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in diesem Newsletter beantworten kompetente Mitglieder des Trillium-Fachbeirats aktuelle Fachfragen zur COVID-19-Diagnostik. Da diese Antworten nur für Fachkreise bestimmt sind, können wir sie nicht offen im Internet bereitstellen. Wir bitten Sie deshalb, interessierten Kolleginnen und Kollegen die ≫ Bestellung dieses Newsletters zu empfehlen.

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Ihr Redaktionsteam von Trillium Diagnostik


Update: Behandlungsmöglichkeiten von Covid-19

Lutz Gürtler, Hans-Jürgen Kolde, Georg Hoffmann

Wir haben im Newsletter Nr. 6 und 7 bereits zwei Biomarker-basierte Therapieansätze für schwere Verlaufsformen von COVID-19 vorgestellt. Hierbei handelte es sich um Einzelbeobachtungen im Rahmen individueller Heilversuche. Da beide Therapien inzwischen in klinische Studien aufgenommen wurden, folgt hier ein aktuelles Update.

Grundsätzlich zu unterscheiden sind zwei Kategorien von therapeutischen Zielrichtungen:

  • Antivirale Wirkstoffe
  • Immunmodulatorische Wirkstoffe.

Eine > regelmäßig aktualisierte Übersicht publiziert der Verband der forschenden Pharmaunternehmen im Internet. Dort werden auch die Forschungsstandorte in Deutschland auf einer interaktiven Landkarte dargestellt und spezielle Entwicklungen für Patienten mit Lungen- und Herzkreislauf-Erkrankungen behandelt.

Antivirale Therapien

Zur ersten Gruppe gehören Wirkstoffe, die die virale Replikation hemmen. Hierbei handelt es sich meist um Inhibitoren der RdRP (RNA-dependent RNA polymerase) wie z. B. Remdesivir oder Favipiravir [Grein et al, 2020; Wang et al, 2020, Tu et la, 2020; McKee et al, 2020], sowie den Protease-Hemmer Lopinavir/Ritonavir [McKee et al, 2020]. Das ursprünglich als Hoffnungsträger beworbene Malariamittel Hydroxychloroquin erwies sich in klinischen Studien als Enttäuschung. Nach > Angaben von Roche steht die klinische Erprobung von Tocilizumab zusammen mit Remdesivir kurz vor dem Abschluss. Die Erfahrung zeigt, dass eine antivirale Therapie möglichst früh begonnen werden muss; wenn erst einmal eine Viruskonzentration im Tracheal-Sekret 1015 Partikel pro mL überschritten ist, lassen sich überschießende Reaktionen des Immunsystems (s. u.) nicht mehr verhindern.

Ein interessanter neuer Denkansatz ist dagegen die aktive Entfernung des Virus mithilfe eines > Apheresverfahrens, basierend auf der Erkenntnis, dass die Schwere der Erkrankung unter anderem mit der Viruslast des Patienten zu korrelieren scheint. Mittels Apherese werden dabei auch Zytokine und andere durch die Infektion im Überschuss produzierte Proteine entfernt.

Immunmodulation

Stärker als durch das Virus selbst wird die Schwere der Erkrankung offenbar durch eine Überreaktion des Gerinnungs- und Immunsystems bestimmt. Wie im Newsletter Nr. 5 und Nr. 8 ausführlich dargestellt, beruhen sowohl die pulmonalen als auch die systemischen Komplikationen zu einem Großteil auf einer Mikrothrombosierung, die sich u. a. durch erhöhte Spiegel von D-Dimer, von-Willebrand-Faktor und Faktor VIII verfolgen und mit einer gezielten Heparintherapie bekämpfen lässt. Ergänzend ist die Messung und gegebenenfalls Substitution von AT-III zu nennen [Wu et al, 2020; Connors et Levy, 2020; Yin et al, 2020].

Der zweite große Ansatzpunkt ist eine Verhinderung des gefürchteten Zytokinsturms durch Blockade

  • von Komplement C5, beispielsweise mit Eculizumab [Fletcher-Sanderskjö et Bellander, 2020, siehe Newsletter Nr. 6] oder
  • des Interleukin-6-Rezeptors, beispielsweise mit Tocilizumab [Barlow et al, 2020, siehe Newsletter Nr. 7].

Zur > IL-6-Reptorblockade mit Tocilizumab und Sarilumab laufen derzeit klinischen Studien. Es gibt > Berichte aus Italien, wonach die Wirksamkeit von Tocilizumab hinter den Erwartungen zurückzubleiben scheint. Der > Hersteller Alexion erprobt derzeit eine Wirkstoffzubereitung des Komplement-C5-Antikörpers mit verlängerter Wirkung in einer Phase-III-Studie.

