Werden nicht transplantierbare Myelom-Patienten in der Erstlinie mit einer Bortezomib-haltigen Therapie behandelt, erhöhen sich ihre Chancen auf eine lange und tiefe Komplettremission (CR), eine lange therapiefreie Zeit – und ein längeres Überleben.

Das multiple Myelom ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts der häufigste maligne hämatologische Tumor, verläuft lange asymptomatisch [1] und wird in einem Fünftel der Fälle zufällig diagnostiziert [2]. Männer erkranken häufiger (im Verhältnis 3:2) und im Mittel etwas früher als Frauen. Mit einem mittleren Erkrankungsalter von 74 Jahren bei Frauen bzw. 71 Jahren bei Männern handelt es sich um eine typische Alterserkrankung mit allen auch bei der Therapie zu berücksichtigenden Begleitproblemen.
Bislang ist das multiple Myelom zwar nicht heilbar, viele Patienten leben nach einer erfolgreichen Therapie allerdings jahrelang ohne aktive Erkrankung, erklärte Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt, Sektion Multiples Myelom, Medizinische Klinik V, Universität Heidelberg. Inzwischen könne die Prognose in Abhängigkeit von Tumormasse, Progredienz, aber auch Alter und Allgemeinzustand des Patienten besser eingeschätzt werden. Typischerweise werde die Krankheit im Anschluss an eine Erstlinien-Therapie nach Durchlaufen einer unterschiedlich langen Plateauphase wieder progredient und muss dann erneut behandelt werden. Gerade für ältere Myelom-Patienten sei der Bedarf an sicheren und effektiven Therapien hoch, erläuterte Goldschmidt anhand des geschätzten 10-Jahres Überlebens in verschiedenen Altersstufen [3]: Es nimmt von etwa 40% bei unter 50-Jährigen auf unter 10% bei 70–79-Jährigen ab.
Neue Therapien konnten das Gesamtüberleben in den meisten Altersgruppen – mit Ausnahme sehr alter Patienten ≥ 75 Jahre) – verbessern. Seit 2008 können Patienten mit bisher unbehandeltem multiplem Myelom, die für eine Hochdosis-Chemotherapie mit hämatopoetischer Stammzelltransplantation nicht geeignet sind, mit Bortezomib (Velcade®) in Kombination mit Melphalan und Prednison (VMP) behandelt werden:

Überlebensvorteil in der Erstlinientherapie

Nach einer Analyse der VISTA- Studie (Velcade as Initial Standard Therapie in Multiple Myeloma: Assessment With Melphalan and Prednisone, [4]) erzielten nicht-transplantierbare Myelom-Patienten, die in der Erstlinie VMP erhielten, einen Überlebensvorteil von 13,3 Monaten gegenüber MP mit einer Erhöhung der 5-Jahres-Überlebensrate von 34,4% auf 46,0%, berichtete
Dr. Hans Salwender, Sektionsleiter Hämatologie, Abt. Hämatologie, Onkologie, Stammzelltransplantation, Asklepios Klinik Altona. Sie profitierten zudem durch eine längere therapiefreie Zeit (19,4 vs. 9,1 Monate), ohne dass mehr sekundäre Tumoren nach VMP-Therapie aufgetreten wären. Nach erfolgreicher Erstlinientherapie mit VMP sprachen die Patienten außerdem in späteren Linien erneut auf Bortezomib an. Das Ergebnis sei insofern interessant, als 30% der Studienteilnehmer älter als 75 Jahre waren.
Mateos et al. konnten aktuell belegen, dass eine hohe kumulative VMP-Dosis das Therapie-Outcome verbessert [5]: Bei einer kumulativen Gesamtdosis über dem Medianwert von 39 mg/m² war das mediane OS mit 66,3 Monaten signifikant länger als bei niedrigeren Dosen mit 46,2 Monaten (HR 0,533, p < 0,0001) Auch in der Behandlungsrealität – rund 80–85% der Myelom-Patienten nehmen nicht an klinischen Studien teil – sind Bortezomib-haltige Regimes laut Salwender sicher und wirksam.

Ute Ayazpoor


Literatur
1. RKI: Krebs in Deutschland. Multiples Myelom 2013: 120-123.
2. DGHO-Leitlinie Multiples Myelom, Stand September 2013.
3. Brenner H et al. Blood 2008; 111: 2521-26.
4. San Miguel JF et al. J Cin Oncol 2013; 31: 448-55.
5. Mateos et al. Am J Hematol 2015; 90: 314-9.
Pressekonferenz „Velcade® zur Primärtherapie nicht-transplantierbarer Myelompatienten – Klinische Daten und aktuelle Erfahrungen aus der hämatologischen Praxis“, 21.5.2015, Frankfurt/Main, Veranstalter: Janssen-Cilag GmbH, Neuss.