratumumab ist der erste zugelassene und bislang einzige Anti-CD-38-Antikörper vollhumanen Ursprungs. Er richtet sich gegen das Ektoenzym CD38, das verstärkt auf malignen Myelomzellen exprimiert wird. Vollhumane und chimäre Antikörper docken an unterschiedlichen Epitopen auf CD38 an und zeigen verschieden ausgeprägte Wirkmechanismen, die das Tumorwachstum beeinflussen [6]. In vitro wurde beobachtet, dass es unter Daratumumab insbesondere zu einer Verstärkung der antikörperabhängigen zellvermittelten Phagozytose (ADCP) und der komplementabhängigen Zytotoxizität (CDC) kommt [7]. Daratumumab ist der einzige Anti-CD38-Antikörper, unter dem ADCP und CDC in vitro unabhängig von der Stärke der CD38-Expression ausgeprägt waren. Da diese sowohl zwischen einzelnen Myelomzellen als auch patientenindividuell unterschiedlich sein kann, könnte dies eine Grundlage der hohen Effektivität von Daratumumab sein [8].
Die hohe Wirksamkeit von Daratumumab konnte in zahlreichen Phase-III-Studien bestätigt werden, darunter die Studien PERSEUSb und CEPHEUSc. In beiden Regimen wird Daratumumab in Kombination mit Bortezomib, Lenalidomid und Dexamethason (DVRd) eingesetzt [3, 4].
Erstlinientherapie bei transplantationsgeeigneten Patienten
Bei Patienten mit neu diagnostiziertem Myelom, die für eine autologe Stammzelltransplantation (ASZT) geeignet sind, ist die Vierfachkombination aus Daratumumab plus Bortezomib, Lenalidomid und Dexamethason (DVRd; Induktion und Konsolidierung) gefolgt von einer Daratumumab-Lenalidomid(DR)-Erhaltungstherapie indizierta.In der Zulassungsstudie PERSEUS waren im Daratumumab-haltigen Studienarm nach vier Jahren noch acht von zehn Patienten progressionsfrei (geschätzte 48-Monats-Rate für progressionsfreies Überleben [PFS] 84 % unter DVRd + DR vs. 68 % unter VRd + R; Hazard Ratio [HR] 0,42; 95 %-KI 0,30–0,59; p < 0,0001) [3].
Eine anhaltende nicht nachweisbare minimale Resterkrankung (MRD-Negativität) gilt als prognostischer Parameter für ein langes Gesamtüberleben (OS). In der PERSEUS-Studie waren unter DVRd am Ende der Konsolidierung bereits 58 % der Patienten MRD-negativ bei gleichzeitig komplettem Ansprechen oder besser (≥ CR) (vs. 33 % unter VRd). Dieser Anteil stieg im Verlauf der DR-Erhaltungsphase auf 75 % an [9]. Bei 65 % der MRD-negativen Patienten hielt die MRD-Negativität mehr als ein Jahr an [9]. Patienten, die eine über 24 Monate anhaltende MRD-Negativität erreichten, waren nach vier Jahren zu 98 % progressionsfrei [9].
Auch nicht-transplantationsgeeignete Patienten profitieren
DVRd kann die Langzeitprognose auch bei Betroffenen, die für eine ASZT nicht infrage kommen, verbessern. Das zeigte sich in der Zulassungsstudie CEPHEUS mit 392 Patienten, die entweder DVRd (n = 197) oder VRd (n = 195) erhielten. Davon waren im DVRd-Arm 144 Patienten und im VRd-Arm 145 nicht-transplantationsgeeignet (NTE), die übrigen Teilnehmenden kamen grundsätzlich für eine ASZT infrage [4].
In einer Post-hoc-Subgruppenanalyse der NTE-Patienten waren nach medianem Follow-up von 58,7 Monaten im DVRd-Arm 69 % der Patienten progressionsfrei versus 48 % unter VRd (HR 0,51; 95 %-KI 0,35–0,74; p = 0,0003) [10] (Abb. 1).