Breitgefächertes Angebot für die Krebsvorsorge

Produktübersicht

Zervixabstrich PAP IIID1, Dyskaryosen der oberen Plattenepithel-Schicht, V. a. leichte Dysplasie (CIN 1); x400. Bild: Dr. med. Z. Jukic & Prof. Dr. med. C. Poremba, Pathologie München-Nord.

Sieben Hersteller präsentieren hier Reagenzkits und Analysengeräte für den HPV-Nachweis. Neben den HPV-Genotypen wird auch gezielt DNA oder mRNA der Onkogene E6/E7 detektiert.

Die Mortalität des Zervixkarzinoms nahm in Deutschland seit Einführung von Vorsorgeuntersuchungen um rund 70% ab. Noch immer gilt der Pap-Test, bei dem ein Zellabstrich des Muttermunds nach Papanicolau gefärbt wird, als Goldstandard. Sein größter Nachteil ist allerdings die hohe Zahl nicht sicher beurteilbarer Dysplasien (Gruppe Pap III).
In diesen Fällen ist ein Nachweis des humanen Papillomvirus (HPV) angezeigt.Dabei handelt es sich um ein doppelsträngiges DNA-Virus, das Epithelzellen der Haut oder Schleimhäute infizieren und zu unkontrolliertem Wachstum anregen kann. Verantwortlich dafür sind die viralen Onkogentranskripte E6 und E7, die sowohl Reparaturmechanismen der DNA als auch die Apoptose infizierter Zellen verhindern. Als Folge können gutartige Warzen, aber auch bösartige Tumoren entstehen.
Beim Zervixkarzinom findet man in 99,8% der Fälle sog. High-Risk (HR) HPV-Typen, insbesondere Typ 16 und 18. Die Low-Risk (LR) HPV-Typen, die das Zellwachstum ebenfalls anregen, führen dagegen nicht zur malignen Entartung.
Deshalb gibt es schon seit Jahren Bestrebungen, die Zytologie durch molekularbiologische Virusnachweise (Genotypisierung, E6/E7-DNA oder -mRNA) zu ergänzen. Ab 2016 soll eine sechsjährige Erprobungsphase klären, ob derartige Assays den Pap-Test ersetzen könnten (mehr).

Hybridisierungsassays
Wie die Produktübersicht auf den nächs­ten Seiten zeigt, ist die Diagnostika-Industrie darauf vorbereitet. Sieben Unternehmen stellen Assays mit dazu passenden Ablesegeräten und Analysensystemen vor.
Mit dem Hybrid Capture-Test erlangte bereits 2003 der erste molekularbiologische Nachweis von HR-HPV-Typen die FDA-Zulassung. Dieser Klassiker ging 2007 durch den Kauf des Herstellers Digene an Qiagen über; zur Erreichung höchster Sensitivität und Spezifität wird der Test in Kombination mit einem Pap-Ausstrich empfohlen (S. 215).
Die Bindung an DNA-Sonden spielte in der Folge auch bei vielen anderen Assays eine entscheidende Rolle. AID hybridisiert amplifizierte DNA-Sequenzen auf einem Microarray; dabei können 96 Proben pa­rallel auf 29 HPV-Typen untersucht werden (S. 216). Ein spezielles Assay-Format bietet Euroimmun mit seiner EUROArray-Technologie; im Vordergrund steht hier die einfache Durchführbarkeit der HPV-Subtypisierung (S. 217).

In-vitro-Amplifikationstests

Für den höheren Durchsatz eignen sich automatisierte PCR-Assays. Der Kartuschentest von Cepheid ermöglicht eine Geno­typisierung von HR-HPV innerhalb einer Stunde, sodass das Ergebnis noch am gleichen Tag zur Verfügung steht (S. 218). Auf dem m2000-System von Abbott können 14 HR-HPV-Typen bestimmt und Typ 16/18 einzeln nachgewiesen werden (S. 217). BD stellt neben der Genotypisierung aller HR-HPV-Typen den Nachweis der Onkogene E6/E7 auf dem Viper LT heraus (S. 216). Hologic erfasst auf dem Panther-System außer den Genotypen auch die mRNA-Expression von E6/E7 als Marker für die onkogene Aktivität qualitativ mit dem isothermen Aptima-Test (S. 219).

Dünnschicht-Zytologie
Die beiden zuletzt genannten Unternehmen bieten zudem ein Komplettpaket an, das optional auch eine Probennahme für die Dünnschichtzytologie beinhaltet. Das Labor profitiert dabei vor allem von einer gemeinsamen Probe für Zytologie und HPV-Test. Als weitere Vorteile werden bessere Standardisierung und höhere Empfindlichkeit genannt. In Großbritannien und Teilen der USA ist dieses Verfahren Standard, in Deutschland vergüten die gesetzlichen Krankenkassen dagegen nur den konventionellen Pap-Ausstrich.    

Dr. Gabriele Egert
Mitglied der Redaktion

HPV-Struktur und Testprinzipien

Alle hier vorgestellten molekularbiologischen Tests basieren auf dem Nachweis der HPV-DNA bzw. der mRNA der Gene E6 und E7.

Humane Papillomviren (HPV) sind relativ kleine Partikel, deren Proteinhülle (Kapsid) aus 72 Kapsomeren besteht. Ihr Hauptbestandteil ist das pentamere Protein L1 (unteres Bild: Pfeil). Es besitzt nur eine schwach ausgeprägte Immunogenität, sodass HPV-Infektionen über lange Zeit symptom­arm persistieren können.
Der rote Hintergrund im unteren Bild symbolisiert den DNA-Doppelstrang des Virus­genoms. Er umfasst etwa 8.000 Basenpaare, deren Sequenz die Einteilung in mehr als 100 bislang bekannte Virustypen bestimmt. Zwei der in High-Risk-HPV enthaltenen Virus­gene (E6 und E7) werden von der befallenen Wirtszelle in mRNA übersetzt. Diese führt zur Bildung von zwei Proteinen, die an Tumorsuppressorproteine der Wirtszelle binden (p53, RB) und diese inaktivieren. Dadurch verliert die Zelle ihre natürliche Wachstumskontrolle.

 

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