Staffelstabübergabe und Weichenstellung für die Zukunft

Dr. Gerald Wiegand hat als Gründungs-Geschäftsführer die ersten Schritte der Akkreditierten Labore in der Medizin intensiv begleitet und sehr erfolgreich die Weichen des Verbandes gestellt. Ab 01.03.2017 übernimmt die Betriebswirtin und Journalistin Cornelia Wanke die Geschäftsführung des Vereins. 

„Dr. Wiegand war in der intensiven Zeit des Aufbaus eine wichtige und kreative Säule unserer Verbandsarbeit“, so Dr. Michael Müller, Vorstandsvorsitzender des ALM e. V. „Mit ihm haben wir wichtige Meilensteine erreichen und den ALM als kompetenten Gesprächspartner etablieren können. Mit Cornelia Wanke konnten wir eine gesundheitspolitisch erfahrene Nachfolgerin gewinnen, mit der wir bereits im Rahmen einiger Projekte erfolgreich zusammengearbeitet haben.“ 

Cornelia Wanke hat das Gesundheitswesen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln kennengelernt, ist gut vernetzt und setzt mit dem ALM auf die Themen der Zukunft: „Mich reizt an der neuen Aufgabe, dass die Labordiagnostik über eine immense Innovationskraft verfügt und dass die Labore mit ihrer fachärztlichen Kompetenz der Nukleus für Verbesserungen in der Versorgung sein können.“ Dies gelte es, in Zukunft noch besser sichtbar zu machen.

Einige der großen Themen, die der ALM e. V. mit der neuen Geschäftsführung weiter bewegen wird, sind E-Health und Digitalisierung im Gesundheitswesen. Um diese Diskussion aktiv mitzugestalten, hat der Berufsverband vor einigen Wochen seine E-Health Agenda Labor vorgestellt.

Kontakt: Cornelia Wanke

c.wanke@alm-ev.de

Gründungstreffen der German Society for Extracellular Vesicles

Am 2. März 2017 hat sich die German Society for Extracellular Vesicles (GSEV) in Düsseldorf gegründet. Ziel des Netzwerks ist die Erforschung von extrazellulären Vesikeln in allen Bereichen wissenschaftlicher Grundlagen- und Anwendungsforschung.

Botschafter der interzellulären Kommunikation

Extrazelluläre Vesikel (EV) sind winzige, nanometergroße Bläschen, die Zellen aller Organismen einschließlich menschlicher Körperzellen von ihrer Oberfläche freisetzen und aussenden. Sie besitzen eine Doppelmembran aus Lipiden und Proteinen und enthalten Nukleinsäuren wie zum Beispiel mRNA und miRNA. So können „genetische Botschaften“ zwischen den Zellen übertragen werden, die für die Regulation physiologischer Prozesse und die Pathogenese zahlreicher Krankheiten verantwortlich sind. Daneben spielen EV auch eine wesentliche Rolle bei der Krebsdiagnostik und beim Therapiemonitoring.

In Düsseldorf trafen sich im Rahmen der IGLD-Jahrestagung über 150 Forscher aus dem deutschsprachigen Raum, um das nationale EV-Netzwerk GSEV ins Leben zu rufen. Den Vorsitz übernahm PD Dr. Bernd Giebel von der Universität Essen. Nach seiner Auffassung expandiert das Feld der EV weltweit und auch in Deutschland unaufhaltsam, sodass eine derartige Organisation, wie sie beispielsweise in Österreich und auch auf internationaler Ebene bereits besteht, zum wissenschaftlichen Austausch einen wesentlichen Beitrag leisten wird. „Immer mehr Naturwissenschaftler und Ärzte untersuchen Vesikel hinsichtlich ihrer biologischen Rolle und versuchen, diese Erkenntnisse für die Diagnostik und neue Therapieansätze – beispielsweise zur Immunmodulation oder in der regenerativen Medizin – zu nutzen“, so Giebel bei der Gründungsversammlung.

