Multizentrischer Morbus Castleman: Allgemeinbefinden mit Siltuximab verbessert

Patienten mit multizentrischem Morbus Castleman (multicentric Castleman´s Disease, MCD) haben durch eine Therapie mit dem im Mai 2014 zugelassenen Interleukin-6-Antikörper Siltuximab und „Best Supportive Care“ (BSC) im Vergleich zu Placebo und BSC höhere Chancen, den Gesundheitsnormwert zu erreichen. Dies ergab eine bei der letzten Jahrestagung der American Society for Hematology (ASH) in San Francisco präsentierte Untersuchung [1]. Eine weitere Auswertung zeigte, dass sich bei Patienten unter Siltuximab + BSC das Therapieergebnis unabhängig von der Symptomlast verbessern kann [2]

Siltuximab (Sylvant®) ist die erste von der EMA zugelassene und zielgerichtete Therapieoption für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit MCD, die HIV- und HHV-8 negativ sind [3]. Bereits in der Zulassungsstudie, einer Placebo-kontrollierten Phase-II-Studie mit 79 symptomatischen MCD-Patienten, in der Wirksamkeit und Sicherheit von Siltuximab + BSC untersucht wurde, hat gezeigt, dass Patienten im Siltuximab-Arm ein signifikant höheres Ansprechen als unter Placebo + BSC erreichten [4].
Mit einem MCD können eine Vielzahl an Symptomen einhergehen – neben den klassischen B-Symptomen sind häufige (> 20 %) Symptome Hepatosplenomegalie, pulmonale Symptome, Aszitis, Pleuraerguss und Ödeme, Neuropathie, Hautveränderungen und ein starkes Krankheitsgefühl [5]. In der beim ASH-Kongress vorgestellten Auswertung von van Rhee et al. berichteten die MCD-Patienten zu Beginn der Behandlung über ein unterdurchschnittliches Allgemeinbefinden, gemessen durch den Short Form (SF)-36 Fragenkatalog, der körperliche Verfassung, physische Fähigkeiten, Schmerzempfinden, allgemeine Gesundheit, Vitalität, soziale Fähigkeiten, emotionale Fähigkeiten und geistige Gesundheit evaluiert [1].
Die Kontrolle der Symptome gilt derzeit als primäres Therapieziel bei der Behandlung des MCD – daher ist eine Normalisierung oder gar Verbesserung des SF-36-Normwertes als klinisch relevante Verbesserung zu sehen [1]. Si­gnifikante Verbesserungen hinsichtlich des Normwertes gegenüber Placebo + BSC wurden unter Siltuximab + BSC in den Domänen Vitalität (47,1% vs. 14,3%; Odds Ratio 5,3; p = 0,049), soziale Fähigkeiten (76,5% vs. 22,5%; OR 11,4; p = 0,014) und emotionale Fähigkeiten erreicht (57,9% vs. 20,0%; OR 5,5; p = 0,011). In allen anderen Kategorien wurde ein positiver, jedoch nicht signifikanter Trend festgestellt.

Gute Wirksamkeit bei hoher
Symptomlast

Eine weitere in San Francisco vorgestellte Auswertung untersuchte die Wirksamkeit von Siltuximab + BSC in Patientenpopulationen, die nach Symptomlast stratifiziert worden waren [2]. Primärer Endpunkt für die gesamte Kohorte war die Rate an Patienten, die mit Tumor und Symptomen dauerhaft ansprachen (≥ 18 Wochen anhaltend). Diese lag bei 34% im Siltuximab- und 0% im Placebo-Arm (p = 0,0012; [4]).
Die Mehrzahl der Patienten hatte zu Beginn der Behandlung vier oder mehr MCD-Symptome. In dieser Subgruppe wurde bei 37% der Patienten ein dauerhaftes (≥ 18 Wochen anhaltend) Ansprechen von Tumor und Symptomen mit Siltuximab + BSC registriert
(p = 0,0011). Bei diesen Patienten lag die Rate des dauerhaften (≥ 18 Wochen anhaltend) symptomatischen Ansprechens bei 19% in der Placebo- und bei 61% in der Siltuximab-Gruppe (p=0,0027). Bezüglich des primären Endpunkts war kein Unterschied zwischen beiden Behandlungsgruppen bei den Patienten zu sehen, die zum Zeitpunkt des Studieneinschlusses weniger als vier MCD-bedingte Krankheitszeichen oder Symptome aufgewiesen hatten.
Noch deutlicher war der Unterschied bei Patienten mit einem Symptomscore von ≥ 10: Hier lag die Ansprechrate des Tumors auf Siltuximab + BSC bei 42,1% gegenüber 0% unter Placebo + BSC (p = 0,010). Die dauerhafte (≥ 18 Wochen anhaltend) symptomatische Ansprechrate der Patienten mit ≥ 10 Symptomen lag bei 68,4% im Siltuximab- gegenüber 21,0% im Placebo-Arm (p = 0,013). Bei Patienten mit einem Gesamt-Symptomscore von < 10 hingegen betrug die Rate des dauerhaften Ansprechens (≥ 18 Wochen anhaltend) von Tumor und Symptomen 29,4% im Siltuximab- und 0% im Placebo-Arm (p = 0,0439; [2]).
Höhere Wirksamkeit und bessere Lebensqualität vs. Placebo
Das Sicherheitsprofil war ähnlich zwischen den beiden Behandlungsarmen [5]. Unter Siltuximab + BSC wurden die Hämoglobin-Werte bei signifikant mehr Patienten verbessert (61% vs. 0%, p = 0,0002), was auch signifikant häufiger zu einer Besserung der Fatigue führte (p = 0,0364). Dies manifestierte sich in einer höheren Lebensqualität [6].

 

 


red


Literatur


Pressemitteilung von Janssen-Cilag, Neuss.