Sinnvoller Einsatz von POC- und Schnelltests für orientierende mikrobiologische Untersuchungen in Krankenhaus und Arztpraxis.

Definitionen

Eine begrifflich scharfe Grenze zwischen „Schnelltest“ und „Point of Care Testing“ (POCT) kann man kaum ziehen. Schnelltests sollten ohne großen apparativen Aufwand ein Ergebnis innerhalb von Minuten liefern, unabhängig davon, ob sie patientennah oder patientenfern durchgeführt werden. POCTs verlangen laut Richtlinie der Bundesärztekammer (RiliBÄK), dass sie auch von medizinischem Personal ohne eingehende medizinisch-technische Qualifikation bedient werden können – dass also insbesondere keine aufwendigen Probenvorbereitungsschritte wie etwa eine Zentrifugation erforderlich sind. Dabei sollte (wie im Fall der Sepsis) aus dem Ergebnis auch eine unmittelbare therapeutische Konsequenz gezogen werden.
Ausschlaggebend dafür, dass sich POC-Tests trotz relativ hoher Preise im Markt durchsetzen konnten, ist vor allem die schnelle Verfügbarkeit der Test­ergebnisse: Während der Vorteil von POCT in der klinischen Chemie (beispielsweise beim Troponin) eher in der Beschleunigung der Logistik (Probentransport, Befundrückübermittlung) liegt und die eigentlichen Analysenzeiten nicht wesentlich differieren, bezieht sich der Zeitgewinn bei den mikrobiologischen Schnelltests speziell auch auf die Analysenzeit und kann Tage (bei schnell wachsenden Bakterien) oder sogar Wochen (bei Mykobakterien) betragen.
Was die RiliBÄK betrifft, so bewegen wir uns bei mikrobiologischen Schnelltests häufig in den Teilen B2 für qualitative laboratoriumsmedizinische Untersuchungen (Antigen- und Antikörper-Nachweis) oder B3 für den direkten Nachweis und die Charakterisierung von Infek­tionserregern (Protein- und Nukleinsäurenachweis). Auch für Schnelltests, die in keiner bettenführenden Einheit erbracht werden, gilt, dass die entsprechenden Kapitel der RiliBÄK in der aktuellen Fassung uneingeschränkt beachtet werden.
Insbesondere besteht teilweise Ringversuchspflicht (Externe Qualitätssicherung), zum Beispiel für einen Schnelltest zum Nachweis von HIV-Antikörpern nach Tabelle B2–2. Nicht einfacher wird es mit modernen HIV-Kombi-Assays, bei denen Antikörper und Antigen gemeinsam nachgewiesen werden: Dann sind beide Teile (B2 und B3) zu beachten.

Verfahren
In der medizinischen Mikrobiologie kommen Schnelltests sowohl für den Erregernachweis als auch für die Bestimmung von Toxinen und Antikörpern infrage. Im Markt verbreitet sind Nukleinsäure-Amplifikations-Techniken (NAT) mit Kassettengeräten sowie immunologische Verfahren wie ELISA oder Dot Blot.
Besonders der Lateral Flow Immuno Assay (LFIA, s. u.) ist in kleineren Einrichtungen weit verbreitet; dieser kombiniert das physikalisch-chemische Verfahren der Chromatografie mit einer spezifischen Antigen-Antikörper-Reaktion. LFIA-Tests können mit bloßem Auge abgelesen werden, aber ein Reader mit EDV-Anschluss ermög­licht vergleichsweise exaktere und leichter dokumentierbare Ergebnisse.
Deutlich erkennbar geht der Weg beim mikrobiologischen Point of Care Testing in Richtung Nukleinsäure-Amplifikation mit Multiplextests. So lassen sich mit der Real-Time-PCR innerhalb von 30 bis 60 Minuten im Liquor bis zu 17 Meningitis-Pathogene detektieren (u. a. HSV 1 und 2, VZV, N. meningitidis, S. pneumoniae, S. agalactiae und L. monocytogenes). Ähnliche Verfahren stehen auch zum Screening in Blutkulturen oder für respiratorische Sekrete zur Verfügung.

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