PD Dr. Othman Al-Sawaf erläuterte im Rahmen eines industriegeförderten Satellitensymposiums bei der Jahrestagung im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie 2025 Neuerungen in der Onkopedia-Leitlinie zur chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) [1]. Die aktuelle Version vom September 2025 müsse neben den relevanten genetischen Markern auch bezüglich der Therapiedauer und der Nebenwirkungen interpretiert werden. Die zeitlich begrenzten Regime, zum Beispiel mit dem Brutontyrosinkinasehemmer (BTKi) Acalabrutinib (Calquence®) plus Venetoclax und kontinuierliche Therapien (u. a. mit Acalabrutinib) haben bei unmutiertem IGHV (variable Region der Immunglobulin-Schwerkette) den gleichen Stellenwert. Bei hohem Grad an Gebrechlichkeit werde in der Onkopedia-Leitlinie die beste supportive Behandlung empfohlen. Es könnte möglicherweise auch eine kontinuierliche BTKi-Monotherapie gegeben werden, erklärte Al-Sawaf und zeigte vielversprechende Ergebnisse zu Acalabrutinib in der CLL-FRAIL-Studie [2]. 93,5 % der Patienten mit mindestens drei Therapiezyklen sprachen auf Acalabrutinib an und 81,1 % der Intention-to-treat(ITT)-Population. Nach zwölf Monaten lebten 76,4 % der Behandelten und 89,2 % waren ohne Progress. Die Hälfte der Patienten (53 %) berichtete zudem eine Verbesserung der Gebrechlichkeit.
Als „Hot Topic“ präsentierte Dr. Carolin Groß-Ophoff-Müller, Köln-Merheim, therapeutische Überlegungen zum EGFR-mutierten NSCLC. Die molekulare Testung mit der Erfassung aller relevanten Alterationen sei der Standard beim fortgeschrittenen NSCLC. Eine EGFR-gerichtete Therapie könne bei vorliegender Alteration auch im kurativen Stadium nach Resektion und nach Radiochemotherapie eingesetzt werden. Für ausgewählte Patienten sei der Tyrosinkinase-Inhibitor Osimertinib (Tagrisso®) weiterhin ein Standard, sagte Groß-Ophoff-Müller, mit Blick auf die Gesamtüberlebenskurven von Betroffenen im Stadium III in den Studien ADAURA und LAURA [3, 4]. Neue Kombinationstherapien zeigten einen klinischen Benefit insbesondere für Patienten mit einem ungünstigen Risikoprofil. Aber die bessere Wirksamkeit habe ihren Preis, da sie mit einer höheren Toxizität einhergehe. Die optimale Sequenzstrategie für individuelle Personen festzulegen, bleibe eine große Herausforderung.
Ine Schmale