Organisationsstruktur
Der GfV-Vorstand wird alle drei Jahre von den Mitgliedern gewählt und besteht aus sechs Personen: Präsident:in, zwei Vizepräsident:innen, Schriftführer:in, Schatzmeister:in sowie – seit 2022 – dem/der Sprecher:in der jungen GfV (jGfV). Ein Beirat mit zehn gewählten Mitgliedern unterstützt die Vorstandsarbeit. Zum Januar 2026 zählte die GfV 1.341 Mitglieder, darunter ordentliche Mitglieder, studentische Mitglieder, Mitglieder im Ruhestand, Ehrenmitglieder und korrespondierende Mitglieder.
Die Fachgesellschaft hat 15 ständige Kommissionen eingerichtet. Diese befassen sich mit unterschiedlichen klinischen, molekularbiologischen und sicherheitsrelevanten Fragestellungen der Virologie sowie mit Lehre, Öffentlichkeitsarbeit, diagnostischen und akademischen Belangen. Die Kommissionsvorsitzenden werden für drei Jahre gewählt und sind Mitglieder des Beirats. Die Kommissionen koordinieren ihre Aktivitäten über das Jahr hinweg und berichten mindestens einmal jährlich an Vorstand und Beirat.
Die Gründung der jungen GfV (jGfV) im Jahr 2021 stellte einen wichtigen Schritt zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses dar. Die jGfV verfügt über ein eigenes Board, das sich aus den Vorsitzenden der sieben Arbeitskreise (AK) sowie zwei studentischen Vertreterinnen zusammensetzt. Letztere werden jährlich von den studentischen Mitgliedern gewählt. Der/die Sprecher:in der jGfV ist vollwertiges Mitglied des GfV-Vorstands und stellt damit die direkte Vertretung von Nachwuchswissenschaftler:innen in der Führung der Fachgesellschaft sicher.
Jahrestagungen und Workshops
Höhepunkt im Jahreskalender der GfV ist die jährliche Frühjahrstagung, die jeweils in einer anderen Stadt in Deutschland, Österreich oder der Schweiz stattfindet. Seit 1991 bringt diese Tagung Virolog:innen aus ganz Europa – und darüber hinaus – zusammen, um aktuelle Forschungsergebnisse vorzustellen und zu diskutieren. Der internationalen Ausrichtung der Virologie entsprechend ist die Konferenzsprache Englisch. Zur Jahrestagung 2026 in Heidelberg werden über 900 Teilnehmende erwartet, die mehr als 500 Poster und 155 Vorträge in Workshop- und Postersessions zu 17 verschiedenen Themengebieten präsentieren.
Die Themen reichen von adaptiver und angeborener Immunität über antivirale Therapie, Diagnostik und Epidemiologie, extrazelluläre Vesikel, klinische, strukturelle und veterinäre Virologie, virale Vektoren und Impfstoffe sowie Virus-Wirt-Interaktionen bis hin zu Zoonosen. Darüber hinaus widmen sich die 13 Plenarvorträge unter anderem der Virusevolution, der Zellbiologie viraler Infektionen, synthetischen und neuen Ansätzen in der Virologie, der Bildgebung von Virus-Wirt-Interaktionen sowie der Frage, wie der Transfer von molekularer Virologie in den klinischen Erfolg gelingt.
Darüber hinaus organisieren die sieben Arbeitskreise der jGfV eigene jährliche Workshops zu ihren thematischen Schwerpunkten. Dazu zählen u. a. die Karriereförderung junger Wissenschaftler:innen in der klinischen und experimentellen Virologie (ACHIEVE Academy), die Zellbiologie viraler Infektionen, klinische virologische Forschung, die Immunbiologie viraler Infektionen, One Health und zoonotische Viren, virale Vektoren für Gentherapie und Impfung sowie der Austausch von Nachwuchsgruppenleiter:innen. Diese Workshops bieten Nachwuchswissenschaftler:innen wertvolle Möglichkeiten zur Vernetzung und Weiterbildung in einem interaktiven Setting.
Auszeichnungen und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses
Um Virolog:innen zu fördern und ihre wissenschaftlichen Leistungen hervorzuheben, vergibt die GfV eine Reihe von Auszeichnungen für unterschiedliche Karrierestufen sowie Förderpreise und Stipendien. Für Nachwuchswissenschaftler:innen am Ende ihrer wissenschaftlichen oder medizinischen Doktorarbeit vergibt die GfV zwei Promotionspreise: einen, der vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) gestiftet wird und einen weiteren, der von der Bernhard und Ingrid Fleckenstein-Stiftung ausgelobt wird.
