Maserninfektionen verlaufen – zumindest in den Industrienationen – meist problemlos, aber es können durchaus auch Komplikationen auftreten. So entwickeln etwa 7 bis 9 % aller Erkrankten eine Otitis media, 1 bis 6 % eine Masernpneumonie und 8 % eine Diarrhoe. In 0,05 bis 0,20 % kommt es zu einer postinfektiösen Enzephalitis. Eine sehr seltene (< 0,05 %), aber immer tödliche Komplikation ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Es handelt sich hierbei um eine langsam progrediente Erkrankung des ZNS, die meist innerhalb von sechs bis zwölf Monaten unter fortschreitendem Abbau mentaler und motorischer Funktionen zum Tode führt. Insgesamt sterben ein bis drei Personen von tausend an Masern Erkrankten [1]. Eine Maserninfektion verursacht außerdem eine für Monate bis Jahre andauernde Immunschwäche, die vor allem in Entwicklungsländern bei Kindern in einem reduzierten Allgemeinzustand eine erhöhte Infektionsrate und eine höhere Sterblichkeit verursacht [2]. Im Jahr 2024 starben weltweit fast 95.000 Menschen an Masern – vorwiegend Kinder in Entwicklungsländern [3].
Masern sind hochinfektiös, weshalb vor Einführung der Impfung praktisch jeder Mensch erkrankte. Dadurch führten die Masern auch bei einer zumindest in den Industrienationen verhältnismäßig niedrigen Komplikationsrate zu einer hohen Krankheitslast in der Bevölkerung. Die Elimination der Masern ist deshalb ein seit Langem verfolgtes Ziel der Welt-Gesundheits-Organisation WHO. Elimination bedeutet eine dauerhafte Unterbrechung der Transmission der Infektion. Als Indikator für das Erreichen dieses Ziels gilt eine Maserninzidenz von unter einem Fall pro einer Million Einwohner [4]. Durch konsequente Impfmaßnahmen konnten die Masern deshalb schon in einer Reihe von Ländern – wie in Europa Dänemark, Schweden und Norwegen – eliminiert werden. Deutschland hat zwar seit Einführung der Impfung 1970 (DDR) und 1974 (BRD) die Masernfälle um über 99 % reduziert, aber eine dauerhafte Senkung der Fallzahlen auf jährlich weniger als einem pro Million, entsprechend weniger als 84 Fällen insgesamt, ist – wie Abb. 1 zeigt – noch nicht erreicht. Die Impfraten müssen also weiter konsequent gesteigert werden.