Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

beinahe täglich erreichen uns Fachfragen zur COVID-19-Diagnostik, die kompetente Mitglieder des Trillium-Fachbeirats gemeinsam mit uns recherchieren. Die Antworten finden Sie in diesem Newsletter, der bis auf weiteres einmal wöchentlich erscheint. Bitte leiten Sie ihn auch an interessierte Kolleginnen und Kollegen weiter.

Sollten Sie selbst Fragen haben, können Sie uns hier kontaktieren.

Ihr Redaktionsteam von Trillium Diagnostik


Welche Daten gibt es zur Infektionsfähigkeit von SARS-CoV-2 auf (Labor-) Oberflächen?

US-Forscher haben Daten zur > Infektionsfähigkeit von SARS-CoV-2 publiziert: 

  • bis zu 3 Std. in Aerosolen (Raumluft)
  • bis zu 24 Std. auf Karton
  • bis zu 3 Tage auf Kunststoff- und Stahloberflächen

Man geht allerdings davon aus, dass diese unter experimentellen Bedingungen erhaltenen Daten für die Virusübertragung von untergeordneter praktischer Bedeutung sind: > Interview Prof. C. Drosten

Die Verlautbarung des NIH enthält auch interessante Informationen über Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen SARS-CoV-1 (Ausbruch 2002/2003) und SARS-CoV-2 (aktueller Ausbruch), u. a. auch zu der Frage, warum sich CoV-2 so viel stärker ausbreitet, als dies bei der ersten, auf Asien beschränkten Epidemie der Fall war.

> Quelle: N van Doremalen et al. Aerosol and surface stability of HCoV-19 (SARS-CoV-2) compared to SARS-CoV-1. The New England Journal of Medicine. DOI: 10.1056/NEJMc2004973 (2020)


Dürfen medizinische Laboratorien SARS-CoV-2-Testkits zur Diagnostik humaner Proben verwenden, die nicht CE-/IVD-zertifiziert sind?

Die Fachlabore, Fachgesellschaften und Fachverlage werden derzeit mit Angeboten von „Coronatests“ aller Art überschwemmt. In der Regel ist nicht oder nur mit großem Recherche-Aufwand herauszufinden, wie es um deren medizinische Validität bestellt ist. Deshalb seien hier einige grundsätzliche Erkenntnisse und Empfehlungen zusammengefasst.

  • Fachlabore dürfen grundsätzlich auch nicht zertifizierte Tests für die Diagnostik an humanen Proben einsetzen. Wenn allerdings ein CE-markierter Test am Markt verfügbar ist, der umfangreiche Leistungsdaten vorweisen kann, ist der Stand der Technik mit einem nicht zertifizierten oder eigenentwickelten Test (LDT) nur mit sehr hohem Aufwand darstellbar.
  • Ist ein CE-markierter Test nicht verfügbar, müssen die grundlegenden Anforderungen an die Eigenvalidierung laut Medizinproduktegesetz (MPG §§ 7 bzw. 12) erfüllt werden. Dies ist nicht trivial. In Deutschland sollte man beispielsweise einen Virusnachweis gegen die von der Charité, des PEI oder eines vom RKI empfohlenen Labors validieren.
  • Ohne Nachweis einer ausreichenden Validierung können auf das Labor bei falschen Befunden im schlimmsten Fall Regressansprüche zukommen. 30 sicher positive und 30 sicher negative Proben können als eine Art Mindeststandard für die Validierung angesehen werden.

  • Eine CE-Markierung allein sagt nichts über die wissenschaftliche Validierung aus, da es sich dabei um eine Selbstzertifizierung der Hersteller handelt. Entscheidend ist gegen welche Richtlinie die Konformitätserklärung ausgestellt wurde und welche Leistungsdaten (Sensitivität, Spezifität, Fallzahlen etc.)  der Hersteller vorweisen kann.
  • Auch eine FDA-Zulassung besagt nicht unbedingt, dass der Test so sorgfältig wie in „normalen Zeiten“ validiert wurde. Geschwindigkeit hat bei einer sich rasch ausbreitenden Pandemie verständlicherweise hohe Priorität. Eine Stellungnahme der FDA findet sich in diesem > Guidance Document.

