Einfluss metabolischer Prozesse auf Tumorentstehung und Krankheitsverlauf
Metabolische Einflüsse können die Transformation von Körperzellen in maligne Zellen sowie die Tumorprogression und Metastasierung beeinflussen. Prof. Sarah-Maria Fendt, Leuven, Belgien, erläuterte dies am Beispiel von Lebermetastasen des kolorektalen Karzinoms. Die sogenannte phänotypische Plastizität, die ihrerseits von der „metabolischen Verkabelung“ abhänge, sei maßgeblich an der Metastasenbildung beteiligt. Gerade bei Lebermetastasen sei der nutritive Einfluss nicht zu unterschätzen. Fendt konnte mit ihrem Forschungsteam nachweisen, dass „Replacement-Metastasen“, prognostisch ungünstige Metastasen ohne Kapselbildung, bei Krebserkrankten mit Fettleber überrepräsentiert sind.
Als wichtiger Regulator entpuppte sich das Gen MYC, das den Prolin- und Kollagenstoffwechsel steuert. Die Fettleber erlaube es den Tumorzellen, ihr eigenes Kollagen zu produzieren, was sowohl das Auftreten als auch das Wachstum der besonders aggressiven Replacement-Metastasen begünstige, berichtete Fendt [1].
Prof. Christian Frezza, Köln, erläuterte am Beispiel des Nierenzellkarzinoms, wie metabolische Veränderungen Einfluss auf den Krankheitsverlauf nehmen könnten. So sei bei Patienten mit ungünstiger Prognose häufig die mitochondriale oxidative Phosphorylierung gehemmt. Dies stehe wiederum in Zusammenhang mit der epithelial-mesenchymalen Transition (EMT), einem Prozess, bei dem sich Epithelzellen in bewegliche, undifferenzierte mesenchymale Zellen mit der Fähigkeit zur Migration und Invasion transformieren. Gerade die Tumorentstehung, die über den Verlust des Tumorsuppressorgens VHL und eine Stabilisierung von hypoxieinduzierbaren Faktoren (HIF) begünstigt wird, werde von metabolischen Prozessen in den Mitochondrien – speziell der Suppression der oxidativen Phosphorylierung – beeinflusst. Zudem sei während der Tumorprogression ein Anstieg der Heteroplasmie der mitochondrialen DNA beobachtet worden und bei der Metastasierung die Blockade des mitochondrialen Komplexes I [2].
Transsektorales Konzept soll onkologische Versorgung sichern
Die Präzisionsonkologie hat sich mit Innovationen auf diagnostischem und therapeutischem Gebiet enorm weiterentwickelt. Angesichts der alternden Gesellschaft und der dadurch bedingten Zunahme von Krebserkrankungen stellt sich allerdings die Frage, wie Innovationen weiterhin flächendeckend und qualitativ hochwertig in die Versorgung integriert werden können – bei begrenzten Ressourcen. Im Rahmen der Kongress-Pressekonferenz betonte Prof. Michael Hallek, Köln, das Engagement der DGHO für ein sektorenübergreifendes Versorgungskonzept in der fachärztlichen Betreuung [3]. „Unser Ziel ist ein transsektorales Konzept, in dem Patientinnen und Patienten unabhängig von Wohnort und Versorgungssektor Zugang zu innovativen Therapien und qualitativ hochwertiger Betreuung erhalten“, sagte Hallek. Ein solches Modell könne die Versorgungsqualität nachhaltig steigern, vorhandene Ressourcen gezielter und effizienter nutzen und die Zufriedenheit der Betroffenen verbessern.
Voraussetzung sei – neben der Teilnahme an wissensgenerierenden Studien – eine enge, sektorenübergreifende Kooperation zwischen niedergelassenen Fachärzten, Krankenhäusern, spezialisierten onkologischen Einrichtungen und weiteren Akteuren im Gesundheitswesen. Zu den Bausteinen zählten interdisziplinäre Fallbesprechungen, vollständig digitalisierte Kommunikationssysteme, klar strukturierte und standardisierte Behandlungspfade sowie ein einheitliches Vergütungssystem.
NDMM: Kombination mit bispezifischem Antikörper
In der offenen, nichtrandomisierten Phase-II-Studie GMMG-HD10/DSMM-XX(MajesTEC-5), einer gemeinsamen Untersuchung der beiden großen deutschen Myelom-Studiengruppen, wurden Induktionsregime auf Basis des bispezifischen Antikörpers Teclistamab (Tec) bei Erkrankten mit einem neu diagnostizierten, transplantationsgeeigneten multiplen Myelom (TE-NDMM) evaluiert. Mit beispiellosem Erfolg, wie Prof. Marc-Steffen Raab, Heidelberg, in der Best Abstracts Session des DGHO 2025 konstatierte.
Tec wurde in Kombination mit dem CD38-Antikörper Daratumumab sowie Lenalidomid (DR) und Dexamethason als Induktion vor Hochdosistherapie und autologer Transplantation getestet (Arm A: Tec einmal wöchentlich; Arm A1: Tec alle vier Wochen in doppelter Dosis), in Arm B noch ergänzt durch Bortezomib (V).
Nach drei Zyklen war in allen Armen keine minimale Resterkrankung (MRD) mit einem 10-5-Sensitivitätslevel mehr nachweisbar. Nach sechs Zyklen, also am Ende der Induktion, lag die Rate an MRD-Negativität auch auf dem 10-6-Level in allen drei Armen bei 100 % – ein bisher unerreichtes Ergebnis (Abb. 1) [4].