Die Entmystifizierung der Uroskopie

 

Die Uroskopie gehörte bis ins 18. Jahr­hundert hinein zu den wichtigsten und geheimnisvollsten Diagnosetechniken der Medizin. Heute stellt der Urin eine sowohl optisch als auch wissenschaftlich transparente Flüssigkeit dar, deren korpuskuläre und chemische Bestandteile bis ins Detail aufgeklärt sind.

Charakteristisch für die moderne Urinanalytik ist der grundsätzlich multiparametrische Ansatz, der beim „Teststreifensieb" als Eingangs­untersuchung beginnt und je nach Befund (Hämat­urie, Leuko­zyturie, Proteinurie) weitere Untersuchungsprofile nach sich ziehen kann. Diesem Paradigma tragen die vier Hersteller Rechnung, die auf den nächsten Seiten voll- und teilautomatisierte Analysensysteme, Teststreifen und Universalkontrollen vorstellen.

Im Vordergrund stehen die Einfachheit der Anwendung und die Integration in die Gesamtabläufe des Labors. Dies schlägt sich in den Gerätekonzepten nieder: Die drei Vollautomaten arbeiten die Probenracks durch ihren modularen Aufbau komplett ab, indem sie Urinchemie und Sediment auf einer Geräteplattform zusammenführen. Ein manuelles Umsetzen der Proben entfällt damit.

Durchflusszytometrie und digitale Mikroskopie

Die „Sedimentanalyse" im ursprünglichen Wortsinn gehört der Vergangenheit an: Der Urin wird nicht mehr zentrifugiert, sondern im Durchflusszytometer oder Durchfluss­mikroskop analysiert. Die Quantifizierung und Beurteilung der Partikel erfolgt anhand von Scattergrammen bzw. digi­talen Bildern.

Es gibt weiterhin reine Ablesegeräte für die Teststreifen des jeweiligen Herstellers, und zwar sowohl als Handgerät für Einzelstreifen als auch als Halbautomat für die Abarbeitung von Serien. Die nebenstehend gezeigten Kontrollurine sind Hersteller-offen; sie können auf allen Systemen eingesetzt werden.

Hervorzuheben ist die rund 100-fache Sensitivitätssteigerung für Albumin auf Teststreifen der neuesten Generation. Durch ein Antikörper-Gold-Konjugat oder eine Farbstoff-CMOS-Technik lässt sich die geforderte Nachweisgrenze von < 20 mg/l erreichen. Die parallele Messung von Urinkreatinin erlaubt auch die Berechnung des Albumin/Kreatinin-Quotienten.