Brustkrebs: dosisdichte Therapie mit G-CSF-Prophylaxe sicher durchführen

Bei Hochrisikopatientinnen mit frühem Brustkrebs wurden dosisdichte Chemotherapien (ddCT) erfolgreich geprüft: Sie ermöglichen eine deutliche Prognoseverbesserung von Patientinnen mit hoch positivem Nodalstatus. Voraussetzung für die sichere Durchführung einer ddCT ist die Primärprophylaxe mit G-CSF.

Als „Mutter aller Studien“ zur dosiseskalierten Therapie stellte Prof. Dr. Marion Kiechle, München, die ETC-Studie der Arbeitsgemeinschaft gynäkologische Onkologie (AGO) vor. Im Vergleich zur konventionellen Therapie führte das intensivierte dosisdichte Regime mit Epirubicin/Paclitaxel/Cyclophosphamid (ETC) nach fünf Jahren zu einer signifikanten Verbesserung des ereignisfreien Überlebens von nur 62% im Standard- auf 70% im ETC-Arm. Auch das Gesamtüberleben wurde signifikant verbessert: Nach zehn Jahren waren noch 69% der mit dem ETC-Regime behandelten, aber nur 59% der Kontrollpatientinnen am Leben (HR 0,72; p = 0,0007).
Entscheidend für die Indikationsstellung zur ddCT ist der Lymphknoten-Befall: Von der intensivierten Therapie haben nur Frauen mit zahlreichen positiven Lymphknoten tatsächlich einen Benefit. In den AGO-Leitlinien wird die ddCT und/oder dosiseskalierte adjuvante Chemotherapie bei Patientinnen mit hoher Tumorlast empfohlen, das ETC-Regime mit einem Doppelplus (++) aufgeführt. Die AGO-Leitlinien weisen außerdem auf die obligate G-CSF-Prophylaxe hin, wenn das Risiko einer febrilen Neutropenie (FN) bei 20% oder darüber liegt. Dies ist laut Kiechle bei dosisdichten Regimen die Regel.
Mit Lipegfilgrastim (Lonquex®) steht ein lang wirksames G-CSF-Präparat zur Verfügung, das seit 2016 in den Therapieempfehlungen der AGO mit einem Doppelplus (++) für die Primärprophylaxe bei zu erwartender FN aufgeführt ist. In der Zulassungsstudie an ca. 200 Brustkrebs-Patientinnen unter myelosuppressiver Chemotherapie hat sich Lipegfilgrastim im Vergleich zu Pegfilgrastim als äqui­effektiv erwiesen: Beim primären Endpunkt der auf Nicht-Unterlegenheit angelegten multizentrischen Studie war die Dauer der schweren Neutropenie, definiert als absolute Neutrophilenzahl von < 500/mm³ im ersten Zyklus, unter Lipegfilgrastim ähnlich lang wie im Referenzarm (0,7 vs. 0,8 Tage). Auch in den Folgezyklen besaß Lipegfilgrastim eine zumindest vergleichbare Effektivität wie Pegfilgrastim; Unterschiede zwischen den Studienarmen fielen zugunsten des glykopegylierten Präparates aus.          

Katharina Arnheim


Symposium „Praktische Durchführung der dosisdichten Chemotherapie“ im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie 2017; Berlin, 30.06.2017, Veranstalter: Teva GmbH, Ulm.