Hodgkin-Lymphom und systemisches ALCL: Mit Immunkonjugat bessere Prognose im Rezidiv

Beim Hodgkin-Lymphom (HL) und beim systemischen anaplatischen großzelligen Lymphom (sALCL) hat sich die Prognose in der rezidivierten/refraktären (r/r) Situation seit Zulassung von Brentuximab Vedotin vor fünf Jahren erheblich gebessert: Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat kann bei diesen Patienten eine dauerhafte Remission und ein Langzeitüberleben bewirken.

Die Prognose von HL-Patienten ist laut Prof. Dr. Andreas Engert, Köln, zwar insgesamt sehr gut, bei Auftreten eines Rezidivs und vor allem beim frühen Therapieversagen verschlechtert sie sich aber zum Teil erheblich. Beim sALCL haben laut Prof. Dr. Norbert Schmitz, Hamburg, v. a. Patienten mit positivem ALK-Status eine relativ gute Prognose, die aber dennoch schlechter als beim HL ist. Auch hier war die rezidivierte und vor allem die refraktäre Situation – unabhängig von ALK-Status – lange Zeit eine Herausforderung. Geändert hat sich das mit Zulassung von Brentuximab Vedotin (Adcetris®) vor fünf Jahren: Kürzlich wurden für beide Indikationen Langzeitanalysen vorgestellt.

Langzeitwirksamkeit beim r/r HL

Gemäß den 5-Jahres-Daten der Phase-II-Zulassungsstudie zum r/r-HL konnten die 102 Patienten eine Gesamtüberlebensrate von 41% erzielen, das mediane Gesamtüberleben betrug 40,5 Monate [1]. Die Patienten seien mit im Median 3,5 Kombinationschemotherapien vorbehandelt gewesen und hätten daher eigentlich als unheilbar gegolten, betonte Engert. 

Von den 34 Patienten, die beim ursprünglichen Studienende nach bis zu 16 Zyklen eine Komplettremission erreicht hatten, waren 13 (38%) nach fünf Jahren weiterhin in Remission. Von ihnen hatten vier eine konsolidierende Stammzelltransplantation (SZT) erhalten, neun waren ohne jede weitere Behandlung ausgekommen [1, 2]. „Nach fünf Jahren in Remission können wir davon ausgehen, dass diese Patienten wahrscheinlich geheilt sind“, betonte Engert.

Langzeitwirksamkeit beim r/r sALCL

In der 5-Jahres-Auswertung der Phase-II-Zulassungsstudie für das r/r-sALCL lag die Gesamtüberlebensrate der 58 Patienten, bei denen vorher im Median zwei Kombinationschemotherapien versagt hatten, bei 60%, das mediane Gesamtüberleben war – unabhängig vom ALK-Status – noch nicht erreicht [3]. 

Von 38 Patienten, bei denen sich ebenfalls nach bis zu 16 Zyklen eine Komplettremission eingestellt hatte, hielt diese in der 5-Jahres-Analyse bei 16 (42%) weiter an, davon bei je acht ohne bzw. mit konsolidierender SZT als einziger weiterer Therapie [3, 4]. Auch bei diesen Patienten sei von einer Chance auf Heilung auszugehen, erklärte Schmitz.

Nebenwirkungen bilden sich zurück

Häufigste Nebenwirkung unter Brentuximab Vedotin war eine periphere Neuropathie – bei 55% der HL- und 57% der sALCL-Patienten. Sie war nach Ende der Therapie bei 88% der HL- bzw. 85% der sALCL-Patienten gebessert oder vollständig verschwunden [1, 3]. An Grad-4-Nebenwirkungen waren bei 6% der HL- bzw. 9% der sALCL-Patienten Neutropenien zu beobachten, die jedoch gut auf den Wachstumsfaktor G-CSF ansprechen [2, 4]. 

Die Standardtherapie des HL besteht aus einer kombinierten Chemo- und eventuell einer Strahlentherapie, deren Intensität vom Rezidivrisiko abhängt. Nach dem ersten Rezidiv wird meist eine Reinduktionstherapie empfohlen, gefolgt von einer Hochdosischemotherapie mit anschließender autologer SZT [5]. Die Standardtherapie des ALK-positiven sALCL ist eine Kombinationschemotherapie und eine Strahlentherapie. Beim ALK-negativen sALCL erfolgt anschließend ergänzend eine konsolidierende Hochdosistherapie mit autologer SZT [6]. Für das Rezidiv gab es bis zur Zulassung von Brentuximab Vedotin keinen Standard.

Brentuximab Vedotin schleust gezielt den toxischen Wirkstoff Monomethyl-Auristatin E in CD30-positive Zellen ein. Dieses Oberflächenantigen wird gemäß Engert insbesondere von HL- und sALCL-Zellen exprimiert. Das anti-CD30-Antikörper-Wirkstoff-Konjugat ist zugelassen für die Behandlung von Patienten mit r/r CD30-positivem HL nach autologer SZT oder nach mindestens zwei vorangegangenen Therapien, wenn eine autologe SZT oder eine Kombinationschemotherapie nicht als Behandlungsoption in Frage kommt, von Patienten mit r/r CD30-positivem HL und erhöhtem Rezidiv- oder Progressionsrisiko nach SZT sowie von Patienten mit r/r sALCL [7].

Petra Eiden

Literatur

1. Chen R et al. Blood 2016; 128: 1562-6.

2. Younes A et al. J Clin Oncol 2012; 30: 2183-9.

3. Pro B et al. ASH 2016, Abstract #4144.

4. Pro B et al. J Clin Oncol 2012; 30: 2190-6.

5. Onkopedia-Leitlinie Hodgkin Lymphom 02/2016: https://www.onkopedia.com; letzter Zugriff 1.9.2017.

6. Onkopedia-Leitlinie Periphere T-Zell Lymphome 03/2016: https://www.onkopedia.com; letzter Zugriff 1.9.2017.

7. Fachinformation Adcetris®, Stand Oktober 2016.

Geburtstags-Pressetalk „Gute Nachrichten zum Welt-Lymphom-Tag: 5 Jahre Adcetris® – Therapiestandard mit Chance auf Heilung“ am 23.08.2017 in Berlin, veranstaltet von Takeda Oncology, Berlin.