Checkpoint-Inhibition: Nebenniere als Nische für resistente Metastasen

Der therapeutische Angriff auf die PD-1-/PD-L1-Immuncheckpoint-Achse hat bei verschiedenen Tumortypen zu dauerhaften Remissionen geführt, aber das Ansprechen ist heterogen – sowohl zwischen den Patienten als auch innerhalb ein- und desselben Patienten. Kollegen an der Ohio State University in Columbus beschreiben mehrere Fälle von Patienten, bei denen Metastasen in den Nebennieren progredient waren, während solche in anderen Organen gut ansprachen.

Das metastasierte Melanom ist ein Beispiel für einen Tumor, bei dem man ein uneinheitliches Ansprechen in unterschiedlichen Organen findet: Die höchsten Remissionsraten werden für kleine Metastasen und solche in der Lunge beschrieben, während das Ansprechen von Leberherden am stärksten variiert. Solche Unterschiede gehen vermutlich auf Unterschiede  im Microenvironment der metastatischen Nischen in den verschiedenen Geweben zurück. Wenn das nachweisbar wäre, ließe es sich wahrscheinlich therapeutisch nutzen.

Die US-amerikanischen Onkologen erweitern das Spektrum der Lokalisationen mit besonderer Therapieresistenz nun um die Nebenniere, indem sie drei Patienten vorstellen, bei denen sich Tumoren, die anderswo im Körper gut auf eine Behandlung mit dem PD-1-Inhibitor Pembrolizumab ansprachen, in den Nebennieren als resistent erwiesen:

Zwei der Patienten litten an einem metastasierten Melanom, die dritte Patientin an einem Uterus-Sarkom. Bei allen dreien sprachen Tumorherde in anderen Organsystemen gut (mit kompletten oder partiellen Remissionen) auf eine Therapie mit Pembrolizumab an, während die Nebennieren-Metastasen progredient waren. Bei zwei Patienten konnten die betroffenen Nebennieren minimal-invasiv und robotergestützt reseziert werden. Beim dritten Patienten mit einem Melanom musste eine offene Operation abgebrochen werden, weil eine Infiltration der Vena cava inferior durch den Tumor eine sichere Exzision unmöglich machte.

Dieser Bericht zeigt zweierlei: Nebennierenmetastasen sollten während einer Immuntherapie besonders aufmerksam beobachtet werden, weil dieses Organ offenbar einen Schutzraum für Tumoren darstellen kann, in dem sie vor therapeutischen Angriffen sicher sind. Und man sollte, wenn andere Lokalisationen gut auf die konservative Therapie ansprechen, nicht zu lange zögern, den Patienten in der Chirurgie vorzustellen, um die Chance auf eine potenziell kurative Resektion nicht zu verpassen.

Josef Gulden