Achte Auflage der TNM-Klassifikation maligner Tumoren - was gibt es Neues?

Diagnostik in der Onkologie

Buchcover "TNM-Klassifikation maligner Tumoren"
Abb. 1: p16-positives Plattenepithelkarzinom des Oropharynx, 100-fache Vergrößerung.

Seit Anfang Januar 2017 liegt die 8. Auflage der „TNM-Klassifikation maligner Tumoren“ vor [1]. Hier wurden sowohl einzelne neue Tumorentitäten aufgenommen, als auch bei wenigen Tumorklassifikationen grundlegende, häufiger jedoch kleinere Veränderungen vorgenommen, die im Folgenden kurz zusammengefasst werden sollen.

Generell wurde in der 8. Auflage Wert auf klare Begrifflichkeiten gelegt, z.B. die eindeutige Unterscheidung von „Stadium“ (Definition der anatomischen Ausbreitung) und „prognostischer Gruppenbildung“ (Klassifikationen, die andere Pro­gnosefaktoren mit einbeziehen, z. B. PSA, β-HCG). Dies war in der 7. Auflage [2] nur für Prostata- und Ösophaguskarzinome separat erwähnt worden.

Weiterhin wurden Prognosefaktoren näher spezifiziert und kategorisiert: Man unterscheidet tumorbezogene (Anatomische Ausbreitung bzw. TNM-Stadium, prädiktive/prognostische Faktoren wie Metastasen, Resektabilität), patientenbezogene (z. B. Alter, Geschlecht) und umweltbezogene (z. B. Zugang zu bestimmten Therapien) Prognosefaktoren.

Eine weitere Unterteilung erfolgt in „essenziell“, „zusätzlich“ und „neu und vielversprechend“. Damit steht jetzt für alle häufigen Entitäten in der aktuellen Auflage der TNM-Klassifikation ein sogenanntes Prognosefaktorengitter zur Verfügung.

Die Darstellung der Neuerungen in der aktuellen Auflage beschränkt sich in dieser Zusammenfassung (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) auf die pathologischen Klassifikationen, die zusätzliche Erläuterung der Stadien und Prognosefaktoren würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Kopf- und Halstumoren

Lippen und Mundhöhle

• In den Stadien pT1–3 jetzt zusätzlich zur Größe Einbeziehung der Invasionstiefe (≤ 5 mm, > 5 und ≤ 10 mm, > 10 mm)

• Beim Lymphknotenstatus jetzt neben den bisherigen Kriterien Einbeziehung des Fehlens oder Vorhandenseins einer extranodalen Tumor­ausbreitung:

→ Damit wird eine solitäre ipsilaterale LK-Metastase < 3 cm mit extra­nodalem Tumor jetzt nicht mehr als pN1, sondern als pN2a klassifiziert.

→ Ein bisheriges pN3 ohne extra­nodalen Tumor wird zum Stadium pN3a.

→ Neu eingeführtes Stadium pN3b bei extranodalem Tumor in LK > 3 cm oder multiplen LK.

Pharynx

Oropharynx

Immunhistochemischer p16-Status als Einteilungskriterium

a) p16-negative Oropharynxkarzinome oder Oropharynxkarzinome ohne Durchführung einer p16-Immunhistochemie:

• pT-Einteilung ändert sich im Vergleich zur 7. Auflage nicht.

• pN-Status bezieht jetzt das Fehlen oder Vorhandensein einer extranodalen Tumorausbreitung mit ein und entspricht exakt der pN-Klassifikation der Karzinome von Lippen und Mundhöhle (s. o.).

b) p16-positive Oropharynxkarzinome (Abb. 1):

• Bisherige Stadien pT4a und pT4b werden zu pT4 zusammengefasst.

• Für den pN-Status spielt lediglich die Anzahl von LK-Metastasen (≤ 4 oder > 4) unabhängig von der Größe oder der extranodalen Tumorausbreitung eine Rolle.