Das Ziel der GSEV ist es, EV-Forscher aus Deutschland zusammenzubringen, Ideen für zukünftige Kooperationen zu entwickeln und den akademischen Nachwuchs zu fördern. Die GSEV soll die wissenschaftlichen Kräfte in Deutschland bündeln und neue Synergien erzeugen, um das EV-Feld voranzubringen. Neben Giebel wird der Vorstand der GSEV durch PD Dr. Eva-Maria Krämer-Albers (Mainz, zweite Vorsitzende), PD Dr. Irina Nazarenko (Freiburg, Geschäftsführerin), Dr. Stefan Momma (Frankfurt, Schatzmeister), Prof. Dr. Elke Pogge von Strandmann (Marburg, Schriftführerin) und Dr. Gregor Fuhrmann (Saar­brücken, Pressesprecher) vervollständigt. Mitglied kann jeder werden, der im Bereich der EV tätig ist und an diesem wissenschaftlichen Feld interessiert ist. Weitere Informationen gibt es unter: 

Gregor Fuhrmann

info@extracellular-vesicles.de

BDL zum Infektionsschutz: Das Geld muss den Leistungen folgen!

Die Absicht der Bundesregierung, die epidemiologische Überwachung übertragbarer Krankheiten und damit den Infek­tionsschutz der Bevölkerung zu verbessern, findet beim Berufsverband Deutscher Laborärzte e. V. (BDL) volle Zustimmung. Dies betonte BDL-Vorstandsmitglied PD Dr. Matthias Orth im Februar 2017 bei der Anhörung des entsprechenden Gesetzentwurfs im Deutschen Bundestag.

Leistung muss vergütet werden

Deutlichen Nachbesserungsbedarf sieht Orth jedoch bei den Kosten für die Umsetzung: „Zusätzliche Datenlieferungen der medizinischen Laboratorien an die Gesundheitsbehörden gibt es nicht auf Knopfdruck. Die notwendigen Anpassungen unserer Labor-Software verschlingen schnell fünfstellige Beträge für einen einzelnen Standort. Hier gilt wie in allen anderen Bereichen auch: Das Geld muss den Leistungen folgen!“

Jede Meldung von Infektionen müsse angemessen vergütet werden. Für die Datenübertragung solle mit Blick auf die Kosten das bereits vorhandene sichere Netz der Kassenärzt­lichen Vereinigungen (KV-SafeNet) gewählt werden.

Der BDL hält an seiner Stellungnahme fest, die er bereits im Oktober 2016 zu dem ursprünglichen Referentenentwurf aus dem Bundesgesundheitsministerium abgegeben hatte.

Thomas Postina

presse@bdlev.de

Das DIW-MTA wird fünfzig

Am 8. März 2017, dem Weltfrauentag, feierte das DIW-MTA (Deutsches Institut zur Weiterbildung für Technolog(inn)en und Analytiker/-innen in der Medizin e. V.) sein 50-jähriges Bestehen. Ein guter Grund, sich die initialen Gründungsgedanken in Erinnerung zu rufen.

Inspiriert durch die Kolleg(inn)en des 7. Weltkongresses (IAMLT) hatten die Gründerinnen sich dazu angeregt gefühlt, ein Weiterbildungsinstitut ins Leben zu rufen, das sich an den Erfordernissen einer kontinuierlich qualitätsgesicherten Arbeit medizinisch-technischer Berufe orientiert. Das Institut sollte etwaige Wissensdefizite – insbesondere lehrender und leitender MTA – beheben und die Weiterbildung an das internationale Niveau angleichen. 

Einladung nach Berlin

Am 8. März 1967 wurde das DIW-MTA ins Vereinsregister des Landes Berlin eingetragen und am 17. April 1967 nahm es mit einem ersten Lehrgang für leitende MTA seine Arbeit auf – eine erfolgreiche und zukunftsweisende Arbeit, an der zahlreiche Engagierte mit Kompetenz und Leidenschaft ehrenamtlich mitgewirkt haben. Ihnen allen gebührt unser Dank.

