Transfusionsmedizin/Immunhämatologie

Transfusionsmedizin/Immunhämatologie

Automation in der Immunhämatologie

Sparsamkeit und Sicherheit sprechen auch im Transfusionswesen für den Einsatz automatisierter Systeme. Diese unterscheiden sich vor allem hinsichtlich Durchsatz, Testmenü und Wahl des Nachweissystems. Wenn es  schnell gehen muss, bleiben manuelle Methoden unverzichtbar.

Die Wurzeln der Automation immunhämatologischer Untersuchungen liegen in den 1990er-Jahren. Den Anfang machte die Bestimmung der Blutgruppen-Antigene, bald darauf folgten Serumgegenprobe und Antikörpersuchtests. Heute liegt das Schwergewicht der Entwicklung auf der automatisierten Antikörperdifferenzierung und Kreuzprobe, sowie zunehmend auf der Integration der Geräte in das Arbeitsumfeld mit durchgehender Anbindung an Labor- und Krankenhausinformationssysteme. 
Die analytischen Grundlagen sind allerdings noch immer dieselben: Alle Messungen basieren auf dem Nachweis der Agglutination (Verklumpung)  roter Blutkörperchen,  lediglich die ehemals visuelle Auswertung wird heute von Kameras mit computergestützter Bildanalyse (Imaging) vorgenommen. Ansätze, diese aufwändige Technik durch einfache Trübungsmessungen zu ersetzen, haben sich bisher nicht bewährt. Somit liegen die Unterschiede zwischen den verschiedenen Systemen vor allem im Durchsatz und Testmenü sowie in der Verwendung unterschiedlicher Nachweissysteme –  von Mikrotiterplatten über Gelkarten bis hin zu Festphasenassays.

Vertragsgestaltung
Während in den Hochdurchsatzbereichen der Hämatologie und Klinischen Chemie täglich Hunderte oder Tausende von Proben durchgeschleust werden, sind in den Blutdepots der Krankenhäuser nur zehn bis hundert Patientenproben pro Tag (plus der zuzuordnenden Blutkonserven)die Regel. Entsprechend ausgelegt sind die in der Tabelle aufgeführten Systeme der führenden Hersteller: Hier findet man Tischgeräte, die sich bereits bei bis zu 15 Patientenproben pro Tag lohnen,  ebenso wie große Standgeräte für deutlich mehr als 50 Proben pro Tag.  Das System von Beckman Coulter  (früher Olympus) wurde als einziges speziell für die gro­ßen Blutspendedienste des Roten Kreuzes und ähnlicher Einrichtungen konzipiert, die Tausende von Proben pro Stunde abarbeiten. Der höhere Gerätepreis lässt sich durch kostengünstige Reagenzien einschlägiger Anbieter kompensieren.
Die Systeme von Bio-Rad, Grifols, Immucor, Mast, OCD und Tcoag arbeiten dagegen mit Reagenzien des jeweiligen Geräteherstellers. Um auch hier die Kos­tenkalkulation vorhersehbar zu machen, empfehlen sich Verträge zur Nutzung auf Zeit mit festen Preisen pro erfolgreich durchgeführter Testung.
Nicht zu vergessen sind bei der Vertragsgestaltung auch Vereinbarungen über Kosten und Zuständigkeiten für die Softwareanbindung an das LIS/KIS der Einrichtung; hier differieren die Angebote und die Flexibilität der Hersteller beträchtlich.

Auswahlkriterien
Bei der individuellen Bedarfsanalyse stehen an erster Stelle der täglich zu bearbeitende Probenumfang sowie die Art und die Anzahl der  zu automatisierenden Testverfahren. Wichtige organisatorische Fragen sind, ob man es mit häufig wiederkehrenden Patienten oder überwiegend mit Neueingängen zu tun hat, und zu welchem Zeitpunkt die Probenbearbeitung abgeschlossen sein soll. Ein besonders leistungsfähiges System ist notwendig, wenn der Löwenanteil der Proben erst nach 12 Uhr eintrifft und die Freigabe von Blutgruppe, Antikörpersuche und Kreuzprobe trotzdem innerhalb der regulären Dienstzeit erfolgen soll.
Aus klinischer Sicht ist zu klären, ob man ein sehr sensitives, also sicheres System benötigt – mit dem Nachteil einer höheren Rate an Abklärungen –  und wie hoch der Anteil an (meist hämatologisch-onkologischen) Problempatienten ist, die bei bestimmten Test-/Geräte-Kombinationen falsch positiv reagieren können. Grundsätzlich sollte man Testsysteme wählen, mit deren manueller Abarbeitung das Labor vertraut ist, um in Problemfällen entsprechendes Know-how zu gewährleisten. Proben, die vordringlich bearbeitet werden müssen, unterbrechen den Arbeitsfluss auch bei Systemen, die ausdrücklich als notfalltauglich ausgewiesen sind; wenn es wirklich um Minuten geht, bleibt die manuelle Abarbeitung die Methode der Wahl.
Letztendlich muss bei Einführung einer Automatisierungslösung der immunhämatologische Workflow sowohl im Labor, als auch bei den Zusendern erfasst und in der Regel auch grundlegend umgestaltet werden. Aus Gründen der Ausfallsicherheit kann es von Vorteil sein, statt eines Großgerätes mehrere kleinere parallel zu schalten. Eine Probestellung der in die engere Wahl gezogenen Systeme ist anzuraten, um die optimale Konfiguration in der Praxis zu testen.
Die Hauptziele der Automation in der Immunhämatologie sind Materialeinsparung und Personalentlastung, Wegfall des „Vier-Augen-Prinzips“, konstant hochwertige Analytik sowie vollständige elektronische Dokumentation und Archivierung. Diese Vorteile sind im Prinzip mit allen auf der nächsten Seite aufgeführten Systemen erzielbar. Lediglich bei der Prozessgeschwindigkeit hat die Automation bislang kaum spürbare Forstschritte gebracht; die Abarbeitung von Eilproben wird ganz im Gegenteil sogar langsamer.
Daran kann sich wohl auch nichts ändern, solange die zeitaufwändige Zentrifugationstechnologie beibehalten  wird. Hier sind die Entwickler gefordert, innovative Ideen zu entwickeln. Es  ist zu hoffen, dass mit dem Auslaufen von Patenten buchstäblich mehr Bewegung in die Arbeitsabläufe kommt – und möglicherweise auch in die noch immer recht hohen Preise. 

Dr. Georg Wittmann

Klinikum der Universität München, Abteilung
für Transfusionsmedizin und Hämostaseologie
georg.wittmann@med.uni-muenchen.de

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