Nasopharynx

• In den Stadien pT2–4 keine wesentlichen Änderungen, nur noch detailliertere Auflistung der infiltrierten Strukturen.

• Beim pN-Status spielt neben der Größe der Metastasen jetzt für die Lokalisation nicht mehr die Supraklavikular-Grube, sondern der kaudale Rand des Krikoidknorpels als anatomische Grenze eine Rolle.

Hypopharynx

• Keine Änderung der pT-Klassifikation.

• pN-Status bezieht jetzt das Fehlen oder Vorhandensein einer extranodalen Tumorausbreitung mit ein und entspricht der pN-Klassifikation von Karzinomen von Lippen und Mundhöhle bzw. der p16-negativen Oropharynxkarzinome.

Larynx, Nasen- und Nasennebenhöhle, große Speicheldrüsen

• Keine Änderung der pT-Klassifikation.

• pN-Status bezieht jetzt das Fehlen oder Vorhandensein einer extranodalen Tumorausbreitung mit ein und entspricht der pN-Klassifikation von Karzinomen von Lippen und Mundhöhle, der p16-negativen Oropharynxkarzinome und des Hypopharynx.

Neu: unbekannter Primärtumor mit Metastasen der Halslymphknoten

• pN1 bis pN3b und M0 oder M1. 

• pT-Kategorie existiert nicht (klinisch T0).

Erforderlich dafür sind:

- Histologische Diagnosesicherung eines Plattenepithelkarzinomes.

- Untersuchungen zum EBV- und HPV/p16-Nachweis.

EBV-Nachweis → Verwendung der Klassifikation der Nasopharynxkarzinome.

HPV-Nachweis oder p16-Positivität 

→ Verwendung der Klassifikation p16-positiver Oropharynxkarzinome.

Schilddrüse

• Stadium pT3 wird jetzt unterteilt in pT3a (Tumor > 4cm auf die Schilddrüse begrenzt) und pT3b (Tumor jeglicher Größe mit extrathyreoidaler Ausbreitung).

• Die Stadieneinteilung pT1–4b wird jetzt auch auf anaplastische/undifferenzierte Karzinome angewendet, die früher per se und unabhängig von der Größe als mindestens pT4a eingestuft wurden.

Tumoren des Verdauungstraktes

Karzinome von Ösophagus, ösophago-gastralem Übergang und Magen

Keine Änderung der TNM-Stadien, jedoch Änderungen der Definition:

• Tumoren, deren Zentrum innerhalb der proximalen 2 cm der Cardia liegt, und die den ösophago-gastralen Übergang miteinbeziehen, werden als Ösophaguskarzinome klassifiziert.

• Tumoren, deren Zentrum > 2 cm vom ösophago-gastralen Übergang entfernt ist, werden als Magenkarzinome klassifiziert, auch wenn sie den ösophago-gastralen Übergang miteinbeziehen.

In der vorangegangenen 7. Auflage wurden Karzinome mit einem Abstand des Zentrums bis max. 5 cm vom ösophago-gastralen Übergang noch als Ösophaguskarzinome klassifiziert, wenn der Übergang vom Tumor erreicht wurde.

Karzinome des Dünndarms

• Im Stadium pT4 wird die Infiltration von Mesenterium oder Retroperitoneum nicht mehr auf eine Infiltration > 2 cm von der Darmwand entfernt eingeschränkt.

• Das Stadium pN2 beginnt bereits bei 3 LK-Metastasen (nicht wie bisher bei 4 LK-Metastasen). 

Karzinome der Appendix

• Neu: Einbezug der LAMN (niedriggradige muzinöse Neoplasie der Appendix) in die Klassifikation: Begrenzt auf die Appendix (definiert als Beteiligung mit muzinösem Epithel oder azellulärem Schleim) wird in der Klassifikation als pTis geführt.

Allerdings Widerspruch zu den „Anmerkungen“: Dort wird LAMN mit Beteiligung der Subserosa als pT3 definiert! 

