Mehr diagnostisches Engagement bei Leitlinien

Gastkommentar

Die von der WHO mit Sorge registrierte „Adipositas-Epidemie“ besitzt nicht nur hohe gesundheitspolitische und volkswirtschaftliche Brisanz; sie ist vor allem für den einzelnen Patienten eine Herausforderung. Umso wichtiger erscheint der nebenstehende Hinweis, dass der als diagnostisches Kriterium empfohlene Body Mass Index (BMI) für die Bewertung des Einzelfalls zu unspezifisch ist. So kann die Fettmasse bei dem in deutschen, österreichischen und schweizerischen Adipositas- und Ernährungsleitlinien empfohlenen „Normalgewicht“ von 18,5 bis 25 kg/m2 durchaus zwischen 10 und 25 kg, also von sehr schlank bis deutlich adipös variieren.
Auch wenn sich die an den Leitlinien beteiligten Fachgesellschaften auf Prävention und Therapie fokussieren, muss auf eine differenzierte Erfassung von morphologischen und biochemischen Biomarkern der Adipositas und ihren Folgeerkrankungen größter Wert gelegt werden. Denn ohne diagnostische Evidenz ist auch die klinische Effizienz aller ärztlichen Maßnahmen gefährdet.
Deshalb hat die DGKL eine Initiative gestartet, um sich bei labormedizinisch relevanten Leitlinien künftig stärker zu engagieren und auch die Expertise anderer diagnostisch spezialisierter Fachgesellschaften einbeziehen. Damit sollen Kliniker ein solides diagnostisches Fundament erhalten – nicht nur (aber auch) für die Adipositas.

 

 


Prof. Dr. Walter Hofmann
DGKL, AG Leitlinien & diagnostische Pfade