Nicht ganz überraschend wirken auch Kortikoide wie z. B. Dexamethason entzündungshemmend. Sie unterdrücken bei COVID-19 offenbar recht effektiv die Überreaktion des angeborenen Immunsystems bei schwer erkrankten Patienten [Horby et Landray, 2020]. Bei leichteren Formen sind sie unwirksam oder > erhöhen sogar die Letalität  infolge der Immunsuppression.


Literatur

Barlow A, Landolf KM, Barlow B, Yeung SYA, Haessner JJ. Review on emerging pharmacotherapy for treatment of coronavirus disease 2019. Pharmcother 2020; 40: 416-437

Connors J Levy J. COVID-19and its implication for thrombosis and anticoagulantion. Blood 2020; doi 10.1182/blood2020 06000/1725756

Fletcher-Sandersjö A, Bellander BM. Is COVID-19 associated thrombosis caused by hyperactivation of the complement cascade? A literature review. Thromb Res 2020; 194: 36-41

Grein J, Ohmagari N, Shin D, Diaz G, Asperges E et al. Compassionate use of Remdesivir for patients with severe Covid-19. NEJM 2020; 382: 2327-2336

Horby PW, Landray MJ. Dexamethasone for COVID-19 – preliminary report. MedRxiv 2020; doi 10.1101/2020.06.22.20137273

Liu C, Chen K, Cai Y, Xia J, Zhou X et al. Risk factors associated with acute Respiratory Distress Syndrome in patients with coronavirus disease 2019 pneumonia in Wuhan, China. JAMA Intern Med 2020; 0994

McKee DL, Sternberg A, Stange U, Laufer S, Naujokat C. Candidate drugs against SARS-CoV-2 and Covid-19. Pharmacol Res 2020; 157: 104859

Tu YF, Chien CS, Yamirshyn AA, Lin YL, Kuo YH et al. A review of SARS-CoV-2 and the ongoing clinical trials. Int J Mol Sci 2020; 21: 2657

Wang Y, Zhang D, Du G, Du  R, Zhao J et al. Remdesivir in adults with severe COVID-19, a randomised, double-blind, placebo-controlled, multicenter trial. Lancet 2020; 395: 1569-1578


Antworten auf weitere Fragen finden Sie in unseren vorherigen Newslettern:

  Warum sterben Männer häufiger als Frauen an COVID-19? Gibt es eine genetische Prädisposition für schwere Verläufe? Ausgabe 8/2020

  Ergänzung zur Heparintherapie bei COVID-19 Ausgabe 8/2020

  Was bringen IL-6-Messungen für die Prognoseeinschätzung und Therapie bei COVID-19? Ausgabe 7/2020

  Welche Rolle spielt das Komplementsystem in der Pathogenese schwerer Verlaufsformen von COVID-19? Ausgabe 6/2020

  Welche hämostaseologischen Tests werden bei COVID-19-Patienten empfohlen und welche therapeutischen Konsequenzen lassen sich aus den Ergebnissen ableiten? Ausgabe 5/2020

  Ergänzung zur Frage „Wie überprüft man die Arbeitsfähigkeit bei Mitarbeitern im Labor bzw. Krankenhaus mit nachgewiesener oder vermuteter CoV-2-Infektion?“ Ausgabe 5/2020

  Auswahl von Amplifikations-basierten und immunologischen Assays zur SARS-CoV-2-Diagnostik auf www.trillium.de Ausgabe 5/2020

  Wie überprüft man die Arbeitsfähigkeit bei Mitarbeitern im Labor bzw. Krankenhaus mit nachgewiesener oder vermuteter CoV-2-Infektion? Ausgabe 4/2020

  Eignen sich serologische Tests zum Nachweis einer symptomlos abgelaufenen CoV-2-Infektion? Ausgabe 4/2020

  Welche Daten gibt es zur Infektionsfähigkeit von SARS-CoV-2 auf (Labor-) Oberflächen? Ausgabe 3/2020

  Dürfen medizinische Laboratorien SARS-CoV-2-Testkits zur Diagnostik humaner Proben verwenden, die nicht CE-/IVD-zertifiziert sind? Ausgabe 3/2020

  Welche Labortests werden für die Überwachung von stationären COVID-19-Patienten empfohlen? Ausgabe 3/2020

   Welche alternativen Materialien kann man verwenden, wenn keine speziellen Abstrichbestecke verfügbar sind? Ausgabe 2/2020

  Kann man eine PCR notfalls auch ohne RNA-Extraktion durchführen? Ausgabe 2/2020

  Wie inaktiviert man das Virus vor Ansetzen des PCR-Tests zum Schutz des Personals am einfachsten? Ausgabe 2/2020