• Stadium pT4a bezieht neben peritonealen Tumorabsiedlungen auch azelluläres Muzin jenseits der Serosa von Appendix oder Mesoappendix mit ein.

• Unterteilung des Stadiums pN1 in pN1a (Metastase in einem solitären regionären LK) und pN1b (Metastasen in 2 oder 3 regionären LK).

• Neu eingeführtes Stadium pN1c für Tumorknötchen (Satelliten) in Subserosa oder Mesenterium ohne Nachweis von LK-Resten und ohne regionäre LK-Metastasen (Abklärung des Vorhandenseins von Gefäßwandanteilen oder Nervenstrukturen notwendig: dann ggf. Einordnung als V1/L1 bzw. Pn1).

• Unterteilung des Stadiums pM1 jetzt in pM1a (nur intraperitoneales Muzin), pM1b (nur intraperitoneale Metastasen, eingeschlossen muzinöse Epithelzellen) und pM1c (nicht peritoneale Metastasen (bislang nur Stadien pM1a und pM1b).

Karzinome von Kolon und Rektum

• Genauere Definition der Satellitenknötchen (pN1c, siehe auch Appendix).

• Peritonealmetastasen werden jetzt als (neu eingeführtes) Stadium pM1c (bisher pM1b) klassifiziert.

Karzinome von Analkanal und perianaler Haut

• Neue Definition: Karzinome des Analrandes und der perianalen Haut innerhalb 5 cm vom Analrand werden jetzt als Analkarzinome klassifiziert (bisher als Karzinome der Haut!).

• Nodalstatus jetzt von pN0 bis pN1c (bisher pN0 bis pN3), mit erstmaliger Einbeziehung der LK an der A. iliaca externa.

Karzinome der Leber

• Neben dem Fehlen oder Vorhandensein einer Gefäßinvasion spielt jetzt für das Stadium pT1 (unterteilt in pT1a/b) auch die Tumorgröße (≤ 2 cm oder > 2 cm) eine Rolle.

• Der Befall größerer Portal- oder Lebervenen-Äste wird jetzt genauso wie die Infiltration von Nachbarorganen als Stadium pT4 (bislang pT3b) klassifiziert.

Karzinome der intrahepatischen Gallengänge

• Neben dem Fehlen oder Vorhandensein einer Gefäßinvasion spielt jetzt für das Stadium pT1 (unterteilt in pT1a/b) auch die Tumorgröße (≤ 5 cm oder > 5 cm) eine Rolle.

• Eine Invasion extrahepatischer Strukturen wird jetzt als Stadium pT4 (bislang pT3) klassifiziert. Der Begriff einer „periduktalen Invasion“ kommt dagegen nicht mehr vor.

Karzinome der Gallenblase und des Ductus cysticus

• Für das Stadium pT2 spielt es jetzt eine Rolle, ob das muskuläre Bindegewebe auf der Serosaseite (pT2a) oder auf der Leberseite (pT2b) infiltriert ist.

• Für den Nodalstatus spielt jetzt nicht nur das Fehlen oder Vorhandensein von LK-Metastasen, sondern auch deren Anzahl eine Rolle (pN1 bei ≤ 3 LK-Metastasen, pN2 bei ≥ 4 LK-Metastasen). Dasselbe gilt für Karzinome der perihilären Gallengänge.

Karzinome der distalen extrahepatischen Gallengänge

• Für die Stadien pT1–pT3 spielt nur noch die Ausdehnung der Wandinfiltration des Gallengangs (≤ 0,5 cm, > 0,5 cm und ≤ 1,2 cm oder > 1,2 cm) eine Rolle, dabei erfolgt keine Bewertung der Infiltration von Nachbarorganen mehr.

• Für das Stadium pT4 wird jetzt neben der Infiltration von Truncus coeliacus und A. mesenterica superior auch die Infiltration der A. hepatica communis erwähnt. 

