Kolorektal- und Magenkarzinom: Immunonkologie bei gastro­intestinalen Tumoren

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Immuntherapeutische Ansätze haben bei vielen Entitäten zu einem anhaltenden Ansprechen bei einem Teil der Patienten geführt. Bei gastrointestinalen Tumoren waren die Therapieerfolge eher verhalten. Für ausgewählte Patienten und in Kombination mit Chemotherapien scheinen Checkpoint-Inhibitoren jedoch auch beim Kolorektal- und Magenkarzinom eine Therapieoption zu sein, wie Thierry André, Paris, und Ian Chau, London, im Rahmen des ESMO-Kongresses 2017 zeigten.

Das Vorliegen von hoher Mikrosatelliteninstabilität (MSI-H) wie auch ein Mismatch-Reparatur-Defekt (dMMR) gehen beim Kolorektalkarzinom mit einer schlechteren Prognose einher. Mit einer hohen Mutationslast und der steigenden Anzahl von tumorspezifischen Neoantigenen können Patienten mit MSI-H oder dMMR möglicherweise von einer Immuntherapie profitieren. Für Nivolumab (Opdivo®) wurde eine Wirksamkeit bei dieser Patientengruppe nachgewiesen, die zur Zulassung in den USA geführt hat. Ein Ansprechen wurde in der CheckMate-142-Studie bei nahezu einem Drittel der Patienten beobachtet. Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) betrug 14,3 Monate und die 1-Jahres-Gesamtüberlebensrate 73%. Patienten mit Tumoren ohne dMMR oder MSI-H profitierten bisher nicht von Monotherapien mit PD-1- oder PD-L1-Inhibitoren. Hier werden daher diverse Kombinationstherapien mit Immuntherapien, zielgerichteten Therapien und Chemotherapie-Partnern untersucht. Die Vorteile der nebenwirkungsärmeren, gegen PD-1 gerichteten Monotherapie werden somit für den Großteil der Patienten mit Kolorektalkarzinom wahrscheinlich nicht zum Tragen kommen. Effektivere Kombinationen mit im Vergleich zu verfügbaren Therapien geringerer Toxizität könnten sich allerdings als richtungsweisend herausstellen.

Beim Magenkarzinom stellt sich die Situation mit Immuntherapien ähnlich dar wie beim Kolorektalkarzinom. in der Phase-III-Studie ATTRACTION-02 wurde Nivolumab bei asiatischen Patienten mit fortgeschrittenem Magenkarzinom nach Versagen von mindestens zwei Standardtherapien gegen Plazebo geprüft. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben (OS). Das Risiko zu versterben konnte durch die PD-1-Blockade um 38% reduziert werden. Das mediane OS betrug 5,3 Monate unter Nivolumab versus 4,1 Monate unter Plazebo. Nach zwölf Monaten waren in den beiden Armen 27% versus 12% der Patienten am Leben, nach 24 Monaten 12% versus 5%. Der Therapieerfolg war unabhängig vom PD-L1-Status. In der ATTRACTION-04-Studie, die ausschließlich japanische Patienten einschließt, wird die zusätzliche Gabe von Nivolumab zu einer Chemotherapie in der Erstlinie unter Plazebo-Kon­trolle geprüft. Bei den ersten Patienten zeigte sich mit einer Ansprechrate von 71% unter Nivolumab plus Capecitabin/Oxaliplatin eine vielversprechende Aktivität dieser Therapiestrategie.

Ine Schmale

Satellitensymposium „Current and Emerging Immuno-Oncology Research in Gastrointestinal Cancers“ im Rahmen des ESMO-Kongresses am 10.09.2017 in Madrid, unterstützt von Bristol-Myers Squibb.

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