Wir laden Sie deshalb ein, ein ganzes Jahr mit uns Geburtstag zu feiern. Mit Historischem, Geburtstagsangeboten und einem abschließenden Geburtstagsfest im Frühjahr 2018 in Berlin.

www.diw-mta.de

Neue Broschüre Die Zukunft ist morphomolekular – Zeitreisen durch eine Präsidentschaft

Welche Positionen der Pathologie wurden im Lauf der Zeit verschoben, welche blieben konstant, und was macht ihren Charakter in der Zukunft aus? Diesen Fragen ging ein Symposium des Bundesverbandes im Oktober 2016 zum Ende der 19-jährigen Präsidentschaft von Prof. Dr. med. Werner Schlake nach. Es sollte die historischen Hauptthemen des Fachs identifizieren und die daraus abzuleitenden Zukunftsaufgaben benennen.

„Die Zukunft ist morpho­molekular“ – das ist die Auffassung des Verbandes. Er positioniert sich damit auch gegen die vereinfachende Vermutung, dass in genetischen Untersuchungen allein die „Wahrheit“ für den Patienten liege. Es bedarf in Zukunft einer Diagnostik, die die Informationen aus der geweblichen und molekulardiagnostischen Analyse verbindet, um den behandelnden ÄrztInnen differenzierte Empfehlungen für eine maßgeschneiderte Therapie an die Hand geben zu können.

Die dorthin führende Entwicklung wurde auf einem Symposium zum Abschied des langjährigen Präsidenten Prof. Dr. Werner Schlake kondensiert und in einer Broschüre dokumentiert. Darin finden sich kurze Zeitreisen durch die thematische und organisatorische Entwicklung eines Fachgebietes, das ganz alt und ganz aktuell in einem ist. Öffentlich kaum wahrgenommen, hat die Pathologie einen Umbau mit beachtlichem Resultat vorgenommen: Sie ist fachlich und strukturell ganzheitlich geblieben, hat sich dabei aber vollständig modernisiert. Das Fach steht heute mitten im Leben der PatientInnen – und arbeitet zwar immer noch retrospektiv, aber vor allem kurativ, präventiv, prädiktiv und prognostisch. 

Ein guter Teil des Wandels ist in den letzten 20 Jahren erfolgt. Damit fällt die Amtszeit von Herrn Prof. Dr. Werner Schlake als Präsident des Bundesverbandes Deutscher Pathologen mit diesem für das Fach so wichtigen Zeitabschnitt zusammen. Die Zukunft, so zeigt diese Broschüre, erfordert den Brückenschlag zur Vergangenheit:

Tradition und Aktualität

morphologisch und molekular

Wozu können Sie die Broschüre verwenden? 

Diese Jubiläumsschrift gibt einen informativen Überblick für Studierende und Weiterzubildende. Sie ist auch ein für das Fachgebiet werbendes Dokument, das Sie bei Tagen der Offenen Tür oder für Kontakte mit Politikern und allen anderen mit den angeschnittenen Themen befassten Personen, wie auch bei KollegInnen in Qualitätszirkeln verwenden können.

Die Broschüre kann in der Geschäftsstelle des Bundesverbandes Deutscher Pathologen unter bv@pathologie.de bestellt werden und wird kostenfrei ausgeliefert. 

Download unter:

www.pathologie.de.

Serologische Allergiediagnostik: Star-Experten-Trio zu Gast in Berlin

Am 11. Mai 2017 bietet der Treffpunkt In-vitro-Diagnostik die einzigartige Gelegenheit, drei international renommierte Experten der serologischen Allergiediagnostik bei einem gemeinsamen Vortragsabend im Magnus-Haus zu erleben – in der Zeit von 18.00 bis 20.15 Uhr mit anschließendem Get-together.