Karzinome der Ampulla Vateri

Untergliederung der Stadien pT1 und pT3 in a und b und genauere Definition der Stadien pT2 und pT4:

• Entscheidend für pT1b und pT2 ist die Infiltrationstiefe in die Duodenum-Wand.

• Für das Stadium pT3 spielt die Ausdehnung der Pankreas-Infiltration (≤ 0,5 cm für pT3a oder > 0,5 cm für pT3b) eine Rolle, wobei pT3b auch die Infiltration des peripankreatischen Weichgewebes miteinbezieht (bislang pT4).

• Ein Stadium pT4 liegt bei Infiltration von Truncus coeliacus, A. mesenterica superior oder A. hepatica communis vor 

• Für den Nodalstatus spielt jetzt nicht nur das Fehlen oder Vorhandensein von LK-Metastasen, sondern auch deren Anzahl eine Rolle (pN1 bei ≤ 2 LK, pN2 bei > 2 LK).

Karzinome des Pankreas

Für die Stadien pT1–pT3 ist jetzt ausschließlich die Tumorgröße entscheidend: 

• Hierfür Untergliederung des Stadiums pT1 in pT1a–c (Tumorgröße ≤ 0,5 cm, > 0,5 cm und ≤ 1 cm, > 1 cm und ≤ 2 cm).

• Tumorgröße in den Stadien pT2 und pT3 > 2 cm, ≤ 4 cm bzw. > 4 cm.

- Diese Stadien schließen die peripankreatische Weichgewebs-Infiltration mit ein, die somit im Vergleich zur Größe an Bedeutung verliert (bislang immer per se pT3).

- Für Stadium pT4: Infiltration von Truncus coeliacus oder A. mesenterica superior (wie bisher) oder der A. hepatica communis (neu).

- Für den Nodalstatus spielt jetzt nicht nur das Fehlen oder Vorhandensein von LK-Metastasen, sondern auch deren Anzahl eine Rolle (pN1 bei ≤ 3 LK-Metastasen, pN2 bei ≥ 4 LK-Metastasen).

Neue Kategorie: Gut differenzierte neuroendokrine Tumoren des Gastrointestinaltraktes (Pankreas eingeschlossen)

- Schlecht differenzierte neuroendokrine Karzinome sind wie bisher ausgeschlossen, sie werden wie die Karzinome der jeweiligen Lokalisationen klassifiziert (bei der Appendix auch die Becherzell-Karzinoide).

- Neuroendokrine Tumoren der Lunge werden wie bisher analog den Lungenkarzinomen klassifiziert.

- Merkelzellkarzinome der Haut haben wie bisher eine eigene Klassifikation.

Magen

• Keine pTis-Kategorie mehr: Auch auf die Mukosa beschränkte Tumoren < 0,5 mm werden als pT1 klassifiziert.

Dünndarm

• Separate Darstellung der Klassifikationen von Duodenum/Ampulle und Jejunum/Ileum, jedoch inhaltlich in den pT- und pN-Kategorien keine Unterschiede zu bisher.

Appendix

• Keine Untergliederung des Stadiums pT1 (Tumorgröße ≤ 2cm) in pT1a/b mehr.

• Ausbreitung des Tumors in die Subserosa oder die Mesoappendix ist Stadium pT3. Ausbreitung in Coecum (bislang pT2) oder Ileum (bislang pT3) ist nicht mehr extra erwähnt und geht in den Stadien pT3 und pT4 auf, je nachdem, ob die Infiltration direkt über die Subserosa oder nach Perforation des Peritoneums erfolgt.

Pankreas

Erstmalig eigene Klassifikation für neuroendokrine Tumoren des Pankreas, bisher Klassifikation wie Karzinome.

• Für die Stadien pT1–3 spielt die Tumorgröße (≤ 2 cm, > 2 cm und ≤ 4 cm oder > 4 cm, peripankreatische Weichgewebs-Infiltration eingeschlossen) eine Rolle.

