Immuntoxin in Erstlinientherapie des Hodgkin-Lymphoms überlegen

Ein modifiziertes Kombinationschemotherapie-Regime unter Einschluss des Immunkonjugats Brentuximab Vedotin kann bei Patienten mit fortgeschrittenem Hodgkin-Lymphom gegenüber dem klassischen ABVD-Schema das progressionsfreie Überleben signifikant verlängern.

ABVD (Doxorubicin, Bleomycin, Vinblastin, Dacarbazin) ist außerhalb Deutschlands vielfach die Standard-Erstlinientherapie für alle Patienten mit Hodgkin-Lymphom – auch in fortgeschrittenen Stadien. Da etwa 30% der Patienten dagegen primär refraktär sind oder später rezidivieren, wurde in der internationalen Phase-III-Studie ECHELON-1 bei 1.334 Patienten mit Hodgkin-Lymphom im Stadium III oder IV ABVD randomisiert mit einem ähnlichen Regime verglichen, in dem das lungentoxische Bleomycin durch das Anti-CD30-Immunkonjugat Brentuximab Vedotin ersetzt worden war (BV + AVD). Brentuximab Vedotin ist bisher nur in der rezidivierten Situation oder nach autologer Stammzelltransplantation bei hohem Rezidivrisiko zugelassen.

Wie Joseph Connors, Vancouver, in der Plenarsitzung der Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in Atlanta berichtete, konnte die neue Kombination das Risiko für Progression, Tod oder die Notwendigkeit einer weiteren Tumortherapie signifikant um 23% reduzieren (Hazard Ratio 0,77; p = 0,035). Nach zwei Jahren waren 82,1% der Patienten im Brentuximab-Arm ohne ein solches Ereignis, im Kontrollarm unter dem konventionellen ABVD nur 77,2%.

Nach Connors empfiehlt sich die Kombination aus dem Immunkonjugat und AVD damit als neue Erstlinienoption beim fortgeschrittenen Hodgkin-Lymphom. In Deutschland stellt sich die Situation etwas anders dar, da solche Patienten hier überwiegend mit dem aggressiveren BEACOPP-Schema behandelt werden, wodurch es zu weniger Rezidiven kommt. Hier wird es darum gehen, durch den Einsatz von Brentuximab Vedotin die hohe Toxizität dieses Regimes zu reduzieren.