Viele Techniken unter einem Dach vereinigt

Automation der Gerinnungsdiagnostik

Die vollautomatisierte Gerinnungs­diagnostik wird von einigen wenigen großen Herstellern dominiert. In den drei Jahren seit unserer letzten tabellarischen Produktübersicht hat sich viel getan. Ob Präanalytik, Analytik, Qualitätskontrolle, Befundung, Qualitätsmanagement oder Vernetzung: Auf all diesen Gebieten sind Verbesserungen zu verzeichnen. Zwei Geräte wurden völlig neu entwickelt, und jeder der Hersteller hat mindestens ein Gerät im Portfolio oder zumindest in der Vorbereitung, das an ein Totalautoma­tionssystem angeschlossen werden kann.

Zwei Testprinzipien sind neu im Markt: die LOCI-Technik für immunchemische Proteinnachweise (Abb. 1) und die voll­automatische Messung der Thrombingenerierung. Details zu diesem Globaltest für die differenzierte Gerinnungsanalytik finden sich im Schwerpunkt auf S. 259 ff. 

 

Verbesserte Präanalytik

In der Präanalytik ist das Cap Piercing, also das Durchstechen des Probendeckels, bei nahezu allen Geräten Standard – auch im Mischbetrieb für die Röhrchenformate der gängigen Hersteller. Deshalb haben wir diese Funktion in der Tabelle Multimode Cap Piercing (MM CP) genannt. „Eppendorf-Cups" mit 1,5 ml Volumen lassen sich in einem der Geräte mithilfe eines Adapters einschleusen, wobei der Deckel dann nicht durchstochen wird.

Ebenso aufwendig weiterentwickelt wurde der HIL-Check zur Erkennung von Hämolyse, ikterischer Verfärbung und Lipämie. Hierzu können individuelle Warnstufen definiert werden. Einige Geräte verändern automatisch die Lichtintensität, wenn HIL-Interferenzen gemessen werden; andere wechseln die Wellenlänge für die Messung. Hintergrund ist immer, mit der vorhandenen Probe auszukommen und ein möglichst korrektes Messergebnis zu erhalten. Auch bei Volumencheck, Füllstands­höhe und Prüfung auf Gerinnselbildung gab es eine Reihe von Verbesserungen.

 

Geschwenkt, nicht gerührt

Für das Auflösen sedimentierender Reagenzien gibt es eine Tendenz, das Rühren der Rea­genzien durch kontinuierliches Schwenken zu ersetzen – in Analogie zu dem berühmten Wodka Martini, den James Bond in seinen Filmen immer „geschüttelt und nicht gerührt" trinkt: Durch das Schütteln bzw. Schwenken kommt es zu einer effektiveren Durchmischung und damit zu einer Verbesserung der Präanalytik.

Die vorgeschriebene Qualitätskontrolle kann wahlweise wie eine Patientenprobe mitgemessen oder automatisch eingeschleust, analysiert und ausgewertet werden. Beides stellt eine Arbeitserleichterung für RiliBÄK-konforme Abläufe dar.


Der Plattform-Gedanke

Zusammenfassend setzt die neue Gerätegeneration einen seit Jahren zu beobach­tenden Trend in der Gerinnungs­diagnostik konsequent fort. Während sich die ersten Systeme auf die Automation nur einer einzigen Technik – Koagulometrie, Photometrie, Immun­assay usw. – fokussierten, werden heute viele traditionelle und innovative Mess­prinzipien unter einem Dach vereinigt und auch präanalytische Verfahren zur Proben- und Reagenzvorbereitung integriert.

Im Endeffekt dienen die aktuellen Entwicklungen dazu, eine klinische Fragestellung möglichst komplett abzuarbeiten. Dieser Plattform-Gedanke bedeutet einen Paradigmenwechsel, der dem Labor und dem einsendenden Arzt zugutekommt: Weg von der Technik und hin zur Medizin.

 

zur tabellarischen Übersicht: "Automations­systeme für die Hämostaseologie"

 

Dr. Gabriele Egert

Mitglied der Redaktion