• Infiltration von Duodenum oder Gallengang entspricht Stadium pT3, eine Serosa-Perforation oder Infiltration anderer Organe/Strukturen entspricht Stadium pT4.

Bei allen neuroendokrinen Tumoren 
von Magen bis Rektum einschließlich Pankreas:

• Untergliederung von Stadium pM1 jetzt in pM1a (auf Leber beschränkte Metastasen), pM1b (nur extrahepatische Metastasen) und pM1c (hepatische und extrahepatische Metastasen).

GIST (gastrointestinaler Stromatumor)

Wird jetzt unter Knochen- und Weichteiltumoren geführt, an der Klassifikation gibt es keine Veränderungen.

Lungen-, Pleura- und Thymustumoren
Neu: Kategorie der Thymustumoren

Gilt nur für epitheliale Tumoren des Thymus wie Thymome, Thymuskarzinome und neuroendokrine Tumoren. Sarkome, maligne Lymphome und andere seltene Tumoren sind ausgeschlossen.

Lunge

• Neueinführung der Kategorie pT1mi (minimal invasives Adenokarzinom): Solitäres Adenokarzinom ≤ 3 cm mit vorwiegend lepidischem Wachstumsmuster und fokaler Invasion mit einer Herdgröße von max. 5 mm.

• Genauere Untergliederung der Tumorgrößen in den verschiedenen Stadien.

Hier unklar: Klassifikation von Tumoren > 7 cm ohne Infiltration von Pleura oder anderen Strukturen!

• Infiltration des Zwerchfells ist jetzt Stadium pT4 (bisher pT3).

• Tumor-assoziierte Atelektase oder obstruktive Entzündung auch der ganzen Lunge wird unter Stadium pT2 (bisher pT3) klassifiziert.

• In der pM-Klassifikation Unterscheidung, ob eine (pM1b) oder multiple (pM1c) extrathorakale Metastasen vorliegen.

Pleuramesotheliom

• Keine Untergliederung in pT1a und b mehr: Befall von ipsilateraler parie­taler Pleura mit oder ohne Beteiligung der viszeralen Pleura wird gleichermaßen unter Stadium pT1 subsummiert.

• Für den Nodalstatus ist nur noch entscheidend, ob nur ipsilaterale (pN1) oder auch kontralaterale (pN2) intrathorakale Lymphknoten befallen sind (bislang noch Differenzierung der Lokalisation).

Knochen- und Weichteil­tumoren

Knochentumoren

Neu: neben der bisherigen Klassifikation separate Klassifikation von Knochentumoren in Wirbelsäule und Becken, wobei hier die Wirbelsäule in fünf (rechter Pedikel, rechter Wirbelkörper, linker Pedikel, linker Wirbelkörper, hinteres Segment), das Becken in vier Segmente (Os sacrum, Beckenschaufel, Acetabulum/Periacetabulum/Beckenäste, Symphyse/Schambein) aufgeteilt wird.

• Dabei kommt es jeweils darauf an, wie viele Segmente befallen sind, ob eine Gefäßinvasion vorliegt und ob an der Wirbelsäule der Wirbelkanal, im Becken das sakrale Neuroforamen infiltriert ist, oder bei letzterem eine extraossäre Tumorausbreitung vorliegt. 

• Die Tumorgröße (≤ 8 cm oder > 8 cm) spielt in allen Lokalisationen außerhalb der Wirbelsäule für die Klassifikation eine Rolle.

Weichteile

Neu: Separate Klassifikation unterschiedlicher Lokalisationen, jeweils mit Stadien pT1–pT4.

Extremitäten und oberflächlicher Stamm sowie Retroperitoneum

• Entscheidend für die Stadien pT1–4 ist die Tumorgröße (≤ 5 cm, > 5 cm und ≤ 10 cm, > 10 cm und ≤ 15 cm oder > 15 cm).