Prof. Harald Renz vom Universitätsklinikum Gießen/Marburg wird mit dem Keynote-Vortrag ‚Personalisierte Therapie in der Allergologie – Neuer Stellenwert der Diagnostik‘ in den Abend einführen. Zudem freuen wir uns auf einen Redebeitrag von Prof. Jörg Kleine-Tebbe vom Allergie- und Asthma-Zentrum Westend in Berlin zu dem sehr relevanten Thema „Allergiediagnostik auf dem Prüfstand: Qualität, Standards und Ringversuche“. Die Vortragsrunde komplettiert Prof. Edzard Spillner von der Universität Aarhus, Dänemark, dessen Expertenbeitrag auf das Thema ‚Molekulare Aspekte und neue Strategien der antikörperbasierten Allergie-Diagnostik‘ fokussiert. Nutzen Sie die Chance und seien Sie dabei. Hier gelangen Sie zur Anmeldung: www.eveeno.com/Treffpunkt-Allergien

Anmeldeschluss ist Donnerstag, 27. April 2017.

Tel. 03302 55199-15

Geschäftsführerwechsel im Forum MedTech Pharma e. V.

Dr. Matthias Schier ist neuer Geschäftsführer des Forum MedTech Pharma. Der langjährige Mitarbeiter übernahm zum 1. Januar 2017 die neue Aufgabe von Dr. Thomas Feigl, der zukünftig den Bereich „Technologie und Wissenschaft“ bei der Bayern Innovativ GmbH leitet. 

Der Vorstandsvorsitzende Professor Dr. Michael Nerlich gab zum Geschäftsführerwechsel einen Rückblick und Ausblick: „Wir danken Dr. Thomas Feigl für sein unermüdliches fast 20-jähriges Engagement in dieser Position. Unter seiner erfolgreichen Führung hat sich der Verein zum größten Netzwerk der Gesundheitsbranche in Deutschland und Europa entwickelt. Als Vereinsvorstand wird Herr Dr. Feigl auch zukünftig die Geschicke des Forum MedTech Pharma begleiten. Gleichsam freuen wir uns, dass wir mit Dr. Matthias Schier einen ausgewiesenen Experten als neuen Geschäftsführer gewinnen konnten. So sehen wir sehr positiv in die Zukunft des Vereins und freuen uns auf weitere spannende Projekte und Highlights wie z. B. unseren Kongress MedTech Summit im Juni dieses Jahres (s. a. Seite 7) in Nürnberg.“

Marlene Klemm

klemm[at]medtech-pharma[dot]de

 

Veranstaltungshinweise des Forum MedTech Pharma

Crash-Kurs „Neue MDR – Auswirkungen für Wirtschaftsakteure, Vertragsgestaltung und Haftung“ am 4. Mai 2017

Seminar „Medizinprodukte-Entwicklung & CE-Kennzeichnung“ am 16. Mai 2017

Details und Anmeldung: medtech-pharma-shop.de

Gehälter in der Biotech-Branche steigen

Seit 2014 verzeichneten die Gehälter verschiedener Positionen in der Biotechnologiebranche Zuwächse um durchschnittlich vier Prozent. Das ergibt ein aktueller Vergleich, der im Auftrag des Industrieverbands BIO Deutschland erstellt wurde. Am deutlichsten nahmen demnach die Gehälter in den Geschäftsführungen zu; den geringsten Zuwachs verzeichnete das Fachpersonal aus der technischen Forschung. In keiner Gruppe gab es Einbußen. 

„Die Stimmung in der Biotech-Branche ist im Moment positiv. Zum Jahresende 2016 befragte Unternehmerinnen und Unternehmer gaben an, weiterhin mehr in Forschung und Entwicklung investieren und auch Personal aufbauen zu wollen“, kommentiert Viola Bronsema, Geschäftsführerin von BIO Deutschland die Entwicklung. „Wir schließen daraus, dass der Bedarf an gut ausgebildeten und erfahrenen Fachkräften in unserer Branche ungebrochen hoch ist.“

Dr. Claudia Englbrecht 

Mikrovesikel als Transporter für Antibiotika

Eine neu gegründete Nachwuchsgruppe am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS, Direktor Prof. Claus-Michael Lehr) erforscht, wie Antibiotika künftig gezielter eingesetzt werden könnten. Hintergrund des Vorhabens von Projektleiter Dr. Gregor Fuhrmann ist die Zunahme von Antibio­tikaresistenzen als Folge übermäßiger und zum Teil falscher Anwendung. Zudem sollen negative Auswirkungen auf potenziell nützliche Bakterien minimiert werden. 

