Im Gesundheitswesen wächst das Bestreben, von der reinen Erkennung von Krankheiten zu einer ganzheitlichen Überwachung der Gesundheit überzugehen. Zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch, dass Gesundheit ein individuelles Thema ist, das personalisierte Strategien und eine angepasste Diagnostik erfordert. Dieser Trend erfordert auch ein Umdenken in Bezug auf den Einsatz von traditionellen Blutproben wie Plasma und Serum für die Diagnostik. Die patientenzentrierte Probenentnahme gewinnt als geeignete Alternative zur Gewinnung hochwertiger biologischer Proben zu jeder Zeit und an jedem Ort an Bedeutung. Sie kann die Kosten im Vergleich zur herkömmlichen Venenpunktion erheblich senken, da die indirekten Kosten für Transport, Personalaufwand und spezielle Handhabungsanforderungen für herkömmliche flüssige Blutproben reduziert werden. Die Mikroprobenentnahme ist minimalinvasiv und kann von Personal nach kurzer Schulung oder als patientenzentrierte Selbstentnahme durchgeführt werden.
VAMS
Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig dezentrale Tests und Diagnosen sein können. Allerdings lassen sich nicht alle klinischen Tests in Heimtests umwandeln. Stattdessen kann die Probenentnahme aus den Arztpraxen nach Hause oder an andere entfernte Orte verlagert werden, während die Analyse weiterhin in spezialisierten Laboren erfolgt. Dies erfordert eine Abkehr von klassischen Flüssigkeitsproben wie Plasma und Serum, deren Gewinnung eine venöse Blutentnahme durch qualifiziertes Fachpersonal voraussetzt, hin zu alternativen Probenarten. Eine dieser Alternativen ist die volumetrische adsorptive Mikrosampling-Methode (Volumetric Adsorptive Micro Sampling; VAMS), bei der eine definierte Menge einer Flüssigkeit auf ein poröses, hydrophiles Polymer adsorbiert wird. So entsteht eine trockene Probe, die sich leicht transportieren und handhaben lässt. Die Verwendung von getrockneten Proben wurde 1963 von Robert Guthrie eingeführt, der im Rahmen seiner Bemühungen, ein Screening für angeborene Stoffwechselstörungen zu etablieren, Kapillarblut aus Fersen- oder Fingerstichen auf Filterpapier adsorbierte [1]. Solche Proben werden heutzutage als Trockenblutkarten (Dried Blood Spots; DBS) bezeichnet. DBS haben jedoch einige Einschränkungen (z. B. den Hämatokrit-Effekt, der die Homogenität der Probenflecken beeinflusst), weshalb Alternativen mit besserer quantitativer Reproduzierbarkeit wie VAMS entwickelt wurden. Die Probenentnahme mit diesen Geräten kann zu Hause mit einer Lanzette zum Stechen in die Fingerspitze durchgeführt werden. Das System nimmt dabei ein konstantes Blutvolumen unabhängig vom Hämatokrit auf. In der Regel werden kleine Blutmengen – zum Beispiel Kapillarblut – entnommen. Auch Urin, Schweiß oder Speichel können als Probenmaterial dienen. Die poröse Spitze ist an einem Halter befestigt, wodurch diese leicht zu handhaben ist. Nach der Desinfektion und dem Einstechen in die Fingerspitze wird eine leichte Blutung hervorgerufen, und die ersten Tropfen Kapillarblut werden verworfen, da sie in der Regel Zellbestandteile enthalten. Die poröse Spitze wird dann vorsichtig in einem Winkel von etwa 45 Grad eingetaucht, und das Blut wird durch Kapillarkräfte in die Spitze gezogen (Abb. 1).