Die Mikrobiom-Hypothese

Wie entsteht Darmkresbs ?

Viren und Bakterien können verschiedene Krebsarten auslösen. Auch beim Darmkrebs gibt es neuerdings Hinweise auf einen infektiösen Hintergrund bei „westlicher“ Ernährung.

Prof. zur Hausen vom  Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ ) erhielt 2008 den Medizinnobelpreis für seine Entdeckung, dass humane Papillomaviren (HPV) Gebärmutterhalskrebs auslösen. Mit der Ehrung verband sich die Hoffnung, dass die HPV-Bekämpfung dieses Karzinom eines Tages ausrotten würde.
Eigentlich hätte der Erfinder des Kühlschranks ebenfalls den Nobelpreis erhalten müssen, denn seit unsere Nahrungsmittel kaum noch bakteriell kontaminiert sind, ist die Sterblichkeit an Magenkrebs dramatisch gesunken. Insbesondere der Rückgang chronischer Magenschleimhautentzündungen durch Helicobacter pylori hat zu dieser Entwicklung beigetragen.
Beim Darmkrebs ist ein Zusammenhang mit bestimmten Nahrungsmitteln zwar statistisch gesichert, aber die Situation scheint sehr viel komplexer als beim Magenkrebs zu sein. Fett- und fleischreiche sowie ballaststoffarme Ernährung sind insbesondere dann ein Risikofaktor, wenn die Darmpassage durch sitzende Tätigkeit verlangsamt ist. Man diskutiert einen verlängerten Kontakt von „Giftstoffen“ mit der Darmschleimhaut, der zur chronischen Entzündung und schließlich zur malignen Entartung führt. Das klingt plausibel, aber eben leider auch recht unspezifisch.
Seit 15 Jahren steht eine Hypothese im Raum, die den Zusammenhang zwischen Ernährung und Darmkrebshäufigkeit erklären könnte. Und wieder geht es möglicherweise um einen Erreger mit kanzerogenen Eigenschaften. Der Vater der Idee ist Prof. Stephen O‘Keefe von der University of Pittsburgh. Er arbeitete in den 1990er-Jahren in Kapstadt als Arzt. Dabei fiel ihm auf, dass schwarze Südafrikaner im Gegensatz zu weißen extrem selten Darmkrebs bekommen. Systematische Untersuchungen im Stuhl und der Atemluft ließen auf Unterschiede in der Darmflora beider Populationen schließen, die wiederum von der Fermentation der Nahrung abhingen.
Bei einem Darmkrebs-Workshop am DKFZ stellte O‘Keefe im Juni 2014 neueste Daten vor, die geeignet sind, aus der Hypothese ein handfestes diagnostisches und therapeutisches Konzept zu machen.

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Die Darmkrebsmortalität nahm nach dem zweiten Weltkrieg mit steigendem Wohlstand stark zu und sank in den letzten 20 Jahren dank verbesserter Therapien und Vorsorgemaßnahmen. Ein völlig anderes Bild zeigt das Magenkarzinom, das 1950 zu den tödlichsten Krebsarten in Deutschland zählte und heute nur noch eine geringe Rolle spielt. Der extreme Rückgang der Mortalität wird auf die flächendeckende Einführung von Kühlschränken zurückgeführt.