Mit dem PD-L1-Antikörper Atezolizumab befindet sich ein weiteres Immuntherapeutikum in der klinischen Entwicklung. Die Interimsergebnisse der ersten Phase-III-Studie OAK zeigen, dass Atezolizumab im Vergleich zu Docetaxel das Gesamtüberleben von vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) signifikant verlängern kann.

Atezolizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der spezifisch an das Protein PD-L1 bindet. Wie Prof. Dr. Thomas Wehler, Homburg/Saar, erläuterte, blockiert der PD-L1-Antikörper sowohl die Interaktion von PD-L1 mit PD-1 als auch mit B7.1. Durch die Blockade von zwei statt einem inhibierenden Signalweg könnte sich möglicherweise eine stärkere und längerfristige Reaktivierung des Immunsystems ergeben. 

Atezolizumab versus Docetaxel

In der offenen Phase-III-Studie OAK wurden Wirksamkeit und Verträglichkeit von Atezolizumab und Docetaxel in der Zweitlinientherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC verglichen [1]. Randomisiert erhielten die Patienten 1.200 mg Atezolizumab i. v. oder Docetaxel 75 mg/m² jeweils alle drei Wochen bis zur Progression der Erkrankung. Koprimäre Endpunkte waren das Gesamtüberleben (OS) in der Intention-to-Treat-Population (ITT) und in der Subgruppe mit einer PD-L1-Expression von ≥ 1% auf Tumorzellen oder Tumor-infiltrierenden Zellen. 

Die erste Interimsanalyse (n = 850) nach median 21 Monaten zeigte, dass Atezolizumab das Überleben der Patienten im Vergleich zu Docetaxel signifikant verlängerte. Der Medianwert betrug in der ITT-Gruppe unter Atezolizumab 13,8 Monate, unter Docetaxel 9,6 Monate (Hazard Ratio 0,73; 95%-Konfidenzintervall 0,62–0,87; p = 0,0003; Abb. 1). Bei Patienten mit PD-L1-Expression ≥ 1% lag das OS bei 15,7 Monaten unter Atezolizumab und 10,3 Monaten unter Docetaxel (HR 0,74; 95%-KI 0,58–0,93; p = 0,0102). Besonders ausgeprägt war der Effekt von Atezolizumab bei starker PD-L1-Expression (≥ 50%) mit einer medianen Überlebenszeit von 20,5 im Vergleich zu 8,9 Monaten unter Docetaxel (HR 0,41; 95%-KI 0,27–0,64; p < 0,0001). Bemerkenswert war jedoch, dass auch Patienten ohne PD-L1-Expression mit Atezolizumab eine bessere Prognose hatten mit einem medianen OS von 12,6 im Vergleich zu 8,9 Monaten unter Docetaxel (HR 0,75; 95%-KI 0,59–0,96; p = 0,0205). In vordefinierten Subgruppen wie Patienten mit Plattenepithel- und Nicht-Plattenepithelkarzinomen, mit ZNS-Metastasen und bei Nie-Rauchern war Atezolizumab ebenfalls signifikant besser wirksam als das Taxan.

Atezolizumab erwies sich als relativ gut verträglich. Immunvermittelte Nebenwirkungen wie Pneumonitis (1%), Colitis (0,3%) und Hepatitis (0,3%) waren selten. 

Abb. 1: Wirkung von Atezolizumab und Docetaxel auf das Gesamtüberleben in der Zweitlinientherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC. Modifiziert nach [1]. Bildquelle: Autor

Immuntherapie auf dem Vormarsch

Derzeit ist eine Immuntherapie bei 80–90% der Patienten mit einem NSCLC in der Zweitlinie schon Standard. In der Erstlinienbehandlung ist eine Monoimmuntherapie bei etwa einem Drittel der Patienten sinnvoll. Dies bedeutet auch, dass alle Patienten mit einem Lungenkarzinom – auch solche mit einem Platten­epithelkarzinom – auf PD-L1-Expression getestet werden müssen.

Susanne Heinzl

Literatur

1. Rittmeyer A et al. Atezolizumab versus docetaxel in patients with previously treated non-small-cell lung cancer (OAK): A phase 3, open-label, multicentre randomised controlled trial. Lancet 2017; 389: 255-65.

Satellitensymposium „Neue Wege in der Krebs­immuntherapie – Die nächste Generation der Checkpoint-Inhibitoren“ beim DGP-Kongress 2017 am 24.03.2017 in Stuttgart, unterstützt von der Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen.