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Was bringen IL-6-Messungen für die Prognoseeinschätzung bei COVID-19?

IL-6 ist ein Indikator schwerer bis letaler Verläufe von COVID-19. IL-6-Rezeptorblocker führten zu überraschenden Erfolgen bei der Behandlung des Zytokinsturms und des schweren Lungenversagens. Klinische Studien sollen dies nun belegen.

IL-6 (Interleukin 6) gehört zur großen Familie der Zytokine. Sie werden von Zellen des innaten Immunsystems (Lymphozyten, Makrophagen, Endothelzellen u. a.) gebildet und führen bei Infektionen üblicherweise zu einer koordinierten Abwehrreaktion. IL-6 stimuliert in Hepatozyten die Produktion von Akutphasenproteinen (CRP, Serum-Amyloid, Ferritin u. a.). Gemeinsam mit anderen Zytokinen fördert es die Reifung und Differenzierung naiver T- und B-Zellen, ist also ein Bindeglied zwischen dem angeborenen und erworbenen Immunsystem (> Tanaka T et al. IL-6 in inflammation, immunity, and disease. Cold Spring Harb Perspect Biol2014; 6: a01629).

Für die Differenzialdiagnose dieser Erkrankungen ist IL-6 ungeeignet. Es wird in der Labormedizin ausschließlich als Prognoseparameter eingesetzt, etwa bei Sepsis (vor allem neonatal), Polytrauma, schwerer Herzinsuffizienz, Tumoren und anderen schweren Erkrankungen.

Zahlreiche Studien bestätigen nun auch einen Zusammenhang zwischen hohen IL-6-Spiegeln und schweren Verlaufsformen der COVID-19-Infektion. Während sich die Spiegel bei symptomarmen Patienten im Bereich der oberen Referenzintervallgrenze von wenigen pg/ml bewegen, können sie bei schweren Verlaufsformen mehr als 100-fach erhöht sein (> Fei Zhou et al. The Lancet 2020; 395: 1054-62).
 

In einer Metaanalyse zur prognostischen Bedeutung von sechs häufig gemessenen Entzündungsmarkern (IL-6, CRP, PCT, BKS/ESR, Serum-Amyloid und Ferritin) war IL-6 der einzige, der nicht nur zwischen schweren und leichten, sondern auch zwischen letalen und nicht-letalen Verläufen unterschied (> Zeng F et al. Association of inflammatory markers with the severity of COVID-19. Int J Infect Dis 2020; ahead of print).Zudem reagiert IL-6 früher als Akutphaseproteine, was sich aus dem oben beschriebenen Pathomechanismus erklärt.


Antworten auf weitere Fragen finden Sie in unseren vorherigen Newslettern:

  Welche alternativen Materialien kann man verwenden, wenn keine speziellen Abstrichbestecke verfügbar sind? Ausgabe 2/2020

  Kann man eine PCR notfalls auch ohne RNA-Extraktion durchführen? Ausgabe 2/2020

  Wie inaktiviert man das Virus vor Ansetzen des PCR-Tests zum Schutz des Personals am einfachsten? Ausgabe 2/2020

  Welche Daten gibt es zur Infektionsfähigkeit von SARS-CoV-2 auf (Labor-) Oberflächen? Ausgabe 3/2020

  Dürfen medizinische Laboratorien SARS-CoV-2-Testkits zur Diagnostik humaner Proben verwenden, die nicht CE-/IVD-zertifiziert sind? Ausgabe 3/2020

  Welche Labortests werden für die Überwachung von stationären COVID-19-Patienten empfohlen? Ausgabe 3/2020

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  Eignen sich serologische Tests zum Nachweis einer symptomlos abgelaufenen CoV-2-Infektion? Ausgabe 4/2020

  Welche hämostaseologischen Tests werden bei COVID-19-Patienten empfohlen und welche therapeutischen Konsequenzen lassen sich aus den Ergebnissen ableiten? Ausgabe 5/2020

  Ergänzung zur Frage „Wie überprüft man die Arbeitsfähigkeit bei Mitarbeitern im Labor bzw. Krankenhaus mit nachgewiesener oder vermuteter CoV-2-Infektion?“ Ausgabe 5/2020

  Auswahl von Amplifikations-basierten und immunologischen Assays zur SARS-CoV-2-Diagnostik auf www.trillium.de Ausgabe 5/2020

  Welche Rolle spielt das Komplementsystem in der Pathogenese schwerer Verlaufsformen von COVID-19? Ausgabe 6/2020