Für Informationen zum Thema "Coronavirus und IVDR" verweisen wir auf einen kürzlich erschienenen > Fachartikel von Dr. Sebastian Grömminger, Johner-Institut Konstanz.


Welche Labortests werden für die Überwachung von stationären COVID-19-Patienten empfohlen?

Grundsätzlich zu unterscheiden ist zwischen

  • direkten Virusnachweisen
  • serologischen Tests auf Antikörper gegen das Virus
  • weiteren Labortests, um die Schwere von COVID-19 abzuschätzen.

Zu Punkt 1 hat das RKI > Hinweise zur Testung von COVID-19-Patienten veröffentlicht. Diese beziehen sich fast ausschließlich auf den Virusnachweis mittels RT-PCR. Zu anderen Nachweisverfahren (z. B. isothermale Amplifikation, Antigen-basierten Erregernachweise) ist die Datenlage noch zu dünn für offizielle Empfehlungen. Wir werden versuchen, darauf im nächsten Newsletter Antworten zu geben.

Serologie

Serologische Tests zum Nachweis von Antikörpern befinden sich derzeit in vielen deutschen Laboren in der Evaluation. Mit ersten Publikationen ist in den nächsten zwei bis vier Wochen zu rechnen. Bis dahin muss jedes Labor, das diese Tests anbieten möchte, eigene Evaluierungen durchführen und die Bewertung in eigener Verantwortung übernehmen.

Die Serumproben sollten möglichst früh in der Akutphase gesammelt und asserviert werden, um eine Serokonversion für SARS-CoV-2 nach etwa zwei Wochen durch Paarung mit Konvaleszentenserum überprüfen zu können. Kreuzreaktivitäten von CoV-2 mit anderen Betacoronaviren sind beschrieben; diese können zu falsch positiven Ergebnissen führen und den Patienten in falscher Sicherheit wiegen. Abzulehnen sind alle Tests (insbesondere Schnelltests), die nicht zwischen IgA/M (frische, noch aktive Infektion) und IgG (überstandene Infektion mit hohem Reinfektionsschutz) unterscheiden.

Labormedizinische Überwachung

Die labormedizinische Verlaufskontrolle zur Bewertung der Krankheitsschwere orientiert sich an den allgemeinen Regeln zur Überwachung von (Infektions-) Krankheiten mit der Gefahr eines septischen Verlaufs. Ein Überblick über die zu erwartenden Komplikationen bei letalem Ausgang (Daten aus Wuhan, China) wurde in Lancet publiziert (> Fei Zhou et al. The Lancet 2020; 395: 1054-62).

Eine umfangreiche Übersicht über allgemeine Labortests zur Überwachung von COVID-19-Patienten ist in > Clin Chem Lab Med erschienen (Lippi G und Plebani M, DOI: 10.1515/cclm-2020-0198). Sie basiert auf Erfahrungen aus China und wurde von Prof. Nicolas von Ahsen, Bremen, evaluiert (> zur DGKL-Website).

Insbesondere folgende Tests werden empfohlen:

  • maschinelles Diff-Blutbild (Leuko↑, Lympho↓)
  • CRP↑ und evtl. IL-6↑ als Warnsignal einer Virussepsis
  • PCT↑ zur Erkennung einer bakteriellen Superinfektion
  • D-Dimer↑ als Warnsignal einer DIC und möglichen thromboembolischen Komplikationen

Bei schweren Verläufen

  • Transaminasen↑, Bilirubin↑, Albumin↓, INR↓ als Zeichen einer Leberschädigung
  • Kreatinin↑, Harnstoff↑ als Zeichen einer Nierenschädigung
  • CK/CKMB↑, Troponine↑ als Zeichen einer kardialen Schädigung
  • LDH↑, Ferritin↑ als allgemeines Zeichen einer Multiorganschädigung

Unseren letzten Newsletter mit folgenden Fragen finden Sie > hier:

  Welche alternativen Materialien kann man verwenden, wenn keine speziellen Abstrichbestecke verfügbar sind?

  Kann man eine PCR notfalls auch ohne RNA-Extraktion durchführen?

  Wie inaktiviert man das Virus vor Ansetzen des PCR-Tests zum Schutz des Personals am einfachsten?