Rezidivierte/refraktäre CLL: Venetoclax-Rituximab mit überlegener Wirkung

Bei der Rezidivtherapie der chronischen lymphatischen Leukämie werden die Karten neu gemischt: Mit der Kombination des Bcl2-Inhibitors Venetoclax und des Anti-CD20-Antikörpers Rituximab hat sich erstmals eine Chemotherapie-freie Kombinationstherapie in der rezidivierten Situation der Standard-Chemoimmuntherapie aus Bendamustin und Rituximab überlegen gezeigt, wie in der Late-Breaking-Abstract-Sitzung bei der Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in Atlanta bekannt gegeben wurde.

Venetoclax ist bislang lediglich als Monotherapie zugelassen – für Patienten mit unbehandelter CLL und 17p-Deletion, die für keine anderen Therapien infrage kommen sowie unabhängig vom del17p-Status für Patienten, bei denen eine Chemoimmuntherapie und eine gegen den B-Zell-Rezeptor-Signalweg gerichtete Behandlung versagt haben. In der globalen Phase-III-Studie MURANO wurde der Bcl2-Inhibitor nun mit Rituximab kombiniert und bei 389 Patienten mit bis zu drei Vorbehandlungen randomisiert gegen die bislang gänige Rezidivtherapie aus Bendamustin und Rituximab getestet.

Nach median 23,8 Monaten Nachbeobachtungszeit zeigt sich beim primären Endpunkt des durch die Prüfärzte ermittelten progressionsfreien Überlebens ein erheblicher Vorteil für die Venetoclax-Kombination, so John Seymour, Melbourne: Der Medianwert war in diesem Arm noch nicht erreicht, während er im Bendamustin-Arm bei lediglich 17 Monaten lag. Die 24-Monats-Raten für progressionsfreies Überleben betrugen 84,9% versus 36,3%. Eine Hazard Ratio von 0,17 bedeutet eine Reduktion des Risikos für Progression oder Tod um 83% (p < 0,0001). Diese Überlegenheit von Venetoclax war in allen untersuchten Subgruppen von Patienten gleichermaßen erkennbar.

Neben verschiedenen anderen sekundären Endpunkten war auch beim Gesamtüberleben bereits ein Vorteil der experimentellen Therapie zu sehen (HR 0,48). Bemerkenswert ist auch das molekulare Ansprechen unter Venetoclax: Bei 83,5% aller Patienten war hier im peripherin Blut keine minimale Resterkrankung (MRD) mehr nachweisbar, im Kontrollarm traf das nur auf 23,1% der Patienten zu.

Diese stark verbesserte Krankheitskontrolle, so Seymour, wurde in einem multinationalen Kontext mit einem akzeptablen Sicherheitsprofil erzielt mit lediglich einem klinisch relevanten Fall von Tumorlyse-Syndrom in jedem der beiden Arme. Venetoclax/Rituximab empfiehlt sich damit als hochwirksame Option bei der rezidivierten oder refraktären CLL.