Know your enemies, at least

Gastkommentar

Das Bild vom keimfreien Krankenhaus, das Bundesgesundheitsminister Gröhe 2015 in seinem „10-Punkte-Plan zur Bekämpfung resistenter Erreger“ zeichnete, ist ebenso falsch wie es gefährlich ist. Die vollmundige Ankündigung eines prästationären Screenings als Strategie gegen nosokomiale Infektionen durch multiresistente Krankenhauskeime wie MRSA, VRE und MRGN lässt sich im Lichte der wissenschaftlichen Evidenz nicht halten. Es gibt weder einen Beweis dafür, dass durch generelle Screeningmaß­nahmen die Übertragung von MRE im Krankenhaus verhindert werden kann, noch ist der Nutzen von Screeningmaßnahmen zur Verhinderung von nosokomialen Infektionen belegbar.
In Anbetracht der teilweise zunehmenden Prävalenz von MRE in der Allgemeinbevölkerung kann die klare Botschaft nur sein: Jeder Patient – unabhängig von Screeningergebnissen – muss als potenzieller MRE-Träger angesehen werden. Und deshalb muss die hygienische Händedesinfektion rund um die Uhr skrupulös eingehalten werden.
Zumindest (at least) kann es sinnvoll sein, sich durch gezielte Screeningmaßnahmen in Hochrisikoeinheiten (Intensiv, KMT, Dialyse) einen Überblick über die eigene MRE-Prävalenz zu verschaffen, um eine individualisierte MRE-Strategie für sein Krankenhaus zu implementieren (know your enemies).

 

 


Priv.-Doz. Dr. med. Wulf Schneider
Universitätsklinikum Regensburg
Institut für Medizinische Mikrobiologie

 

 


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