Neue diagnostische und therapeutische Ansätze

Multiple Sklerose

Die eindeutige Diagnose – oder auch der Ausschluss – einer MS bildet die Grundlage für die Therapie und stellt bei Neubetroffenen sicher auch manche Weiche für das weitere Leben. Ein guter Prognose-Marker ist daher ein echter Meilenstein.

Schlüsselwörter: Multiple Sklerose, Encephalomyelitis disseminata, Prognosemarker, Kynurenin-Pathway

Die Multiple Sklerose (MS) oder Encephalomyelitis disseminata (ED) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der die Markscheiden, also die Isolationsschicht der Nervenzellen, durch einen autoimmunologischen Prozess angegriffen werden. 

Diagnostik

Für die ( Differenzial-) Diagnostik kommen vor allem Kernspintomografie und Liquoruntersuchung zum Einsatz. Leichte Zellzahlerhöhungen und Hinweise auf eine Schrankenstörung finden sich nur bei einem Teil der Patienten. Dagegen ist bei über 90% der Patienten eine intrathekale Synthese von Immunglobulin G (IgG) nachweisbar, mit weitem Abstand gefolgt von IgM (etwa 20%) und IgA (etwa 10%). Die Autoantikörper sind in der Regel polyspezifisch, richten sich u. a. gegen virale Antigene (MRZ = Masern, Röteln, Varizella-Zoster) und imponieren in der isoelektrischen Fokussierung als oligoklonale Banden (Abb. 1). 

Auch der Vergleich der Liquor-Serum-Quotienten für IgG und Albumin im sog. Reiber-Schema gibt Auskunft über das Vorliegen einer intrathekalen IgG-Synthese und/oder einer Schrankenstörung (de.wikipedia.org/wiki/Hansotto_Reiber).

Allen, die sich für den aktuellen Stand der MS-Diagnostik im Detail interessieren, sei ein hochkarätig publiziertes Positionspapier aus dem Jahr 2018 empfohlen [1]. Die Arbeit geht vor allem auf neuere Ergebnisse der Bildgebung und die schwierige Abgrenzung von Krankheitsbildern mit überlappender Symptomatik, die nicht dem Formenkreis der MS angehören, ein.

Prognose-Einschätzung

Die Krankheit ist nicht heilbar, doch der Verlauf kann durch medikamentöse, physiotherapeutische und andere Maßnahmen oft günstig beeinflusst werden. Wichtig für die Einschätzung der Prognose ist die Differenzierung zwischen stark und weniger stark progressiven Formen der MS. Ein kürzlich entdecktes Panel von sechs Biomarkern im Liquor, die dem Kynurenin-Pathway (KP) angehören, könnte hier nützliche Hinweise geben (S. 39). 

Nach einer aktuellen Studie von Lim et al. [2] wird der KP in Anwesenheit bestimmter Zyto­kine durch Indolamin-2,2-Dioxigenase (IDO-1) aktiviert und produziert teils neurotoxische (Quinolinsäure = QA), teils neuroprotektive (Kynureninsäure = KA) Metaboliten. Somit eignet sich der QA/KA-Quotient als Maß für die Krankheitsschwere und Progressionsneigung der MS.

Therapeutische Aspekte

Erhebliche Fortschritte gibt es derzeit bei der Therapie, denn jenseits des klassischen Cortisonstoßes bei Beginn eines Schubs sowie Fingolimod und Interferon als Eskalationstherapie werden zunehmend monoklonale Antikörper eingesetzt, beispielsweise Natalizumab und Alemtuzumab (anti-CD52) bei häufigen Schüben sowie der aus der Hämatoonkologie (B-NHL) bekannte Anti-CD20-Wirkstoff Rituximab und dessen neu zugelassenes Pendant Ocrelizumab.   

Dr. Gabriele Egert

Prof. Dr. Georg Hoffmann

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