Schnell vor Ort – quantitativ im Labor

Medikamenten- und Drogentests

Drogen sind im deutschen Sprachgebrauch in der Regel „Missbrauchsdrogen“, während das englische Wort Drug auch Medikamente umfasst. Unter einem Drogentest im weiteren Sinne (drug assay) versteht man folglich jede Bestimmung von Art und Menge einer Fremdsubstanz in unterschiedlichsten  biologischen Materialien –  von Vollblut, Serum und Plasma über Urin und Speichel bis  hin zu forensischen Untersuchungsmaterialien und getrockneten Mikro-Blutstropfen (S. 165).
Für eine rationelle Teststrategie bietet sich zunächst eine qualitative immunchemische Vorprüfung mit einem Lateral-Flow-Assay, Kassettentest o. ä. an (siehe unten), ehe man die  genaue Charakterisierung und Quantifizierung mittels Massenspektrometrie (LC-MS/MS) in einem spezialisierten Labor durchführt.

Probenmaterialien

Während Medikamente in der Regel aus dem Blut bestimmt werden, sind für den Nachweis von Missbrauchsdrogen nicht-invasiv gewonnene Probenmaterialien wünschenswert. Hier bietet sich primär Urin an; aber da die Abgabe unter Aufsicht erfolgen muss, um eine Manipulation zu verhindern, wird das Procedere von den Probanden als unangenehm empfunden. Speichel kann dagegen problemlos unter Sichtkontakt gewonnen werden und stellt eine gute Alternative zum Urin als Untersuchungsmaterial dar.
Ein weiterer Vorteil von Speichel ist, dass darin in der Regel die nicht metabolisierten Muttersubstanzen vorliegen. Ihre Konzentrationen sind allerdings geringer als im Urin – ein analytischer Nachteil, der durch die hohe Sensitivität der LC-MS/MS wieder ausgeglichen werden kann.

Im Falle von Benzodiazepinen und dem Cannabis-Metaboliten Tetrahydrocannabiol (THC) lässt sich beim Speichel darüber hinaus das Zeitfenster der letzten Einnahme besser eingrenzen; im Urin stört die manchmal wochenlange Ausscheidung. Ein weiterer Vorteil ist schließlich, dass die Methodenentwicklung für die LC-MS/MS einfacher ist, da die Muttersubstanzen als Referenzmaterial leichter verfügbar sind als die Metaboliten. 

Multiplex-Testung

Wenn die gesuchte Substanz unbekannt ist, wird man in der Regel einen Multiplextest anstreben, um so schnell wie möglich mit einer gezielten Analyse beginnen zu können. Beispiele für ein breites Portfolio finden sich sowohl auf dieser Doppelseite (Immunoassays) als auch auf S. 167 (LC-MS/MS). Das Auslesen vor Ort kann auch mithilfe von mobilen Lesegeräten erfolgen (S. 168). Solche Schnelltests werden auch von Polizei und Behörden zum Nachweis eines Drogenmissbrauchs oder zur Überwachung von Substitutionspatienten eingesetzt.

Im Zentrallabor stehen Immunoassay-Geräte zur Verfügung, auf denen Missbrauchsdrogen und deren Derivate, sowie Immunsuppressiva und viele andere Medikamente vollautomatisch gemessen werden können (s. u.). Die Assays sind für Urin und zum Teil auch für Blut ausgelegt. Der Vorteil der Adaption an immunchemische Analyzer ist die einfache Einbindung in den Arbeitsablauf des Routinelabors, der Nachteil sind die bekannten Kreuzreaktivitäten, die häufig einen Bestätigungstest erfordern. Für hochspezifische Analysen wird man im Speziallabor deshalb die Massenspektrometrie bevorzugen (S. 167). Sie erfordert relativ teure Geräte und hat einen geringeren Probendurchsatz, kann dafür aber auch chemisch eng verwandte Substanzen unterscheiden und neue, noch unbekannte Drogen detektieren.

Für alle Medikamenten- und Drogennachweise ist die LC-MS/MS die Referenzmethode. Zur Kalibration verwendet man  mit stabilen Isotopen markierte interne Standards. Durch die Flüssigchromatografie (HPLC) werden die Substanzen in einem Gemisch vorab aufgetrennt, sodass man sie mithilfe der nachgeschalteten Tandemmassenspektrometrie (MS/MS) besser identifizieren und bei Bedarf quantifizieren kann. Mit einem einzigen Assaykit lassen sich so über 100 Analyte in einem einzigen Durchlauf erfassen (S. 167).    

Dr. Gabriele Egert, Prof. Dr. Georg 

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