Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

in diesem Newsletter beantworten kompetente Mitglieder des Trillium-Fachbeirats aktuelle Fachfragen zur COVID-19-Diagnostik. Da diese Antworten nur für Fachkreise bestimmt sind, können wir sie nicht offen im Internet bereitstellen. Wir bitten Sie deshalb, interessierten Kolleginnen und Kollegen die ≫ Bestellung dieses Newsletters zu empfehlen.

Sollten Sie selbst Fragen haben, können Sie uns ≫ hier kontaktieren.

Ihr Redaktionsteam von Trillium Diagnostik


Welche hämostaseologischen Tests werden bei COVID-19-Patienten empfohlen und welche therapeutischen Konsequenzen lassen sich aus den Ergebnissen ableiten?

D-Dimere

In unserem ≫ Newsletter Nr. 2 vom 8. April publizierten wir eine Liste empfohlener Labortests zur Überwachung von COVID-19-Patienten und wiesen auf die besondere Bedeutung der D-Dimer-Bestimmung hin. Erhöhte Spiegel dieser Fibrinspaltprodukte weisen auf thromboembolische Komplikationen (z. B. Mikrothrombosierung in Lunge, Herz und anderen Organen, venöse Thromben, Lungenembolie) hin. Ferner sind Werte deutlich über 1 µg/l bei schweren Verlaufsformen ein Warnsignal für eine disseminierte intravasale Gerinnung (DIC).

In einer vielbeachteten Studie aus Wuhan über prognostische Marker bei COVID-19 (≫ Zhou F et al. The Lancet 2020) erwiesen sich D-Dimer-Spiegel über 1 mg/l bei Aufnahme als frühester Indikator eines letalen Verlaufs (Abb. 1).

Die ≫ aktualisierten Empfehlungen der GTH vom 21. April machen Thromboseprophylaxe und stationäre Aufnahme von diesem Parameter abhängig:

Bei Patienten mit gesicherter SARS-CoV-2 Infektion und akuten Krankheitssymptomen ist eine Bestimmung der D-Dimere sinnvoll. Bei signifikant erhöhten D-Dimeren (≥ 1,52,0 mg/l) ist eine medikamentöse Thromboseprophylaxe indiziert. Zudem sollte dann unabhängig von der Krankheitssymptomatik eine stationäre Aufnahme zur Überwachung erwogen werden.

Insbesondere bei alten und immobilisierten Patienten ist mit erhöhter Thromboseneigung zu rechnen.

Therapieempfehlungen

Für die Thromboseprophylaxe wird niedermolekulares Heparin (NMH) empfohlen. In einer Outcome-Studie zeigten Tang N et al 2020 (doi: 10.1111/JTH.14817), dass NMH die Mortalität von COVID-19 von über 50% auf 33% senkte, allerdings nur dann, wenn der D-Dimerspiegel über 3 mg/l oder der SIC-Score (Sepsis-Induced Coagulopathy: PT, PLT, SOFA) über 4 lag.

Bei einer ECMO-Behandlung sollte laut GTH unter Verwendung von unfraktioniertem Heparin (UFH) eine 1,5- bis 1,8-fache APTT-Verlängerung angestrebt werden. Als seltene-, aber schwerwiegende Komplikation einer Heparintherapie (insbesondere bei Verwendung von UFH) ist die Entwicklung einer ≫ Heparin-induzierten Thrombozytopenie (HIT) zu bedenken.

Weitere Tests

Zur regelmäßigen Verlaufskontrolle empfiehlt die GTH bei hospitalisierten Patienten zudem

  • Prothrombinzeit (PT/Quick/INR),
  • Thrombozytenzahl (Blutbild)
  • Fibrinogen
  • Antithrombin (ATIII).

Mit diesen Biomarkern lässt sich die Indikation zur Antikoagulation feinsteuern (cave: Fibrinogen <1,5 g/l, Thrombozyten <50.000/µl, ATIII <40%) und gegebenenfalls eine drohende DIC oder eine möglicherwiese ineffektive Antikoagulation bei zu tiefem ATIII- Spiegel durch Anpassung der Therapie eindämmen.

Niedrige Thrombozytenzahlen sind nicht nur Folge von Thrombosierung und DIC, sondern könnten auch durch einen direkten Angriff des Virus auf Blutplättchen oder Endothelien bedingt sein (Amgalan und Othman 2020). Eine engmaschige Kontrolle ist zu empfehlen, da fallende Konzentrationen einen schweren Verlauf vorhersagen und unter Heparintherapie auf eine drohende HIT hinweisen können.


Ergänzung zur Frage „Wie überprüft man die Arbeitsfähigkeit bei Mitarbeitern im Labor bzw. Krankenhaus mit nachgewiesener oder vermuteter CoV-2-Infektion?“

Newsletter Trillium Diagnostik 4/2020

Ergänzend  zu unserer Aussage, dass „…die PCR-Testung einen Monat und länger positiv bleiben kann, was jedoch nichts über die Infektiosität der persistierenden RNA aussagen muss...“ möchten wir auf den ≫ Podcast von Prof. Christian Drosten vom 20.04.2020 hinweisen. In diesem findet sich die Aussage, dass ein Patient mit unkompliziertem Verlauf sieben Tage nach Beginn der Symptomatik bzw. dem ersten Virusnachweis nicht mehr infektiös ist, unabhängig davon, wieviel RNA man mit einer sensitiven PCR noch findet.

Auf Nachfrage von Hörern des Podcasts ergänzte Prof. Drosten am 22. April, dass sich das Virus bei Patienten mit Lungenversagen selbstverständlich auch über diesen Zeitraum hinaus in der Lunge repliziert, sodass das Personal auf Intensivstationen auch weiterhin infektionsgefährdet ist.


Verzeichnis der SARS-CoV-2-Nachweissysteme auf www.trillium.de

Auf unserer Website ≫ Nachweissysteme SARS-CoV-2 finden Sie eine Auswahl von Amplifikations-basierten und immunologischen Assays, die in Deutschland erhältlich sind (CE-IVD/RUO):

Assays für den RNA-Nachweis
Assays für den Antigen-Nachweis
Assays für den Antikörper-Nachweis

Diese Seite erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da Namen und Produkte nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Hersteller genannt werden. Alle der Trillium GmbH bekannten Hersteller mit in Deutschland bzw. Europa zugelassenen Assays (CE-IVD/RUO) wurden von Mitarbeitern der Trillium GmbH kontaktiert; es gibt allerdings manchmal Gründe, warum ein Hersteller die Veröffentlichung (noch) nicht wünscht (beispielsweise um vorhersehbare Lieferengpässe zu vermeiden).

Der Service der Nennung in der Liste ist für die teilnehmenden Firmen kostenlos, die Bereitstellung eines Direktlinks zu herstellerspezifischen Informationen ist dagegen kostenpflichtig. Die Test- und Systemübersicht und weitere Detailinformationen werden auch in der Sommerausgabe der Zeitschrift Trillium-Diagnostik gedruckt.

Die Liste wird regelmäßig aktualisiert und erweitert.

Eine Übersicht über weltweit verfügbare Testsysteme, die von uns nicht geprüft wurde, finden Sie ≫ hier.