COVID-19 Newsletter 3. April 2020

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

der rasante Anstieg der Testzahlen zum Nachweis von SARS-CoV-2 bei COVID-19 führt immer wieder zu Lieferengpässen, die zur Suche nach Alternativlösungen zwingen. Kompetente Mitglieder des Trillium-Fachbeirats, darunter der Virologe Prof. Dr. Lutz Gürtler, der Molekularbiologe Prof. Dr. Udo Reischl, der Mikrobiologe PD Dr. Andreas Ambrosch und der Immunologe Prof. Rudolf Gruber haben sich dankenswerterweise bereit erklärt, Fachfragen zu beantworten, die uns in diesem Zusammenhang erreichen.

Nachfolgend finden Sie drei Beispiele von unserer Website. Antworten auf weitere Fragen werden in regelmäßigen Abständen per Newsletter verschickt. Bitte informieren Sie auch interessierte Kollegen über diesen kostenlosen Service.


Welche alternativen Materialien kann man verwenden, wenn keine speziellen Abstrichbestecke verfügbar sind?

Die Einsendung von alternativen Probenmaterialien ist grundsätzlich möglich und wird auch von den Empfehlungen der WHO und anderer Institutionen abgedeckt. Es wird den Einsendern jedoch dringend empfohlen, sich vorab mit dem Labordienstleister abzustimmen, damit nicht-standardisierte Proben in die dort etablierten Verarbeitungsprozesse integriert werden können. Unter dieser Prämisse können folgende Aussagen gemacht werden:

Wenn keine Abstrichbestecke verfügbar sind, kann ein normales Wattestäbchen, zum Beispiel Q-Tips, verwendet werden.

Rachenspülwasser (5 bis 10 ml physiologische Kochsalzlösung) kann verwendet werden, wenn keine Wattestäbchen zur Verfügung stehen. Die Verwendung ist ggf. eingeschränkt, da in der Regel 200 µl davon in die RNA-Präparation eingesetzt werden müssen, weshalb das potenzielle CoV dann ca. 50-fach verdünnt in der Probe vorliegt. Hinweis: Prinzipiell könnten die Viren auch aus der Flüssigkeit vor der PCR konzentriert werden, was aber in der jetzigen Situation im Routinelabor nicht leistbar ist.


Kann man eine PCR notfalls auch ohne RNA-Extraktion durchführen?

Eine PCR ohne vorherige Nukleinsäure-Extraktion ist nicht zu empfehlen, da dann in der Rachenprobe PCR-Polymerase-Inhibitoren (das kann auch ein Eukalyptusbonbon eine Stunde vor der Entnahme sein) in hoher Konzentration in den Testansatz eingebracht werden können. Sie würden zu einem falsch-negativen Ergebnis führen, das zwar in den Set-ups erkannt wird, den Test aber unbrauchbar macht. Ein nicht als falsch erkanntes falsch-negatives Ergebnis wäre derzeit ein größeres Problem als ein nicht durchgeführter Test, da die getestete Person das Virus weiterverbreiten kann.


Wie inaktiviert man das Virus vor Ansetzen des PCR-Tests zum Schutz des Personals am einfachsten?

Diese Frage ist vor allem bei manueller Aufarbeitung wichtig. Der einfachste Weg ist kurzzeitiges Erhitzen auf 70 °C. Dieser Schritt kann in den Arbeitsprozess integriert werden, indem man den Proteinase-K-Verdau etwa 5 Minuten bei erhöhter Temperatur durchführt. Zur chemischen Inaktivierung und Freisetzung der Nukleinsäure kann 6 M Guanidinium-Isothiocyanat verwendet werden; es zerstört wenige Sekunden nach Zugabe der Lösung die Virushülle, sodass das Virus dann nicht mehr infektiös ist.

Prinzipiell gilt, dass die Präanalytik der PCR wegen möglicher Kontamination in einer Laminar Flow Hood erfolgen muss, bei deren Benutzung ohnehin keine Infektionsgefahr besteht.


SARS-CoV-2: Testkits und Nachweissysteme

Eine Auswahl von Nachweissystemen, die zur labordiagnostischen Abklärung des Verdachts auf eine Infektion mit dem SARS-CoV-2 in Deutschland bzw. Europa zugelassen sind (CE-IVD/RUO) finden Sie hier.


Stellungnahme von Priv.-Doz. Dr. Andreas Ambrosch, Mitglied der Redaktion

Nachweisverfahren für CoVID-19: Bisher kein sicherer Ausschluss mittels RT-PCR

Die Testung auf SARS-CoV-2 kann anhand verschiedener Protokolle mit unterschiedlichen Zielgenen wie beispielsweise ORF1ab/N (China CDC), RdRP/E/N (Charité, Deutschland), ORF1b-nsp14/N (HKU, Hongkong) durchgeführt werden. Sie sind auf der Webseite der WHO einsehbar, die bisher keine Präferenz für eines der vorliegenden Protokolle ausgesprochen hat. Vergleiche bezüglich ihrer Sensitivität und Spezifität liegen derzeit nicht vor.

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