Das Projekt „NanoMatFutur“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 2,1 Millionen Euro über fünf Jahre gefördert. Sein Ziel ist es, ein natürliches Wirkstoffträgersys­tem für Antibiotika auf der Basis extrazellulärer Vesikel zu ent­wickeln. Dabei handelt es sich um winzige Bläschen, die die Körperzellen abgeben, um untereinander zu kommunizieren. Die Vesikel richten sich nicht nur an körpereigene Zellen, sondern dienen auch der Abwehr von Bakterien. Diesen Mechanismus möchte Fuhrmann nutzen, um antibiotische Wirkstoffe gezielter an pathogene Bakterien heranzubringen. 

Die Untersuchungen erfolgen unter anderem mittels modernster Echtzeitmikroskopie, die die Interaktion der Vesikel mit Bakterien sichtbar machen kann. Als mögliche Quelle stehen am HIPS neben menschlichen Zellen auch Bakterienstämme zur Verfügung, die ihrerseits Mikrovesikel zur Interaktion und Verteidigung nutzen. 

In der Krebstherapie und der regenerativen Medizin gibt es bereits präklinische Anwendungen, aber als Wirkstoffträger für Infektionserkrankungen sind die Vesikel bisher noch nicht untersucht worden. gh

VDGH-Branchenbarometer

Der Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) stellte im Februar in Berlin im Rahmen einer Pressekonferenz seine alljährliche Branchenumfrage zu den wirtschaftlichen Erwartungen für das Jahr 2017 vor. Die Hersteller von diagnostischen Reagenzien und Gerätesystemen beschäftigen in Deutschland rund 22.000 Menschen und erzielen einen Jahresumsatz von 2,2 Milliarden Euro. 

Nur Innovation bringt Wachstum

Entgegen landläufiger Meinung ist diese Industrie keineswegs durch Großkonzerne geprägt. Der Vorstandsvorsitzende Matthias Borst  betonte, dass kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) mit einem Anteil von rund 90% das Rückgrat der Branche bilden. Und noch eine Zahl ist bemerkenswert: 11% des Inlandsumsatzes fließen in die Forschung und Entwicklung; das ist industrieweit ein Spitzenwert.

Ein robustes Wachstum verzeichnen die innovativen Bereiche der Immunchemie und der molekulardiagnostischen Tests für die Mikrobiologie.  Über alle Bereiche hinweg rechnet der VDGH für das zurückliegende Jahr allerdings nur mit einem Umsatzplus von 0,1 bis 0,2%. Somit ist die In-vitro-Diagnostik laut Borst von der positiven Entwicklung in anderen Medizintechnikmärkten deutlich abgekoppelt. 

Dementsprechend ist das IVD-Stimmungsbarometer für das Jahr 2017 gesunken. Über die Hälfte der Unternehmen geht von einer Stagnation aus, nur ein Drittel erwartet im neuen Jahr eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. Das Kernproblem sind dabei nicht so sehr die Umsatz- als vielmehr die Gewinnerwartungen in den klassischen Bereichen. Ein Grund dafür ist der anhaltende Preisverfall, insbesondere im Massengeschäft. 

Impulse aus personalisierter Medizin

Positiv fällt auf, dass sich das Marktsegment der Begleitdiagnostik (Companion Diagnostics) im Bereich der personalisierten Medizin deutlich weiterentwickelt hat. 37% der Unternehmen erzielten hier im Jahr 2016 bereits Umsätze, während der Anteil 2014 noch unter 30% lag. Es geht dabei um Tests, die  erforderlich und vorgeschrieben sind, um die Verschreibung teurer Medikamente – zum Beispiel in der Onkologie – zu rechtfertigen. Viele neue Wirkstoffe werden gezielt gegen bestimmte Moleküle wie etwa mutierte Wachstumsrezeptoren auf Krebszellen entwickelt. Sie  dürfen nur verabreicht werden, wenn der Patient die entsprechende Variante auch tatsächlich aufweist.  

