Die Präzisionsonkologie stützt sich zunehmend auf die Identifikation von Biomarkern, die es ermöglichen, Patienten besser zu stratifizieren und individuelle Therapieentscheidungen zu treffen. Neben molekularen Parametern wie KRAS-, BRAF- und NRAS-Mutationen, dem Status der Mikrosatelliteninstabilität (MSI) oder der PD-L1(„programmed death ligand 1“)-Expression gewinnen auch morphologische Biomarker an Bedeutung. Diese haben den Vorteil, dass sie an routinemäßig verfügbarem Material kostengünstig bestimmbar und somit breit verfügbar sind. Beispiele hierfür sind das Tumor-Budding [1] oder die Tumor-Stroma-Ratio [2] im Kolonkarzinom, die mittlerweile als etablierte Risikofaktoren gelten.
In diesen Kontext reiht sich SARIFA („Stroma AReactive Invasion Front Areas“) ein – ein histologischer Biomarker, der durch die direkte Nachbarschaft von Tumorzellen und Adipozyten am Invasionsrand ohne desmoplastische Stromareaktion definiert ist. Die Besonderheit liegt darin, dass SARIFA mit einem Blick am Mikroskop erkennbar ist, keine zusätzliche Färbung oder molekulare Testung erfordert und dennoch eine vergleichbare prognostische Stärke besitzt wie etablierte molekulare Marker. Damit könnte SARIFA nicht nur die klassische Histopathologie bereichern, sondern auch als Bindeglied zwischen Morphologie und Molekularpathologie fungieren.
Definition von SARIFA
SARIFA beschreibt histologische Areale, in denen Tumorzellnester oder -drüsen mit mindestens fünf Zellen in direktem Kontakt mit Fettgewebe stehen (Abb. 1) [3, 4].