Kopf-Hals-Bereich

Entscheidend für die Stadien pT1–3 ist die Tumorgröße (≤ 2 cm, > 2 cm und ≤ 4 cm oder > 4 cm) und für das Stadium pT4a und b die Infiltration bestimmter Kopf-Hals-Strukturen bzw. des ZNS.

Eingeweide von Thorax und Abdomen

Entscheidend für die Stadien pT1–pT4c ist nicht die Tumorgröße, sondern die Frage einer Serosa-Perforation durch den Tumor und die Beschränkung auf ein Organ bzw. die Uni- bzw. Multifokalität.

Hauttumoren

Karzinome der Haut

• Neu: 

- Perianale Hautkarzinome sind jetzt – wie auch bisher schon Karzinome von Augenlid, Vulva und Penis – aus dieser Klassifikation ausgeschlossen und werden wie Analkarzinome klassifiziert (s. o.).

- Separate Klassifikation der Hautkarzinome im Kopf-Hals-Bereich:

• Die pT-Klassifikation von Hautkarzinomen im Kopf-Hals-Bereich und anderer Lokalisationen ist identisch. Einzige Veränderung im Vergleich zur 7. Auflage ist, dass jetzt Tumoren > 4 cm der pT3-Kategorie zugerechnet werden (bislang alle Karzinome > 2cm pT2).

• Die pN-Klassifikation der Hautkarzinome im Kopf-Hals-Bereich bezieht das Fehlen oder Vorhandensein einer extranodalen Tumorausbreitung mit ein und ist damit identisch mit der der Karzinome von Lippen und Mundhöhle, der p16-negativen Oropharynxkarzinome und der Karzinome von Hypopharynx, Larynx, Nase/Nasennebenhöhlen und großen Speicheldrüsen.

• Keine Änderung der pN-Klassifikation der Hautkarzinome anderer Lokalisationen.

Karzinome der Haut des Augenlids

• Für die Kategorien pT1–3 spielt jetzt die Tumorgröße (≤ 10 mm, > 10 mm und ≤ 20 mm, > 20 mm und ≤ 30 mm) eine Rolle, für die jeweilige Untergliederung in a–c das Fehlen oder Vorhandensein einer Infiltration von Tarsus oder Lidrand bzw. eine Infiltration der gesamten Lid-Dicke (wie bislang nur für pT1 und pT2).

• Eine Infiltration jeglicher Strukturen des Auges, der Orbita oder des Kopfes wird als pT4 klassifiziert (früher z. T. noch pT3 und abhängig vom klinischen Faktor Resektabilität).

• Genauere Unterteilung des Nodalstatus abhängig von Größe und Lokalisation der Lymphknoten-Meta­stasen (ipsi-, bi-/bzw. kontralateral).

Malignes Melanom der Haut

• Für die Unterteilung des Stadiums pT1 (Tumordicke ≤ 1 mm) in pT1a/b ist jetzt neben dem Fehlen oder Vorhandensein einer Ulzeration die Tumordicke (≤ oder > 0,8 mm) entscheidend.

• Die Anzahl von Mitosen/mm² spielt keine Rolle mehr für das pT-Stadium, wird aber als essenzieller tumorbezogener Prognosefaktor im Pro­gnosefaktoren-Gitter erwähnt.

Merkelzellkarzinom der Haut

Lediglich neue pN-Klassifikation für In-transit-Metastasen ohne (pN2) oder mit (pN3) regionären LK-Metastasen.

Abb. 2: Seröses Ovarialkarzinom, high grade, HE-Färbung, 100-fache Vergrößerung.

Mammatumoren

Keine Änderungen gegenüber der 7. Auflage der TNM-Klassifikation.

Gynäkologische Tumoren

Neu: Eine gemeinsame Klassifika­tion für Ovar-, Tuben-und primäres Peritonealkarzinom (Abb. 2)

• Stadium pT1c wird nochmals untergliedert in Abhängigkeit davon, ob eine Tumorzell-Dissemination während der Operation stattfand (pT1c1), die Kapsel vor dem Eingriff rupturierte bzw. Tumor an Ovar- oder Tubenoberfläche nachweisbar war (pT1c2) oder ob sich maligne Zellen im Aszites oder bei Peritonealspülung fanden (pT1c3).