Immerhin rund 38 Prozent der Unternehmen wollen ihre Investitionen im neuen Jahr erhöhen, etwas weniger als die Hälfte der Befragten geht von einem unveränderten Investitionsniveau für 2017 aus und knapp 15 Prozent wollen sogar weniger investieren. „Ein Markthemmnis sind nach Angaben der Unternehmen teilweise immer noch langwierige und intransparente Bewertungsverfahren zur Aufnahme von innovativen Laborleistungen in die gesetzliche Regelversorgung“, so Borst. 

Gabriele Köhne,

VDGH-Diagnostica-Forum 2017 Wert der Diagnostik in der Politik angekommen

Alle zwei Jahre findet in Berlin das VDGH-Diagnostica-Forum, die größte deutsche Plattform für den Informationsaustausch zwischen Diagnostika-Industrie und ärztlichen Laboren, statt. Bei der Veranstaltung am 17. Februar 2017 war eine Verbesserung der gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen unverkennbar.

120 Teilnehmer aus Industrie, Politik, Selbstverwaltung und Labor nahmen in Berlin Einblick in aktuelle Entwicklungen der Laboratoriumsmedizin. „Die IVD-Branche zeigt sich nach unserer Branchenerhebung als eine der innovativsten in Deutschland“, sagte der VDGH-Vorstandsvorsitzende Matthias Borst zum Auftakt der Veranstaltung (siehe dazu Bericht auf der gegenüberliegenden Seite). Vor allem das aufstrebende Marktsegment der Companion Diagnostics im Bereich der Personalisierten Medizin habe sich sehr positiv entwickelt. 

MdB Dr. Roy Kühne unterstrich in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Diagnostika-Industrie.  „Personalisierte Medizin kostet viel Geld, aber wir sind uns alle einig, dass eine zielgerichtete Therapie, die dem Patienten wirklich hilft, sinnvoller ist, als eine Gießkannenstrategie, die nur zu 50 Prozent anschlägt“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete. Kühne sprach sich dafür aus, dass Innovationen künftig schneller in der Versorgung ankommen. „Unser Auftrag an die Selbstverwaltung lautet, hier mehr Klarheit zu schaffen.“

Immer mehr laborärztliche Expertise benötigt

Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Umstrukturierung der Laborvergütung im vertragsärztlichen Bereich bestätigte Dr. Michael Müller, Vorstandsvorsitzender ALM e. V. und Vorstandsmitglied BDL e. V., diese Auffassung aus Sicht der Labore: Die neue Gebührenordnung müsse nicht nur klären, ob herkömmliche Laborleistungen richtig abgebildet seien, sondern auch, wie Innovationen künftig besser abgerechnet werden können. Kommunikation sei hierbei ein entscheidender Punkt: „Bei 6.500 verschiedenen diagnostischen Möglichkeiten benötigen Haus- und Fachärzte zur Unterstützung immer mehr labor­ärztliche Expertise“, unterstrich Müller die interdisziplinäre Ausrichtung des Fachs.

VDGH-Geschäftsführer Dr. Martin Walger kündigte für den Industrieverband die Aktualisierung seiner Positio­nen zur Weiter­entwicklung des Gesundheitswesens an. Zur laufenden Gesetzgebung sagte Walger: „Wir begrüßen das AMVSG, denn der Gesetzgeber untermauert damit den Wert der Labordiagnostik.“ Der VDGH-Geschäftsführer schlug vor, die Erstattungssituation von Diagnostika zur Abklärung einer Antibiotikatherapie gemeinsam mit den Partnern der Selbstverwaltung zu analysieren und kritisierte den zunehmenden Innovationsstau in der vertragsärztlichen Versorgung. 

