Überwachung im Labor und am Point of Care

Tests und Systeme für die Diabetesdiagnostik

Die Diabetesdiagnostik gehört angesichts von weltweit fast einer halben Milliarde betroffener Patienten zu den aktivsten Gebieten der Laboratoriumsmedizin. Glukose, bestimmt mit der Hexokinase- oder Glukose­-Oxidase-Methode, ist der Standard der Akut­diagnostik, HbA1c dient der Langzeit-Überwachung und seit einigen Jahren auch der leitliniengerechten Erstdiagnostik. Für beide Analyte stehen neben der Bestimmung im Zentrallabor auch Systeme zur patientennahen Diagnostik zur Verfügung.

HerstellerSystemTests
KABE LABORTECHNIKGA 3Glukose, Laktat
RadiometerHemoCueHbA1c
sebiaCapillarys 3 TeraHbA1c
Siemens Healthcare DiagnosticsAtellica SolutionKlinisch-chemische und immunchemische Tests

Bei Patienten mit Hämoglobinvarianten sowie bei verkürzter Erythrozytenüberlebenszeit kann für das Langzeit-Monitoring auch Fruktosamin eingesetzt werden. Es spiegelt die Glykämie der letzten drei Wochen wider, während HbA1c einen Zeitraum von mehreren Monaten abbildet.
Für die HbA1c-Bestimmung kommen chromatografische, elektrophoretische und immunchemische Verfahren zum Einsatz, die unterschiedliche Molekül­eigenschaften erfassen und entsprechend unterschiedliche Werte liefern. Als Referenzmethode nach NGSP (National Glyco­hemoglobin Standardization Program) dient die HPLC. Anfang des Jahrtausends definierten von der IFCC beauftragte Experten eine gut untersuchte Mischung aus gereinigtem, beta-N-terminal glykiertem und nicht-glykiertem Hämoglobin A als Primärstandard. Der Nachweis dieser Mischung erfolgt dann mittels HPLC, isoelektrischer Fokussierung, ESI-MS oder Kapillarzonenelektrophorese.
Die mit diesem Referenzmaterial ermittelten Werte liegen niedriger als die ursprünglichen „NGSP-Werte“. Deshalb werden die nach IFCC gemessenen Ergebnisse häufig in % nach NGSP umgerechnet (IFCC-NGSP-Gleichung, DCCT Einheiten). Viele Labore berichten als Kompromiss HbA1c mit beiden Einheiten und machen dies durch den Zusatz „nach IFCC“ bzw. „nach NGSP“ kenntlich.
Die Richtigkeit der Glukosebestimmung hängt wesentlich von der Präanalytik ab. Ideal in Bezug auf die Transportstabilität ist die Verwendung von Glykolyse-hemmenden Spezialröhrchen mit citratgepuffertem Natriumfluorid. Liegt dieser Zusatz in flüssiger Form vor, so ist auf eine komplette Füllung der Röhrchen zu achten, um Verdünnungseffekte auszuschließen.
Insulin und C-Peptid dienen vor allem der Insulinom-Diagnostik, können aber u. a. auch zur Quantifizierung einer Insulin­resistenz eingesetzt werden (z. B. HOMA und QUICKY Index). Zu erwähnen ist schließlich die Bestimmung von Albumin im Urin (häufig etwas irreführend als „Mikroalbumin“ bezeichnet) zur Früherkennung von Nierenschäden bei Diabetes und Hypertonie.  

Dr. Gabriele Egert
Mitglied der Redaktion