Überlebensvorteile durch umfassende Angiogenesehemmung beim mCRC

Unabhängig davon, ob sie in der Erstlinie mit Bevacizumab behandelt wurden oder nicht, profitieren Patienten mit metastasiertem Kolonkarzinom (mCRC) in der Second Line von einer umfassenden anti-angiogenen Therapie mit Aflibercept zusätzlich zur Chemotherapie. Eine aktuelle Interimsanalyse der Phase IIIb/IV-Studien ASQoP/AFEQT belegt ferner, dass der Angiogenesehemmer im Praxisalltag besser verträglich ist als in kontrollierten klinischen Studien.

 Bereits in der VELOUR-Studie wurden laut Stefan Kasper, Essen, Überlebensvorteile für Aflibercept (Zaltrap®) dokumentiert. Die Substanz bewirkt eine besonders umfassende Inhibition der Tumorangiogenese: Sie hemmt nicht nur den Typ A des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors (VEGF-A), sondern ebenso VEGF-B sowie den Plazenta-Wachstumsfaktor PIGF, die beide ebenfalls an der Regulation der Angiogenese beteiligt sind.
Aflibercept ist zugelassen in Kombination mit FOLFIRI zur Zweitlinientherapie des mCRC beim Progress nach einer Oxaliplatin-haltigen Therapie. In dieser Indikation verabreicht, führt der Angiogenesehemmer nach dem Ergebnis der VELOUR-Studie zu einer signifikanten Verlängerung des Gesamtüberlebens von 12,1 auf 13,5 Monate [1]. „Das ist eine statistisch eindeutige und auch klinisch relevante Verbesserung“, erklärte Kasper bei einem Pressegespräch in Berlin im Nachgang zum ASCO-GI in San Francisco. Sie ist in allen analysierten Subgruppen auch unabhängig von einer Bevacizumab-Vortherapie nachzuweisen.
Bemerkenswert an den Überlebenskurven ist nach Kasper, dass diese von Beginn der Studie an bis zum Ende der 36-monatigen Beobachtungszeit kontinuierlich auseinanderweichen. Damit ist davon auszugehen, dass sich der therapeutische Vorteil mit der Zeit sogar noch verstärkt.
Auch im Praxisalltag hat sich Aflibercept etabliert, wie eine beim ASCO-GI präsentierte Interimsauswertung der Studien ASQoP/AFEQT [2] zeigt. Die Daten von 730 Patienten sind bereits analysiert, berichtete Sebastian Stintzing, München. Sie dokumentieren ebenfalls eine Verlängerung des Gesamtüberlebens unabhängig davon, ob die Patienten in der Erstlinie Bevacizumab erhalten hatten (56% aller Patienten) oder nicht. „Auch bei älteren Patienten jenseits des 65. Lebensjahres waren Überlebensvorteile nachzuweisen“, so Stintzing.
Relevanter noch sind ihm zufolge die Befunde zur Sicherheit und Verträglichkeit der Medikation. Diese war in der ASQoP/AFEQT-Studie noch besser als in der kontrollierten VELOUR-Studie. So lag die Rate an Grad-3/4-Nebenwirkungen mit 72% rund 10% unter der in VELOUR registrierten Nebenwirkungsrate [3]. Das betraf auch die über 65-jährigen Patienten, bei denen laut Stintzing sowieso mit mehr Nebenwirkungen zu rechnen ist. Auch in diesem Kollektiv aber erwies sich Aflibercept im klinischen Alltag als deutlich besser verträglich als in der Zulassungsstudie. Es traten vor allem seltener Durchfälle unter der Therapie auf, aber auch seltener eine ausgeprägte Stomatitis oder gar Ulzerationen sowie Infektionen.


Christine Vetter


Literatur


4. Expertise CRC “Post ASCO-GI: Kongresshighlights, aktuelle Studien und Fakten für die Praxis”, 4.2.2015, Berlin, Sanofi-Aventis.