Dr. Manfred Partsch vom GKV-Spitzenverband kündigte Neuregelungen im Verfahren des Bewertungsausschusses für das zweite Quartal 2017 an, betonte jedoch, dass „kein Spielraum für zusätzliche Mittel bei Laborleistungen im EBM“ erwartet werden könne. 

Breites Spektrum anspruchsvoller Fachthemen

Im fachlichen Teil der Veranstaltung wurden neue, richtungsweisende Methoden der Diagnostik beleuchtet. Hier ging es um Erkenntnisse bei der Antibiotikasteuerung (Prof. Dr. Sören Gatermann, Leiter des NRZ für gramnegative Krankenhauserreger an der Ruhr-Universität Bochum, Sophie Dannenfeld vom BKK-Landesverband Nordwest), zur Liquid Biopsy bei Lungenkrebs (PD Dr. Lukas Heukamp, Sprecher Diagnostik des Lungennetzwerks NOWEL), zur Herausforderung durch importierte exotische Erreger (Prof. Dr. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin Hamburg) und zur Diagnostik seltener Erkrankungen durch den deutschen „Dr. House“, Prof. Dr. Jürgen Schäfer (Zentrum für unerkannte und seltene Erkrankungen, Universitätsklinikum Gießen-Marburg).

Wachsendes Interesse an Präanalytik

Kongressbericht und neue Bücher

Laborthemen außerhalb der eigentlichen Analytik gewinnen zunehmend an Bedeutung– ein Trend, der sich in den Besucherzahlen eines EFLM-Symposiums niederschlug und auch in aktuellen Buchtiteln aufgegriffen wird.

Mit so einem Ansturm hatten die Organisatoren der EFLM1, allen voran die Arbeitsgruppenvorsitzende Prof. Ana-Maria Simundic vom Uniklinikum Zagreb, nicht gerechnet. Bei der 4th Conference on Preanalytical Phase am 24.–25. März war das Meervaart-Theater in Amsterdam voll belegt. Und dabei hatte die Veranstaltungsreihe ursprünglich ganz bescheiden als öffentliche EFLM-Arbeitsgruppen­sitzung begonnen.

Ohne Frage liegen die fehlerträchtigsten Prozesse der Labordiagnostik außerhalb des Labors – von ungezielten Testprofilen über die Abnahme der falschen Materialien bis zum unsachgemäßen Probentransport. Einen hervorragenden Überblick über die Problematik und ihre Lösungswege gibt die neue „Bibel der Präanalytik“ von W. Guder und S. Narayanan, die (wie auch die übrigen hier vorgestellten Bücher) bei De Gruyter erschienen ist.

Aller Anfang – im Guten wie im Schlechten – liegt bekanntlich in der Testanforderung, und hier sahen die Teilnehmer der Tagung in der Tat den größten Diskussionsbedarf. Prof. Maria Salinas vom Universitätsklinikum Alicante berichtete über das von ihr organisierte Redconlab-Projekt, das sich von einer lokalen Initiative auf ganz Spanien ausbreitete und die Zahl nicht indizierter Labortests landesweit deutlich senken konnte. 

In ihrem soeben erschienenen Buch Laboratory Test Request­ing bietet Maria Salinas neben vielen praktischen Verfahrenstipps auch interessante statistische Daten. So geht man davon aus, dass bis zu 25% aller angeforderten Labor­tests nicht indiziert sind (over­utilization) und umgekehrt bis zu 50% der wirklich nötigen Tests nicht angefordert werden (under­utilization). 

Diagnostische Pfade

Abhilfe soll hier vor allem die Etablierung leitlinienbasierter diagnostischer Pfade bieten. Das nebenstehend gezeigte Handbuch mit über 80 nützlichen Entscheidungsbäumen („Algorithmen“) ist inzwischen in zweiter Auflage auch auf Englisch erschienen. Diese neue Ausgabe stieß bei der Tagung in Amsterdam auf größtes Interesse, und deshalb ist zu hoffen, dass die im deutschsprachigen Raum gestartete Initiative nun rasch in ganz Europa Anhänger findet. 

Georg Hoffmann