Für Postdoktorand:innen nominiert die GfV in Zusammenarbeit mit der Robert-Koch-Stiftung Kandidat:innen für den Postdoktorandenpreis für Virologie der Robert-Koch-Stiftung. Für junge Virolog:innen und Nachwuchsgruppenleiter:innen wird jährlich der renommierte Loeffler-Frosch-Preis vergeben: Er wurde 1994 ins Leben gerufen und würdigt herausragende virologische Leistungen junger Forschender, die noch keine Lebenszeitprofessur innehaben.
Seit 2022 verleiht die GfV gemeinsam mit der Chica und Heinz Schaller Stiftung im zweijährlichen Rhythmus den Chica-und-Heinz-Schaller-Stiftungspreis für herausragende Leistungen in der Virologie, mit dem exzellente Beiträge zur Grundlagen- und zur translationalen Forschung ausgezeichnet werden. Seit 2025 würdigt die GfV zudem besonderes Engagement für die Fachgesellschaft sowie ein Wirken über erfolgreiche Forschung hinaus mit der Gertrude-und-Werner-Henle-Medaille. Für das Lebenswerk in der Virologie im deutschsprachigen Raum vergibt die GfV seit 2006 die Loeffler-Frosch-Medaille an verdiente Virolog:innen nach Abschluss ihrer aktiven Laufbahn.
Ergänzend zu den Forschungspreisen vergibt die GfV ab 2026 gemeinsam mit ihren Kommissionen für sicherheitsrelevante Forschung in der Virologie sowie für tierexperimentelle Forschung und Tierschutz zwei Publikationspreise für innovative Methoden in der Virologie – im Bereich der Biosicherheit und in der ethisch verantworteten tierexperimentellen Forschung. Darüber hinaus vergibt die junge GfV (jGfV) halbjährige Publikationspreise für Nachwuchswissenschaftler:innen und Reisestipendien für Laborrotationen und bietet ein Mentoring-Programm an. Spezifische virtuelle Vortragsreihen ergänzen dieses Unterstützungsangebot.
Von besonderer Bedeutung ist zudem das Zertifikat für medizinische Virologie und Infektionsepidemiologie („medizinische:r Fachvirolog:in“) der Fachgesellschaft. Dieses Zertifikat können Naturwissenschaftler:innen aus den Lebenswissenschaften und Veterinärmediziner:innen erwerben, die eine Weiterbildung in der klinischen Virologie absolviert haben und über praktische Erfahrung in der virologischen Diagnostik in der Humanmedizin verfügen. Das Zertifikat bescheinigt umfassende theoretische Kenntnisse sowie mindestens fünf Jahre praktischer Tätigkeit in der medizinischen Virologie, der Diagnostik und der Epidemiologie infektiöser Erkrankungen. Da es zur Leitung eines Labors für virologische Diagnostik qualifiziert, stellt es die höchste berufliche Zertifizierung dar, die von der GfV vergeben wird.
Nationale und internationale Partnerschaften
Die GfV arbeitet aktiv mit nationalen und internationalen Fachgesellschaften zusammen. Im Jahr 2022 ging sie eine Partnerschaft mit der Swedish Society for Virology (SSV) ein. Ziel dieser Kooperation sind der wissenschaftliche Austausch sowie die Unterstützung junger Mitglieder bei der Teilnahme an den jeweiligen Jahrestagungen und Workshops.
Darüber hinaus ist die GfV Mitglied in mehreren nationalen und internationalen Organisationen. Dazu zählen die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF), die Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e. V. (DVV), die European Society for Virology (ESV), die Federation of European Microbiological Societies (FEMS), die International Union of Microbiological Societies (IUMS) sowie der Verbund für Angewandte Hygiene e. V. (VAH).
Public Health, Gesundheitspolitik und internationale Zusammenarbeit
Die GfV engagiert sich intensiv dafür, virologische Expertise in Public Health und gesundheitspolitische Entscheidungsprozesse einzubringen – auf nationaler wie internationaler Ebene. Die Fachgesellschaft veröffentlicht regelmäßig Positionspapiere, erarbeitet Leitlinien und berät staatliche Stellen, Forschungseinrichtungen sowie Akteur:innen im Gesundheitswesen. Über ihre Kommissionen und in Zusammenarbeit mit Partnergesellschaften befasst sich die GfV mit drängenden Fragestellungen wie neu auftretenden Virusinfektionen, der Vorbereitung auf Pandemien und Impfstrategien.
Ausblick
Mit ihrem Engagement für wissenschaftliche Exzellenz, interdisziplinäre Zusammenarbeit und der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses spielt die GfV eine zentrale Rolle bei der Gestaltung von virologischer Forschung, Lehre und Gesundheitspolitik im deutschsprachigen Raum – und darüber hinaus. Die Fachgesellschaft bleibt bestrebt, Innovationen zu fördern, ihre Mitglieder zu unterstützen und globale gesundheitliche Herausforderungen durch virologische Expertise zu adressieren.