• Für das Stadium pT2 spielt jetzt das Fehlen oder Vorhandensein mali­gner Zellen in Aszites oder Peritonealspülung keine Rolle mehr: Stadium pT2c entfällt.

• Bei den retroperitonealen LK-Meta­stasen spielt jetzt die Größe eine Rolle (N1a bei ≤ 10 mm, N1b bei > 10 mm).

• Unter die Kategorie pM1 (Fernmetastasen) wird jetzt auch eine positive Zytologie im Pleuraerguss gerechnet (pM1a).

Urologische Tumoren

Penis

• Eine Infiltration des Corpus spongiosum wird als pT2, eine Infiltration des Corpus cavernosum jetzt als pT3 klassifiziert, unabhängig vom Fehlen oder Vorhandensein einer gleichzeitigen Infiltration der Urethra.

• Für ein Stadium pN1 werden jetzt bis zu zwei positive ipsilaterale Leisten-Lymphknoten toleriert (bislang nur einer).

Nierenbecken und Harnleiter

Einzige Veränderung: Für die Größe der LK-Metastasen spielt nur noch die Maßzahl 2 cm, nicht jedoch die Maßzahl 5 cm eine Rolle, weshalb das Stadium pN3 entfällt.

Harnblase

• In das Stadium pT4a wurde jetzt neben einer Infiltration von Prostatastroma, Uterus und Vagina explizit noch die Infiltration der Samenblase(n) mit aufgenommen.

• Aufteilung des Stadiums pM1 (Fernmetastasen) in pM1a (nicht-regionäre LK-Metastasen) und pM1b (sonstige Fernmetastasen).

Harnröhre

Einzige Veränderung: Für die Stadien pN1 und pN2 spielt nur eine Rolle, ob ein solitärer oder multiple LK befallen sind, die LK-Größe (wie bisher der Fall) nicht mehr.

Augentumoren

Malignes Melanom der Konjunktiva 

• Für die Stadien pT1 und pT2 spielt neben der genauen Lokalisation (wie bisher) jetzt lediglich eine Tumordicke von ≤ 2,0 mm oder > 2,0 mm eine Rolle (bislang noch genauere Größenangaben).

• Unterteilung des Stadiums pT3 in a–d, je nach infiltrierter Struktur im Bereich von Auge und Orbita.

Malignes Melanom der Uvea

Unklar: Unterschied zwischen pT2c und pT3a!!

Karzinom der Tränendrüsen

• Eine Infiltration von Periost oder des Knochens der Orbita ist nicht mehr automatisch als Stadium pT4 zu klassifizieren, sondern in Abhängigkeit von der Tumorgröße als Stadium pT1–3 (a–c).

• Ein Stadium pT4 ist nur dann zu diagnostizieren, wenn angrenzende Strukturen wie Nasennebenhöhlen, Fossa temporalis etc. infiltriert werden, und dann abhängig von der Tumorgröße in pT4a–c zu untergliedern.

Neue Kategorie: Kinder­tumoren

Diese Klassifikationen sollen nicht die von den Klinikern für die Behandlung eines individuellen Patienten verwendeten ersetzen, sondern die Sammlung von Staging-Daten erleichtern, die im Rahmen der populationsbasierten Register erhoben werden.

Literatur

1. C Wittekind (Hrsg.): TNM-Klassifikation maligner Tumoren. 8. Auflage. Wiley-VCH, Weinheim 2017.

2. C Wittekind, H Asamura, L H Sobin (Hrsg.): TNM Atlas. 7. Auflage. John Wiley & Sons, New York 2014.

Dr. med. Sabine Siegert

Pathologie München Nord

www.pathologie-muenchen.de