40-mal San Antonio: Fortschritte in der Brustkrebstherapie

Editorial

Wer schon einmal beim San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) war, kennt dieses Bild: Das Alamo – 1744 als spanische Missionsstation gegründet und damit für US-amerikanische Verhältnisse „antik“ – wurde vor allem durch den Widerstand texanischer Siedler gegen mexikanische Truppen im Unabhängigkeitskrieg 1835/36 zu einer der wichtigsten historischen Stätten der USA und zählt seit einigen Jahren zum UNESCO-Weltkulturerbe. Nicht ganz so lange – immerhin seit 1978 – findet in San Antonio jährlich das SABCS statt, zunächst im örtlichen Marriott-Hotel, bis dieses vor rund 15 Jahren zu klein wurde. Zum 40-jährigen Jubiläum im Dezember 2017 versammelten sich im Henry B. Gonzalez Convention Center rund 7.000 Teilnehmer, die aus 93 Ländern anreisten, um die neuesten Ergebnisse zur Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms zu diskutieren. Es gab wie immer interessante Neuigkeiten: Berichte dazu bilden einen Schwerpunkt dieses Heftes von Trillium Krebsmedizin (S. 84 ff. und 90 ff.).

Frühes Mammakarzinom

– Beim frühen, nicht metastasierten Mammakarzinom bestätigte die österreichische ABCSG-16-Studie die Redensart, dass weniger manchmal mehr ist: Die adjuvante Gabe eines Aromatasehemmers für fünf Jahren bei Frauen mit Hormonrezeptor-positiven Tumoren ist längst Standard. Laut den neuesten Ergebnissen von ABCSG-16 ist die erweiterte Gabe für zusätzliche zwei Jahre ausreichend – eine fünfjährige erweiterte Therapie verbessert die Prognose nicht, erhöht aber das Frakturrisiko.
– Bei der adjuvanten Chemotherapie hingegen profitieren Patientinnen von einer Intensivierung der Dosis – entweder durch Verkürzung der Zyklen oder durch sequenzielle Gabe verschiedener Zytostatika in höherer Dosierung: Laut einer Metaanalyse der Early Breast Cancer Trialists´ Cooperative Group (EBCTCG) mit Daten von mehr als 34.000 Patientinnen werden dadurch Rezidiv- und Mortalitätsrisiko signifikant reduziert.
– Strittig ist seit Langem die Anwendung von GnRH-Analoga parallel zur adjuvanten Chemotherapie bei jungen Frauen mit Brustkrebs. Eine Metaanalyse der Daten von rund 900 Patientinnen aus fünf randomisierten Studien zeigt nun, dass das Risiko für eine prämature ovarielle Insuffizienz und für Amenorrhö durch die hormonelle Behandlung halbiert wird. Im Endeffekt führt das zu einer Verdoppelung der Rate an späteren Schwangerschaften.
– Bei der erweiterten Gabe von Bisphosphonaten nach adjuvanter Chemotherapie kann wiederum Zurückhaltung nicht schaden: In der deutschen
Phase-III-Studie SUCCESS-A waren fünf Jahre Zoledronat hinsichtlich der Prognose der Krebserkrankung nicht wirksamer als zwei Jahre. Zum Frakturrisiko liegen noch keine Ergebnisse vor.
– Gelenkschmerzen sind eine bekannte und häufige Nebenwirkung von Aromatase-Inhibitoren. Die South West Oncology Group (SWOG) konnte in ihrer Studie 1200 zeigen, dass eine klassische chinesische Akupunktur diese Beschwerden deutlich lindern kann – und zwar über die zwölfwöchige Behandlungsphase hinaus. Die Akupunktur erfreut sich als „sanfte“ medizinische Maßnahme guter Akzeptanz von Seiten der Patientinnen und sollte deshalb, so die Autoren der Studie, bei einer anstehenden Therapie mit Aromatasehemmern mit ihnen diskutiert werden.

 

Metastasiertes Mammakarzinom

– In der endokrinen Erstlinientherapie postmenopausaler Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem fortgeschrittenem Mammakarzinom gilt die Kombination aus einer endokrinen Therapie mit einem CDK4/6-Inhibitor mittlerweile als Standard. Dass das auch für prä- und perimenopausale Patientinnen so sein dürfte, zeigten in San Antonio die Ergebnisse der
Phase-III-Studie MONALEESA-7, in der die Kombination aus Tamoxifen oder einem Aromatasehemmer mit Ribociclib das progressionsfreie Überleben bei solchen Patientinnen signifikant verlängern konnte.
– Auch PARP-Inhibitoren sind beim Mammakarzinom im Kommen: In der EMBRACA-Studie konnte die noch nicht zugelassene Substanz Talazoparib bei vorbehandelten Patientinnen mit BRCA-Keimbahnmutationen gegenüber einer Chemotherapie das Risiko für Progression oder Tod halbieren, auch bei Patientinnen mit Hirnmetastasen und bei gleichzeitiger deutlicher Verbesserung der Lebensqualität.
– Checkpoint-Inhibitoren kommen langsam auch beim Mammakarzinom an: In der PANACEA-Studie konnte der PD-1-Antikörper Pembrolizumab bei gegen Trastuzumab resistenten, HER2-positiven Tumoren in Kombination mit dem HER2-Antikörper ein Ansprechen induzieren – aber nur, wenn im Tumor PD-L1 exprimiert wurde.

Autor
Josef Gulden
Chefredakteur Trillium Krebsmedizin