Mit dem anti-IL-6-Antikörper Siltuximab (Sylvant®) steht ein neues therapeutisches Konzept zur Behandlung der HIV-negativen multizentrischen Castleman-Erkrankung (MCD) zur Verfügung. Beim EHA-Kongress wurde aus der Zulassungsstudie berichtet, dass Siltuximab neben der Anti-Tumor- und der symptomatischen Effektivität auch die Anämie verbessert.

 Die MCD ist eine seltene lymphoproliferative Störung, die mit systemischen Symptomen wie Fieber, Nachtschweiß, Fatigue, Anorexie und Kachexie einhergeht und bei Patienten mit oder ohne HIV-Infektion auftreten kann. Eine zentrale Rolle in der Pathogenese spielt die exzessive Produktion von Interleukin 6 (IL-6), die zu den konstitutionellen Symptomen, der Vermehrung von B-Lymphozyten und Plasmazellen, der Ausschüttung von vaskulärem endothelialem Wachstumsfaktor (VEGF) und zu Autoimmun-Phänomenen führt. Da es keinen Behandlungsstandard für diese seltene Erkrankung gab, wurde in einer weltweit durchgeführten Phase-II-Studie der anti-IL-6-Antikörper Siltuximab (Sylvant®) getestet [1]:
79 Patienten mit MCD, die negativ für HIV und humanes Herpesvirus 8 (HHV-8) waren, erhielten „Best Supportive Care“ und wurden im Verhältnis 2:1 randomisiert, außerdem doppelblind Siltuximab i. v. (11 mg/kg alle drei Wochen) oder Placebo zu bekommen. Den primären Endpunkt, eine anhaltende Remission von Tumor und Symptomen für mindestens 18 Wochen, erreichten in der Studie 34% der Patienten in der Verum-, aber keiner in der Placebogruppe (p = 0,0012). Bezüglich Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher unterschieden sich die beiden Arme nicht, obwohl die Patienten im Siltuximab-Arm mehr als doppelt so lange behandelt worden waren als die im Placeboarm. Schwere Nebenwirkungen, die möglicherweise auf Siltuximab zurückgeführt werden können, waren eine Lungenentzündung, eine anaphylaktische Reaktion und ein Fall von Sepsis.

Abb.: Mittlere Hämoglobin-Werte bei Patienten mit multizentrischer Castleman-Erkrankung unter Siltuximab und Placebo. Nach [2]. Bildquelle: Autor

Das häufigste Symptom war eine Fatigue (89%), und 53% der Patienten wiesen eine Anämie auf. In einer Auswertung, die Frits van Rhee, Little Rock, beim EHA-Kongress in Mailand vorstellte [2], hatte sich nach 13 Wochen Behandlung bei 61% der Patienten im Siltuximab-, aber bei keinem im Placeboarm der Hämoglobin-Wert um mindestens 1,5 g/dl erhöht (p = 0,0002). Bei 42% der Verum-Patienten hatten sich die Hämoglobin-Titer normalisiert, die mittleren Werte stiegen bei ihnen deutlich stärker an (Abb.). Außerdem besserten sich hier auch die Fatigue-Scores stärker als bei den Placebo-Patienten, und diese Besserung korrelierte positiv mit der Erhöhung der Hämoglobin-Konzentration. Das Ansprechen der Fatigue wurde begleitet von der Verbesserung anderer Messwerte für Funktion und Wohlbefinden, so van Rhee.
Mit Siltuximab steht für die Behandlung der HIV- und HHV8-negativen multizentrischen Castleman-Erkrankung also erstmals eine wirksame und auch bei langfristiger Gabe gut verträgliche therapeutische Option zur Verfügung, die über eine Bekämpfung der Anämie auch Funktion und Wohlbefinden verbessert.

Josef Gulden

Literatur
1. Van Rhee F et al. Lancet Oncol 2014; 15: 966-74.
2. Van Rhee F et al. EHA 2014, Abstract P1209.