POC-Konzepte und Middleware: Klein – aber fein

Die Parameter, die im Rahmen der POC-Analytik bestimmt werden, stammen aus  nahezu allen Bereichen der Labordiagnostik: aus der Kardiologie, Gerinnung, Infektiologie und Sepsis, der Urinanalytik, Hämatologie und Blutgas­analyse. Auch Hormone werden quantitativ nachgewiesen. Trotzdem liegt der Anwendungsbereich von POCT primär in der Notfalldia­gnostik, indem sie erste Maßnahmen am akut erkrankten Patienten unterstützen, die Richtung für die Weiterbehandlung vorgeben oder wie bei der Blutgasanalytik die Therapie begleiten.

Ausgewählte Analytik

Auf dem POC-Markt gibt es eine Vielzahl von Geräten von unterschiedlichen Anbietern. An der vorliegenden Produkt­übersicht nehmen Firmen teil, die durch ihr großes Portfolio an POC-Geräten bekannt sind. Auf einer Seite ist das umfangreiche Gesamtportfolio eines Anbieters grafisch dargestellt; zwei weitere stellen jeweils einen immunchemischen Analyzer vor. Anhand dieser beiden Geräte lassen sich die Vorteile und die kontinuierliche Weiterentwicklung der POC-Analytik sehr gut darstellen.
Mehr als 25 unterschiedliche Notfallparameter kann ein System, das es für 1–6 Proben gibt, innerhalb von 3–15 Minuten parallel analysieren. Dafür werden 100–200 µl venöses Vollblut oder – für die Parameter CRP, PCT, TSH und HbA1c – 30 µl Kapillarblut aus der Fingerbeere eingesetzt. Die eigentliche Nachweisreaktion findet in der geschlossenen Testkassette statt, die alle erforderlichen Reagenzien auf Basis der Trockenchemie enthält. Der immunologische Nachweis erfolgt in einer Sandwich-Immunreaktion mithilfe von Fluoreszenzfarbstoffen. Die entstehende Fluoreszenz wird im Gerät gemessen und ausgewertet. Im Falle von TSH ist das ein großer Fortschritt, denn bevor eine Untersuchung mit Jod-haltigem Kontrastmittel durchgeführt wird, sollte grundsätzlich der TSH-Wert ermittelt werden, um im Falle einer nicht oder unzureichend behandelten Hyperthyreose eine thyreotoxische Krise zu vermeiden. Durch die POC-Analyse kann dieser Schritt zum Nutzen von Personal und Patienten deutlich beschleunigt werden. 
Der zweite POC-Immunoanalyzer kann aus einer Blutprobe maximal fünf verschiedene Parameter bestimmen. Neun unterschiedliche Biomarker lassen sich innerhalb von 11–21 Minuten aus Vollblut oder Blutplasma analysieren. Auch hier dienen Fluoreszenz-markierte sekundäre Antikörper zur Detektion der Antigen-Antikörper-Reaktion mit dem Analyten. Die Auswertung der Fluoreszenzsignale erfolgt jedoch erst nach der Trocknung des Reaktionsansatzes (zeitaufgelöste Fluoreszenzspektroskopie). Dadurch wird eine Störung des Signals, bedingt durch Hintergrundrauschen der Probenmatrix, verhindert. Die Methode ist dadurch deutlich sensitiver als herkömmliche Fluoreszenz-basierte Detektionsverfahren. 

Zentraler Blick

POC-Geräte stehen innerhalb einer Institution meist über mehrere Standorte verteilt, daher kann eine Überwachung/Wartung durch das Fachpersonal im Labor mit erheblichem Aufwand verbunden sein. Abhilfe schafft die Middleware (vgl. Tab. Blutgasanalysatoren): Sie hat die Aufgabe, den Anwendern und insbesondere den POC-Koordinatoren Überblick über alle angeschlossenen POC-Geräte zu geben. Darüber hinaus koordiniert und dokumentiert die Middleware die erforderlichen Wartungsarbeiten, Kalibratio­nen sowie Qualitätskontrollschritte inklusive der Ringversuche und wertet diese im besten Fall auch aus. Je nach Anbieter unterscheidet sich die Middleware in ihrer Funktionstiefe. Idealerweise erlaubt sie auch den Fernzugriff auf alle POC-Geräte im Sinne einer Fernwartung und die Verwaltung der Benutzer.

Der Weg der Messergebnisse zum Patienten

Die Messergebnisse finden ihren Weg in die elektronische Patientenakte (ePA), wo sie dem Kliniker zur Verfügung stehen, entweder über die Middleware oder ohne diesen Umweg direkt in das KIS/LIS. Voraussetzung dafür ist die eindeutige Zuordnung der Probe zum Patienten möglichst schon vor oder während der Messung. Damit dieser Weg reibungslos verläuft, sind Schnittstellen erforderlich, die zwischen der Gerätesoftware und dem jeweiligen Informationssystem übersetzen. HL7 (Health Level 7) und GDT (Gerätedaten-Transfer) sind Beispiele für solche Schnittstellenprotokolle.   

Dr. Gabriele Egert
Harald Maier
Mitglieder der Redaktion

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