Neues molekulares Zielmolekül - JUN-Transkriptionsfaktor: Wächter im ­Wachstumsnetzwerk der Zelle

Forschende um Dr. Björn von Eyss des Leibniz-Instituts für Alternsforschung entdeckten eine Schutzfunktion des Transkriptionsfaktors JUN [Kurlishchuk Y et al. EMBO J. 2024; 43(20):4578-603]. Zuvor als Beschleuniger von Wachstumssignalen bekannt, kann JUN auch Zellen vor übermäßigem Wachstum bewahren. Er hält den Wachstumstreiber YAP („Yes-associated protein“) in Schach. YAP und sein Paralog TAZ („transcriptional coactivator with PDZ-binding motif“) sind Teil des Hippo-Signalwegs und interagieren mit dem Transkriptionsfaktor TEAD, um Zellteilung und Organgröße zu regulieren. Bei vielen Krebsarten, insbesondere in der Leber, ist YAP überaktiv, was die Tumorbildung vorantreibt. Doch YAP sorgt für seine eigene Bremse. Das Gen aktiviert den Transkriptionsfaktor JUN, der wiederum YAP blockiert. So entsteht eine Rückkoppelungsschleife, die verhindert, dass Wachstumssignale in den Zellen überhandnehmen. Ist dieser Mechanismus gestört, bleibt YAP ungebremst, was zu unkontrolliertem Zellwachstum und der Entstehung von Tumoren führt. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass JUN nicht nur ein Mitspieler, sondern auch ein Wächter im Wachstumsnetzwerk der Zelle ist“, erläuterte von Eyss in einer Pressemitteilung. Langfristig könnte dieses Wissen nach Ansicht der Forschenden dabei helfen, Leberkrebs wirksamer zu behandeln. So befinden sich bereits mehrere TEAD-Hemmer und Inhibitoren der YAP/TAZ-TEAD-Protein-Protein-Interaktion in klinischen Studien [Chen F et al. Eur J Med Chem. 2026;302(Pt 2):118330].

Abb. 1 Der Verlust der negativen Rückkoppelungsschleife zwischen dem Wachstumsprotein YAP („Yes-associated protein“) und JUN trägt zur Aggressivität im hepatozellulären Karzinom bei.

 Sabrina Kempe