Seit Anfang April 2016 ist für die Erstlinientherapie des Plattenepithelkarzinoms der Lunge die erste zielgerichtete Therapie zugelassen. Die Zulassung basiert auf den Daten der SQUIRE-Studie, in der die Zugabe von Necitumumab zum Chemotherapie-Regime aus Gemcitabin und Cisplatin geprüft wurde. In der Launch-Pressekonferenz präsentierte Prof. Dr. Wolfgang Schütte, Halle (Saale), die Ergebnisse der offenen, randomisierten, multizentrischen Phase-III-Studie.

Das Plattenepithelkarzinom der Lunge tritt häufiger bei Männern mit ausgeprägtem Nikotinkonsum auf, es handelt sich häufiger um zentrale Tumoren mit entsprechender Symptomatik und das Durchschnittsalter der betroffenen Patienten ist im Durchschnitt höher und die Erkrankung daher auch mit mehr Komorbiditäten wie chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung, Hypertonie, koronarer Herzkrankheit und Diabetes assoziiert. Die Blockade von molekularen Treibern war bei diesen Tumoren bisher erfolglos, erklärte Dr. Sylvia Gütz, Klinik für Pneumologie und Kardiologie, Leipzig. In der Erstlinientherapie werden Platin-haltige Kombinationen eingesetzt, in der Zweitlinie sind u. a. Docetaxel in Monotherapie oder in Kombination mit Ramucirumab, Erlotinib und die Checkpoint-Blockade mit dem PD1-Rezeptor-Antikörper Nivolumab zugelassene Therapieoptionen. In der Erstlinientherapie hat sich das Armamentarium nun um die Kombination aus Necitumumab (Portrazza®) und Gemcitabin/Cisplatin erweitert. Necitumumab ist ein vollständig humaner, rekombinanter Antikörper der zweiten Generation gegen den Rezeptor für epidermalen Wachstumsfaktor (EGFR) mit einer hohen Bindungsaffinität.

Überlebensverlängerung durch neue Kombinationstherapie

In der SQUIRE-Studie [1] erhielten 1.093 therapienaive Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Platten­epithelkarzinom der Lunge randomisiert Necitumumab (800 mg, Tag 1 und 8 alle drei Wochen) in Kombination mit Gemcitabin (1.250 mg/m2, Tag 1 und 8 alle drei Wochen) und Cisplatin (75 mg/m2 alle drei Wochen) oder die alleinige Chemotherapie. Nach sechs Zyklen wurde die Therapie mit Necitumumab als Monotherapie bis zum Tumorprogress oder dem Auftreten nicht tolerierbarer Toxizität weitergeführt. Primärer Studienendpunkt war das Gesamtüberleben (OS), sekundäre Endpunkte das progressionsfreie Überleben (PFS), die Ansprechrate und die Zeit bis zum Therapieversagen (TTF).
Die Studie erreichte ihren primären Endpunkt: Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 25,2 Monaten betrug das mediane OS im experimentellen Studienarm 11,5 Monate versus 9,9 Monate im Kontrollarm. Damit wurde durch die zusätzliche Gabe von Necitumumab das Risiko zu versterben signifikant um 16% reduziert (Hazard Ratio 0,84; p = 0,012; Abb.). In Subgruppenanalysen wurden keine Patientengruppen identifiziert, die nicht von der Necitumumab-haltigen Kombination profitiert hätten. Patienten im Alter unter 70 Jahren profitierten aber möglicherweise besser als ältere Patienten. Mit der zusätzlichen Gabe von Necitumumab wurden häufiger Nebenwirkungen vom Grad ≥ 3 beobachtet (72% versus 62%). Klinisch relevante Nebenwirkungen traten bei 48% versus 38% der Patienten auf.

Abb.: SQUIRE-Studie – Gesamtüberleben der ITT-Population. Modifiziert nach [1]. Bildquelle: Autor

In einer exploratorischen Analyse wurde die Wirksamkeit bei Patienten, deren Tumoren EGFR exprimierten, mit der bei Patienten, die EGFR nicht exprimierten, verglichen [2]. Das mediane OS betrug bei Patienten mit EGFR-Expression 11,7 versus 10,0 Monate (HR=0,81; p=0,018). Als Marker für ein verbessertes Ansprechen auf die Therapie ist möglicherweise das Auftreten von Hautausschlägen geeignet: Patienten, die innerhalb der ersten zwei Zyklen einen Hautausschlag entwickelten, überlebten im experimentellen Arm median 13,6 Monate, diejenigen ohne Rash hingegen nur 10,2 Monate [3].

Ine Schmale

Literatur
1. Thatcher N et al. Necitumumab plus gemcitabine and cisplatin versus gemcitabine and cisplatin alone as first-line therapy in patients with stage IV squamous non-small-cell lung cancer (SQUIRE): An open-label, randomised, con­trolled phase 3 trial. Lancet Oncol 2015; 16: 763-74.
2. Hirsch FR et al. EGFR IHC and FISH correlative analyses (SQUIRE trial): Necitumumab + gemcitabine-cisplatin vs gemcitabin-cisplatin in 1st line squamous NSCLC. WCLC 2015, Abstract #ORAL32.05.
3. Bonomi P et al. Rash as a marker for efficacy of necitumumab in the SQUIRE study. WCLC 2015, Abstract #P1.01-062.

Launch-Pressekonferenz „Portrazza®: Zielgerichtete Therapie bei EGFR-positivem plattenepithelialem NSCLC“ am 5.4.2016 in Bad Homburg, veranstaltet von Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg.