Abb.: Mediane Überlebensdauer von Patienten mit EGFR del19 in der LUX-Lung 3 (links) und der LUX-Lung 6-Studie (rechts) unter Afatinib bzw. der jeweiligen Chemotehrapie-Kombination. Nach [3]. Bildquelle: Autor

Die Therapie des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) hat in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht durch die zunehmende Stratifizierung anhand von Mutationen des Rezeptors für epidermalen Wachstumsfaktor (EGFR) und den Einsatz von Inhibitoren dieses Moleküls. Nun ist ein weiterer Schritt hin zu stärkerer Individualisierung und zu wirksamerer Behandlung zu verzeichnen: Werden Patienten mit NSCLC und mutiertem EGFR in der Erstlinie mit dem Pan-ErbB-Blocker Afatinib (Giotrif®) behandelt, zeigt sich ein deutlicher Überlebensvorteil nur dann, wenn eine ganz bestimmte Mutation, nämlich eine Deletion 19, vorliegt.

In zwei großen Phase-III-Studien (LUX-Lung 3 und LUX-Lung 6) war Afatinib in der Erstlinie randomisiert mit den beiden gängigsten Chemotherapie-Kombinationen Cisplatin/Pemetrexed bzw. Cisplatin/Gemcitabin verglichen worden. Afatinib hatte dabei in beiden Studien beim primären Endpunkt progressionsfreies Überleben einen signifikanten Vorteil gebracht [1, 2]. Die Patienten waren vorab bezüglich des Typs ihrer EGFR-Mutationen stratifiziert worden. Beim ASCO-Kongress in Chicago gab es nun in einer kombinierten Analyse beider Studien die Ergebnisse zum sekundären Endpunkt Gesamtüberleben [3]:
Es wurde laut James Chih-Hsin Yang, Taipeh, bei den Patienten mit den häufigsten EGFR-Mutationen (Deletion Exon 19 und L858R) signifikant um drei Monate von median 24,3 auf 27,3 Monate verlängert (Hazard Ratio 0,81; p = 0,0374). Eine detailliertere Analyse brachte bemerkenswerte Resultate: Die Überlebensverlängerung fiel nur bei Patienten mit der häufigsten EGFR-Mutation beim NSCLC, der Deletion 19 (del19, bei rund 50% der Patienten) signifikant aus, dafür aber mit median mehr als einem Jahr noch viel eindrucksvoller:
In LUX-Lung 3 ergab sich eine mediane Überlebensdauer von 21,1 Monaten für die Patienten im Chemotherapie- und von 33,3 Monaten für die im Afatinib-Arm – d. h. eine hochsignifikante Verlängerung um 12,2 Monate (Hazard Ratio 0,54; p = 0,0015; Abb. links). In LUX-Lung 6, an der nur asiatische Patien­ten teilgenommen hatten, waren es median 31,4 vs. 18,4 Monate (HR 0,64; p = 0,0229; Abb. rechts). Für die Patienten mit L858R-Mutation war hingegen kein signifikanter Unterschied zu erkennen.


Afatinib ist damit das erste Medikament, so Yang, das bei Patienten mit bestimmten Mutationen zu einer erheblichen Verlängerung des Überlebens führt. Patienten mit del19 bzw. L858R-Mutation im Gen für den EGF-Rezeptor sind also als zwei unterschiedliche Populationen zu betrachten und im klinischen Alltag auch unterschiedlich zu behandeln. Afatinib ist laut Yang damit der First-line-Standard für Patienten mit del19 und bleibt weiterhin eine Option für Patienten mit L858R-Mutation.

jfg

Literatur

1. Sequist LV et al. J Clin Oncol 2013; 31: 3327-34.
2. Wu YL et al. Lancet Oncol 2014; 15: 213-22
3. Yang JC et al. J Clin Oncol 2014; 32 (15S): 507s (ASCO 2014, Abstract #8004^).


Annual Meeting of the American Society of Clinical Oncology (ASCO) 30.5-3.6.2014 in Chicago.